Before Watchmen – The Comedian #1 Review

Der Comedian ist sicher eine der interessanteren Figuren in Watchmen. Mit seinem Fall beginnt die Geschichte und es ist an ihm, zu illustrieren, wie tief der amerikanische Traum sinken kann. Der Comedian lacht, weil ihm alles egal ist. Wie gut oder schlecht ist sein Auftritt in Before Watchmen?

Before Watchmen - Comedian #1 Cover

Das Cover ist nicht direkt schön, aber es ist interessant und irgendwie sehr passend. Die Ledermaske, die einen an Fetisch und S/M denken lässt, das breite Grinsen, das an einen Smilie denken lässt, der Blutfleck hat auf der Maske ist sogar 1:1 der vom Cover von Watchmen – die Anspielung auf die Originalserie sind sehr deutlich, aber trotzdem gelungen.

Geschrieben wurde Comedian #1 (“Smile”) von Brian Azzarello, den man sonst eher durch Vertigo-Titel kennt (100 Bullets, aktuell Spaceman) oder durch den aktuellen, eher kontrovers diskutierten Run von DC Comics Wonder Woman. Für die Zeichnungen war J.G.Jones (Final Crisis, Wanted,Wonder Woman: The Hiketeia!) zuständig. Erwähnenswert sind bei Comedian #1 auch die Farben. Kolorist Alex Sinclair setzt vor allem auf blaue und orange Töne, was den Comic recht interessant wirken lässt. Trotzdem haut mich auch Comedian vom Zeichnerischen her nicht um, ist eher gehobener Standard. Comedian soll letzlich aus sechs Heften bestehen.

Azzarello ist ein guter, mitunter herausragender Erzähler und Comedian #1 ist inhaltlich bisher auch mein Favorit in der Reihe Before Watchmen. Aber 100 Bullets hatte erzählerisch eine ganz andere Wucht. Selbst ein Brocken wie Spaceman begeistert mich mehr. Vielleicht liegt das an der größeren kreativen Freiheit, die Azzarello bei diesen Titeln hat. Auch Wonder Woman ist ja ein Comic, der stets zwischen “Super” und “Was hat er sich denn dabei gedacht?” oder, schlimmer noch, “Was ist denn da grad passiert?” schwankt. Die Dialoge sind manchmal großartig und manchmal zu kryptisch, um verstanden zu werden. Ganz so anspruchsvoll ist Comedian dann doch nicht, dafür fehlen hier aber auch die richtigen Aha-Effekte, wie sie Silk Spectre #1 letzte Woche noch bot (“Oh Sweetie, You’re too young to hate. Wait until you’re older and the world gives you a good reason.”, eine tolle, berührende Szene, gleichzeitig die Szene, die bisher für mich am Ehesten den Watchmen-Ton getroffen hat.)

Auch der Comedian beginnt “meta”. Es spielt Musik, wir lesen den Text, während ein jüngerer Comedian dem Bett entsteigt und einen Baseball zur Hand nimmt. Alles ist in blau getaucht. Es folgt eine etwas verwaschen wirkende Szene, schwer zeitlich einzuordnen, in der der Comedian (Eddie) mit John F. Kennedy und seinem Bruder Ted Baseball spielt. Diese steckt voller Andeutungen auf eine homoerotische Beziehung zwischen “Eddie”, “Jacky” und “Teddy”. Es tummeln sich überhaupt viele Berühmtheiten aus den 60ern in Comedian #1. Die Kennedys (inklusive Jacky Onassis), Gangsterboss Sam Giancana, Marilyn Monroe – Azzarello gibt sich viel Mühe, den Leser in die Zeit zu versetzen und es funktioniert und macht Spaß. Auch wenn er nicht jede Anspielung auf dem Silbertablett serviert, wer sie versteht (notfalls die Namen googeln), hat noch mehr Spaß.

Leider verbaut er sich damit gleichzeitig die Chance auf einen wirklich schockierenden Schluss und damit ein richtig gutes Heft. Schlecht ist der Schluss trotzdem nicht, die interessantesten Dinge passieren aber eben davor und der “Cliffhanger” verweist in die Zukunft, die spannend werden dürfte.

Comedian ist insgesamt aus meiner Sicht das bisher beste Heft der Reihe, knapp gefolgt von Silk Spectre #1. Am Schlechtesten ist bisher Minutemen #1, allerdings gewinnt das mehr und mehr an Reiz, je mehr Geschichte nachgeliefert wird. Es bildet eine Art “Rahmen” für die spannenden Geschichten, ist selbst aber unspannend. Ich weiß nicht, ob ich die Entscheidung, mit einem eher lahmen Heft zu beginnen, richtig finde, aber ich finde sie zunehmend machbar.

Zu guter Letzt bleibt einmal mehr Verwunderung darüber, wie uninspiriert man die Piratengeschichte einsetzt. Hier wird viel Potential verschenkt, gerade die Zeichnungen von John Higgins sind durchaus gut und auch die Geschichte, die er zusammen mit Len Wein ersann, könnte Potential haben, aber auf jeweils 2 Seiten kann sie sich unmöglich entfalten. Effektiv wird sich seit drei Heften gegenseitig kielgeholt, das ist nicht sonderlich spannend.

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