Archiv der Kategorie: Medien: Print

Neues Archiv: Lantern – 800.000 Seiten Magazine zu Film & Rundfunk digitalisiert

Werbung Mampes Gute Stube FilmlandFilmnerds, die sich gern durch Archive wühlen, kriegen jetzt glänzende Augen: Die Media History Digital Library hat 800.000 Seiten zur Geschichte von Film und Rundfunk öffentlich gemacht. Das neue Archiv heißt Lantern und umfasst unter Anderem alle Ausgaben von Business Screen, The Hollywood Reporter, Photoplay und Variety. Ich blättere grad durch das Kunstmagazin Shadowland. Da warten hoffentlich ein paar tolle Entdeckungen auf uns. Die Werbung von Mampes Guter Stube (siehe oben) im deutschen Magazin Filmland find ich zum Beispiel witzig. Mehr dazu gibt es bei Open Culture. Ich bin beschäftigt.

Dzhokhar Tsarnaev Superstar? – Boston Bomber ziert Cover vom Rolling Stone Magazine

Dzhokhar Tsarnaev Rolling Stone Magazine Cover

Das Rolling Stone Magazine hat Dzhokhar Tsarnaev, den überlebenden der beiden Brüder, die mutmaßlich hinter den Bombenanschlägen beim Boston Marathon stecken, aufs Cover gehieft.

Ich find das durchaus interessant. Menschen, die einer anderen Moral anhängen als wir und schreckliche Dinge tun, faszinieren uns. Was uns fasziniert, kann Popkultur werden. Was Popkultur wird und ist, kommt auf Cover.Daher prangt auf deutschen Zeitschriften so oft das Bild von Adolf Hitler. Auf eine morbide Art und Weise genießen wir dir Konfrontation auf diesem Weg. Tsarnaev könnte genauso gut ein Popstar oder ein junger Intellektueller sein, so wie er abgebildet ist.

Erwartungsgemäß finden das nicht alle toll. Ein Polizist hat vor lauter Ärger über die seiner Meinung nach glorifizierende Darstellung Tsarnaevs sogar Fotos von Tsarnaevs Verhaftung veröffentlicht, was ihm eine Suspendierung eingebracht hat.

Wie seht ihr das? Mutig und richtig, vielleicht der Zeit etwas voraus oder geschmacklos, unangebracht, sensationsgeil?

So ein Keese – Mehr als genug Gründe, warum Blogger gegen das Leistungsschutzrecht sein sollten

Jaja, das Leistungsschutzrecht, eigentlich wurde schon genug dazu geschrieben, oder? Nein, natürlich nicht, sonst wäre das Ding schon lang tot. Wieso diese Schnapsidee jetzt tatsächlich als Gesetzesentwurf vorliegt und von einigen Gestalten hoffnungslos verteidigt wird, erschließt sich mir nicht, allerdings wurde bereits darauf hingewiesen, dass das den Gegnern des Leistungsschutzrechts unter Umständen sogar in die Hände spielt. Insofern soll es mir Recht sein, dass der allseits geschätzte Christoph Keese nun einen Artikel geschrieben hat, in dem er uns, den Bloggern, erklärt, wieso Blogger das Leistungsschutzrecht nicht fürchten brauchen. Allerdings beweist der Artikel einmal mehr, dass Keese keine Ahnung davon hat, wie Blogger leben, arbeiten und ticken.

Es geht sofort los mit dem Punkt: 1. Blogger können mit dem Leistungsschutzrecht Geld verdienen. Tja, fein, aber Thema verfehlt. Blogger können, wenn sie das wollen, bereits jetzt auf vielfältige Weise Geld verdienen. Vielleicht nicht genug zum leben, aber sei es drum. Die Mehrheit der Blogger findet das meiner Wahrnehmung nach schon ok so und ist gegen das Leistungsschutzrecht und hat generell viel weniger als “Verleger” das Gefühl, nicht gut genug geschützt zu sein. Eher im Gegenteil: Viele Blogger würden sicherlich besser schlafen, wenn Dinge wie “Fair Use” in Deutschland etwas lauter und intensiver durchdacht werden würden. Auch wenn auch sie, am Ende einer langen Verwertungskette, von einem LSR profitieren und ein paar Brosamen aufpicken könnten. Drauf geschissen, das LSR ist nicht für Blogger gemacht, sondern es wird ihnen Schaden verursachen! Es hat Gründe, dass wir lieber Blogs führen, als unsere Texte auszudrucken und offline zu verteilen. Geld ist da eher nicht zentral. ^^

