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Before Watchmen – Minutemen #1 Review (Das verloren geglaubte Originalreview)

Ha, mein Original-Review zu “Before Watchmen – Minutemen #1, das ich verloren glaubte, ist wieder aufgetaucht. Es war nicht verschwunden, die WordPress-App für Android hat lediglich das Veröffentlichungsdatum auf den 1.1.1970 gesetzt. Ihr habt jetzt die Möglichkeit, dieses Review mit meinem anderen Review desselben Comics, beide recht zeitnah geschrieben, zu vergleichen. Das hier ist immerhin annähernd drei Mal so lang.

Als ich zum ersten Mal davon hörte, dass DC sich daran wagen wolle, neue Watchmen Comics zu veröffentlichen, reagierte ich skeptisch. Schließlich ist Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons einer der besten, wenn nicht sogar der beste Comic der Welt. Hinzu kommt, dass Watchmen, untypisch für einen Superheldencomic, sehr abgeschlossen ist. Der Leser weiß, was es zu wissen gibt. Wenn die Geschichte erzählt ist, bleibt nur Recycling. In gewisser Weise hat man das auch bei DC verstanden und konzipiert Before Watchmen als Prequel. Aber: Kennt ihr ein Prequel, das besser ist als das Original? Mir fällt keins ein. Skepsis erschien mir allein deshalb angebracht. Auch die schiere Menge von Heften, deren Gesamtheit Before Watchmen ergibt, irritierte mich.

Mein Lieblingscomicdealer quitzi vom groben Unfug hat mir ein Reziexemplar von Minutemen #1 zukommen lassen. Zwar heißt es: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, aber genau das werde ich im Folgenden tun.

minutemen #1 cover

Beim Erstkontakt fällt dem geneigten Leser das Hochglanzcover ins Auge, mit dem DC offenbar punkten will. Ihren anderen Reihen spendieren sie diesen Luxus schließlich nicht. Umso mehr enttäuscht daher allerdings das unspektakuläre Motiv. Darwyn Cooke, der Minutemen #1 als Autor und Zeichner quasi allein stemmt, hat sich dabei nicht mit Ruhm bekleckert. Ein generelles Problem von Minutemen #1, aber dazu später mehr. Für ein Cover ist sein Motiv nicht detailliert und sorgfältig genug gezeichnet. Es kommt keine Stimmung auf.

Das Niveau setzt sich leider im Heft selbst fort. Ich mag viele Zeichner und nur selten einen generell nicht und würde mich als offen für viele Stile bezeichnen, aber Cooke ist überhaupt nicht mein Fall. Seine Charaktere wirken steril, die Zeichnungen wie talentiert hingeschludert. Aber Zeichnungen sind nicht alles. Auch das originale Watchmen bestach weniger durch die zwar guten, aus heutiger Sicht aber etwas altbacken wirkenden Zeichnungen von Gibbons als durch seine Geschichte (die aber von Gibbons großartig bebildert wurde, damit hier nicht das Missverständnis aufkommt, ich würde sie nicht gelungen finden). Cooke hingegen schafft es nicht einmal, die richtige Atmosphäre für seine eigene Geschichte zu schaffen. Es ist mir unverständlich, wieso die Wahl für einen so wichtigen Titel auf ihn fiel. Hätte man lieber Jeff Lemire genommen, der kann ebenfalls zeichnen, allerdings auf viel höherem Niveau. Als Autor kann ihm momentan ebenfalls kaum einer das Wasser reichen. Selbst ein Scott Snyder muss sich ordentlich anstrengen, will er da mit halten und der ist meiner Meinung nach der beliebteste Autor im aktuellen DC-Aufgebot.

Ach ja, die Geschichte. Tja, es gibt keine. Stattdessen erleben wir jeweils kurze und weitenteils langweilige Episoden von 2-4 Seiten aus dem Leben verschiedener Charaktere, die in Watchmen mehr oder weniger wichtig waren. Die Verbindung zwischen all den Episoden: Im Detail noch unklar, in der Ausführung unkreativ. Die Minutemen werden rekrutiert. Es gibt Comichefte, die dienen fast oder ausschließlich der Einführung der Charaktere oder dem World Building. Was Cooke hier abliefert toppt allerdings so ziemlich alles: World Building? Kaum vorhanden. Allerdings mag ein Neuleser das anders sehen. Charaktere? Die, die man kennt, gewinnen nicht an Tiefe, im Gegenteil, sie wirken flach. Die neuen Charaktere bleiben blass.

Am Ende ist jemandem bei DC offenbar noch aufgefallen, dass Piratencomics in Watchmen eine gewisse Rolle spielten, also hat man einfach am Ende 2 Seiten belanglosen Piratencomic angeflanscht, ohne Beziehung zum Heft. Wo Watchmen kunstvoll Bedeutungsebene auf Ebene legte, versucht Cooke gar nicht erst irgendwelche Fäden zu spinnen. Er erzählt wie auf dem Reißbrett. Von Moores mäanderndem, vieldeutigem Meisterwerk ist Minutemen denkbar weit entfernt. Unwahrscheinlich, dass ich mir die 6 Bände antun werde. Nächste Woche erscheint Silk Spectre #1, das werde ich mir anschauen. Zwar auch wieder von Darwyn Cooke geschrieben, aber immerhin gezeichnet von Amanda Conner, die ich ziemlich gern mag. Allein das Cover macht schon deutlich mehr Lust auf den Comic als das von Minutemen #1.

Before Watchmen – Minutemen #1 Review

Hier sollte eigentlich eine lange und detaillierte Kritik an Minutemen #1 von Darwyn Cooke stehen, die hat aber WordPress gefressen (Update 14.07.2012: Das andere Review ist wieder aufgetaucht. Hier könnt ihr es nachlesen. Insgesamt ist es kritischer als das hier, die Tendenz, den Comic nicht zu mögen, ist aber natürlich dieselbe). Da mein Lieblings-Comichändler Grober Unfug mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar überlassen hat, will ich wenigstens kurz meine Meinung zum Comic sagen.

http://groberunfug-comics.blogspot.de/2012/06/before-watchmen.html

Ich war skeptisch. Watchmen ist einer meiner Lieblingscomics und der beste Superheldencomic, den ich kenne. Alan Moore und Dave Gibbons haben mit Watchmen ein Meisterwerk geschaffen, welches in sich geschlossen ist und keine Nachfolger braucht. Und auch keine Prequels.

DC sieht das offenbar anders und veröffentlicht mit Before Watchmen ein recht umfangreiches Prequel. Den Anfang macht Minutemen #1 und es hat mich auf ganzer Linie enttäuscht und alle Befürchtungen übertroffen. Geschichte – nicht existent. Charakterzeichnung – schwach. Artwork – Mittelmaß. Cooke reiht einfach nur belanglose Episoden aneinander. Am Ende wird ein Zusammenhang hergestellt, der wenig überrascht: Alle Charaktere wirken an der Schaffung der Minutemen mit bzw. sollen Teil des Teams werden.

Insgesamt ein undankbarer Start in die Reihe. Ich hoffe Silk Spectre #1 nächste Woche wird besser. Geschrieben wird Silk Spectre zwar auch von Darwyn Cooke, allerdings schwingt die fabelhafte Amanda Conner die Pinsel, was mich zumindest auf ein besseres Artwork hoffen lässt.