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Deutsche Bahn unterstützt “Marsch für das Leben” und stellt sich gegen die Selbstbestimmung der Frau

Die Deutsche Bahn unterstützt Abtreibungsgegner, indem sie sie günstiger als sonst zur Demo „Marsch für das Leben“ bugsiert. “Marsch für das Leben” klingt harmlos, dort marschieren allerdings immer mal wieder auch Anhänger rechtsextremer und islamophober Gruppen wie JN (Junge Nationaldemokraten, die Jugendorganisation der NPD), Pro NRW und PI-News mit (so geschehen in Münster 2012). Und was die Veranstalter einen Marsch für das Leben nennen, ist in Wirklichkeit eine Demo zur Kriminalisierung von Abtreibungen, ergo gegen die Selbstbestimmungsrechte von Frauen. Erzkonservative, christliche Fundamentalisten, Rechte und Islamophobe wollen so allen Menschen ihre Moralvorstellungen aufzwingen.

Nicht unbedingt etwas, mit dem man sein Unternehmen gern in Verbindung bringt, oder? Die deutsche Bahn sieht das offenbar anders und sorgt dafür, dass die Anreise zum “Marsch für das Leben” für alle Teilnehmer schön günstig wird. Wieso man damit Rechtsextreme, christliche Fundamentalisten und Islamophobe unterstützt, will man bei der Bahn nicht verstehen. Zitat:

Wie jährlich bei vielen hundert Großveranstaltungen in Deutschland hat die Deutsche Bahn auch ein Veranstaltungsticket in Verbindung mit der Großveranstaltung „Marsch für das Leben“ aufgelegt. Das ist ein völlig normales Angebot, denn die DB gibt damit in keiner Weise eine inhaltliche Stellungnahme oder Wertung zu den Zielen der Veranstaltungen ab und tritt auch weder als Sponsor noch als Unterstützer dieser Aktion auf. Für Veranstaltungen, bei denen die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage gestellt wird (etwa Aktionen von rechtsextremen Parteien), bieten wir selbstverständlich kein Ticket an.

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Ein Sprecher sagte außerdem, auch andere Demonstrationen würden durch Ticketaktionen unterstützt. Einzelheiten wollte er mit Rücksicht auf Vertragspartner nicht nennen, verwies aber exemplarisch auf den CSD und Amnesty International.

taz und Mädchenmannschaft, die das Engagement der Bahn von Beginn an kritisierten, haben das überprüft und kommen zu folgendem Schluss:

Die Behauptung, die Bahn vergebe auch an andere Organisationen wie Amnesty International und den Berliner CSD Verein günstigere Tickets, erwies sich als falsch.

Die Veranstalter von “Marsch fürs Leben” wissen übrigens sehr wohl um den Gefallen, den die Deutsche Bahn ihnen tut und zeigen sich sehr dankbar:

Wir freuen uns, Ihnen in Kooperation mit der Deutschen Bahn für Ihre Anreise zum Marsch für das Leben 2012 und den Begleit­ver­anstaltungen eine weitere bequeme und umweltfreundliche Reisemöglichkeit anbieten zu können: Die Deutsche Bahn stellt ein Kontingent an Fahrkarten zum Pauschal­preis zur Ver­fügung.

Man beachte, dass hier sogar von einer “Kooperation” die Rede ist. All das veranlasste mich, auf der offiziellen Facebook-Präsenz der Deutschen Bahn mal nachzufragen. Mein Post:

Liebes DB-Team,

ihr unterstützt Abtreibungsgegner und findet das “normal”, für Veranstaltungen wie den Christopher Street Day gilt euer Ticketangebot allerdings nicht? Und dann sprecht ihr davon, dass nicht gewertet wird? Ob ihr wollt oder nicht: Damit bezieht ihr natürlich Stellung.

(Laut http://maedchenmannschaft.net/die-bahn-und-die-abtreibungsgegner_innen-folge-3/ hat es “seitens der Bahn AG auf Anfrage „keinerlei Bereitschaft“ zu einer Ticketaktion für Teilnehmer [sic!] der diesjähren Schwulen- und Lesbenparade in Berlin gegeben.”)

Das wirft ein schlechtes Licht auf die Deutsche Bahn. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr das nötig habt, aber das müsst ihr wissen. Es wäre nur nett (und professionell!), wenn ihr Kritik nicht mit zwei Wochen alten Beiträgen abbügeln wolltet, die nachweislich nicht der vollen Wahrheit entsprechen.

Wie ihr seht, habe ich mich sehr um Sachlichkeit bemüht, allerdings auch klar gestellt, dass man mich nicht mit dem Standardlink abspeisen solle, den man seit über einer Woche unter jeden (freigeschalteten) Kommentar zum Thema setzt. Tja, für ein Unternehmen, das “damit in keiner Weise eine inhaltliche Stellungnahme oder Wertung zu den Zielen der Veranstaltungen” abgeben will und “weder als Sponsor noch als Unterstützer dieser Aktion” auftreten möchte, reagierte man recht interessant auf meine Kritik: Man verbarg sie, was einem Löschen gleich kommt. Statt auf meine Kritik einzugehen, verweigert sich die Deutsche Bahn also dem Dialog mit Kritikern. Schlimmer noch: Wer weiß, wieviele negative Kommentare bereits verborgen worden sind, während jedes Lob der Abtreibungsgegner kommentarlos auf der Wall verbleibt. Wer so vorgeht, ergreift trotz Lippenbekenntnis klar Partei: Pro “Marsch für das Leben”, contra Selbstbestimmung der Frau.