2. Das Recht auf kostenloses Zitat bliebt voll erhalten. Na was bin ich froh! Kann ich also auch zukünftig so Texte wie den hier schreiben, ohne erst den Herr Keese um eine Lizenz bitten zu müssen? Dann gibts ja nix mehr zu kritisieren, immerhin bleibt das Zitatrecht gültig. Hier werden Selbstverständlichkeiten als positiv verkauft. Dass das Zitatrecht nicht außer Kraft gesetzt wird, spricht nicht für ein Leistungsschutzrecht. Dass es überhaupt der Klarstellung bedarf, zeugt viel mehr von einer Bedrohung der gewohnten Regelungen, da das Zitatrecht nicht alles abdeckt, was im täglichen Leben im Netz ganz normal ist. Linklisten ohne Kommentare oder mit ganz kurzen Kommentaren beispielsweise. Oder Pingbacks, in denen ein kleiner Teil des Artikels angeteasert wird. Das ist eine Pseudo-Beruhigung. Was jetzt ganz normal ist, wird zukünftig im besten Fall zur Grauzone werden, es scheint aber sogar angedacht zu sein, allein schon das Twittern eines Links kosten. Genau wie der nächste Punkt:

3. Nur wer gewerblich aggregiert, ohne selbst zu schreiben, braucht eine Lizenz. Jaja, die Gewerblichkeit, immer so ein Zankapfel. Ist ein Blog gewerblich, wenn ich dort ein paar Google Ads schalte, um die Kosten wieder rein zu holen? Ist mein Blog gewerblich, wenn ich dank Flattr Achteurofuffzig im Monat mit meinem Geschreibsel verdiene? Das ist rechtlich alles recht vage und unklar und das ist, ob Keese es weiß oder nicht, für Blogger immer ein Problem. Was unklar ist, wird abgemahnt, quasi ein Naturgesetz. Deswegen ist ja einer der wichtigsten Kritikpunkte am LSR nicht primär der Inhalt, sondern die Folgen, die seine Befürworter offenbar nicht sehen. Befürchtet wird, aus meiner Sicht absolut nachvollziehbarerweise, eine Abmahnflut.

4. Wer privat bloggt, muss überhaupt nichts für das Leistungsschutzrecht bezahlen. Ja nun, das ist ein Pseudoargument. Wer privat bloggt, braucht auch kein Impressum und trotzdem braucht jeder eines, weil es nahezu unmöglich ist, in Deutschland mit absoluter Sicherheit privat zu bloggen. Weswegen ich mir hier, in meinem privaten Blog, auch nicht einbilde, rechtlich tatsächlich unter “privat” zu fallen, sondern ich muss sicherheitshalber davon ausgehen, als “gewerblich” gelten zu können. Zukünftig zittere ich also bei jedem Link, den ich nicht lizensieren lasse (wofür selbstverständlich neben der Lust vorallem das Geld fehlt), nur weil Springer und Co. die Kommerzialisierung von jedwedem Content vorantreiben wollen. Nö! Überzeugt mich nicht.

Viele Dinge erwähnt Keese wohlweislich nicht. Dass ihn beispielsweise schon die Frage der praktischen Umsetzbarkeit in die Bredouille bringen konnte, da die Unmenge an nötigen Lizensierungen ein bürokratischer Alptraum werden würde:

Naja, da sowieso gefühlt niemand außer irgendwelchen Springer-Hanseln für ein Leistungsschutzrecht ist (wobei mich, wie gesagt, wirklich wundert, wie es überhaupt soweit kommen konnte, wenn es doch kein vernünftiger Mensch will), lässt es tatsächlich nicht als sehr gefährlich erscheinen. Es wird so oder so eine Totgeburt. Dazu müssen wir allerdings beitragen, was wir können. Durch Artikel dagegen, durch Boykotte, indem wir anderen erklären, wieso die Idee Mist ist. Halt alles das, was wir sonst auch tun, wenn uns jemand sinnlos in unseren Rechten beschneiden und dazu noch für dumm verkaufen möchte.

Kleines Update: Der Jens Scholz hat ein paar gute Ideen und gibt Ausblicke, die unsereins beruhigen, hier nicht verlinkte Herrschaften mit ihren Blogartikeln selben Titels aber wohl eher nicht so.

Niiu- Zeitung für Internetausdrucker oder Zukunft der Printmedien?

Auf Spiegel Online berichtet Ralf Grötker über Niiu, ein Berliner Startup, dass durch personalisierte News den Printsektor reformieren will.

Jeder Leser kann sich aus einem bestimmten Angebot seine individuelle Zeitung zusammenstellen. Politikteil der taz, Feuilleton der Bild, News aus dem Lieblingsblog- theoretisch kein Problem; und das Ganze ab 1,20 €. Allerdings wird die Niiu bisher nur in Berlin ausgeliefert und die Partnerschaften mit Zeitungen sind (noch) nicht sehr ausgedehnt.

Angelaufen ist der Vertrieb bereits letztes Jahr (meines Wissens am 18. November), auch wenn Spiegel das nicht zu wissen scheint und so tut, als wär die Niiu brandneu. Damals gab es aber noch Probleme mit der Auslieferung sowie der Darstellung von Blogbeiträgen, die teils schlicht unlesbar waren (Stichwort: Bandwurmlinks). (Nachzulesen im Review bei Fontblog)

Ob die Probleme mittlerweile gelöst sind, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, der Spiegel erwähnt im heutigen Artikel aber noch dieselben Probleme, die Fontblog schon im November auffielen.

Interessant ist das Konzept allemal. Ob es sinnvoll ist, sich das Internet auszudrucken, muss natürlich jeder für sich entscheiden.