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Review: Shutter #7 (Image Comics) – Where is Kate Kristopher?

Shutter #7 Image Comics Cover, Source: https://imagecomics.com/comics/releases/shutter-7

I’m late to the party, aber was soll’s. Quitzi (vom Groben Unfug, ihr kennt den Rest) und ich dachten uns, es könnte ja durchaus spannend sein, einfach mal mitten in einen Comic einzusteigen und zu sehen, wie das so läuft. Hier sind wir also.

In Shutter, geschrieben von Joe Keatinge,  geht es um Kate Kristopher, soviel ist schnell klar. Sie ist Fotografin in einer Welt, die unserer sehr ähnelt, außer dass es dort nur so vor Monstern, Roboterkatzen, Drachen und anderem coolen und gefährlichen Zeug wimmelt. Das Backcover von Shutter #7 verrät außerdem, dass Kate früher eine berühmte Abenteurerin war, aber vor 10 Jahren aus unbekannten Gründen diesen Job an den Nagel hängte. Jetzt aber wurde sie wieder in Seltsamkeiten hineingezogen. Und wie!

Der Comic macht keine Gefangenen. Gleich am Anfang des Heftes müssen sich Kate, ein kleiner Junge namens Chris und Alarm Cat, die Roboterkatze, gegen Unmengen Drachen wehren und auch wenn sie diesen Kampf verlieren – die Action lässt nie wirklich nach. Das liegt auch an den tollen Zeichnungen von Leila del Duca, die offenbar einfach alles zeichnen kann (Farben von Owen Gieni). Riesige Drachen, die kleinere, fliegende Fledermausgranaten ausspucken oder eine Kettensägen schwingende Roboterkatze im Retrolook – kein Problem für del Duca. Außerdem erinnert Chris frappierend an den Vault Boy aus Fallout.

Alles in Shutter ist spannend und interessant, auch weil es so seltsam ist. In Kates Welt scheint alles möglich, der Comic bordet über vor Ideen. Letztlich ist das etwas viel für ein Heft, aber das mag eben daran liegen, dass ich die vorigen Hefte nicht gelesen habe. Shutter #7 endet mit einem fiesen Cliffhanger. Gute Serie, glaube ich.

 

 

Review: The Humans #2 (Image Comics) – One Percenter till I die!

The Humans #2 Cover Source: https://imagecomics.com/comics/releases/the-humans-2

Willkommen in den Seventies. The Humans sind eine abgefuckte Rockerbande. Als einer von ihnen, Mojo, ins Gras beißt, versammeln sich alle und schmeißen eine wilde Party. Aber das weiß ich nur, weil es am Anfang von Heft 2 einen Rückblick gibt. The Humans #1 habe ich nicht gelesen.

Wegen Ethik im Comicjournalismus wie immer der Hinweis auf den Lieblingscomicladen, der mir das Heft (und noch ein paar mehr!) im Rahmen der Image Comics-Aktion zur Rezension überlassen hat.

In The Humans #2 – Return of the Living Dead kehrt der totgeglaubte Johnny aus dem Vietnamkrieg nach Bakersfield zurück, wo das Clubhaus der Humans sich befindet. Auf dem Weg dorthin gerät er natürlich gleich mit der örtlichen Polizei aneinander. Im Clubhaus angekommen, wird wieder eine wilde Party geschmissen, dieses Mal zu Ehren von Johnnys Rückkehr. Das Heft endet mit einer psychedelischen Szene, die schön auf das nächste Heft verweist, in dem wir mehr über Johnnys Erfahrungen im Vietnamkrieg erfahren dürften. Sehr Apocalypse Now.

Die Humans und allen voran Johnny sind klar als Antihelden konzipiert. Sie fluchen, pöbeln, saufen und machen auch sonst nur Ärger. Sie stehen außerhalb der Gesellschaft. One Percenter eben. Ihr könnt euch die “Humans” ungefähr vorstellen, wie die Hells Angels und andere Biker Gangs aus der Zeit. Mit dem Unterschied, dass in der Welt der Humans Affen die Menschen sind und Menschen – nun ja, nicht an der Spitze der Evolution stehen (sie werden abwertend “Skins” genannt). Sich “The Humans” zu nennen ist ein ähnlich starkes Statement, wie “The Apes” es in unserer Welt wäre. Die Humans lehnen die Gesellschaft ab und werden von dieser abgelehnt.

Erdacht wurden The Humans von Keenan Marshal Keller (der sich um das Schreiben kümmert) und Tom Neely (der für die Zeichnungen verantwortlich ist). Beide haben einen guten Job gemacht, zumal sie meiner Googlerecherche nach blutige Newcomer sind. Zusammen mit den Farben von Kristina Collantes erzeugt The Humans ohne viel Aufwand ein glaubwürdiges 70er-Feeling. Zumindest für Menschen, die die Zeit nur aus dem Kino kennen. Hier bedient sich The Humans teils ziemlich direkt, sei es beim schon erwähnten Apocalypse Now oder auch bei Full Metal Jacket.

The Humans trifft wahrscheinlich nicht jeden Geschmack. Letztlich passiert bisher nicht viel. Der Rückblick lässt darauf schließen, dass auch im ersten Heft nicht viel mehr geschehen ist. Trotzdem gefällt mir der Comic gut. Ich interessiere mich allerdings auch für Biker Gangs und wenn das bei euch genauso ist, würde ich das Heft klar empfehlen. The Humans ist Punk, wie es nur wenige Comics sind. Es wird geflucht, getrunken und gefeiert und sonst eigentlich nicht viel. The Humans ist ein bisschen wie Fear & Loathing in Las Vegas, nur ohne den wirklich verrückten Kram. Ich würde Heft 3 lesen.

 

Ungnade? Nee nee. Nicht Colleen Doran und nicht “Gone to Amerikay”!

Was ein bisschen klingt wie ein Roman von Stieg Larsson ist in Wirklichkeit der neueste Einfall des hochgeschätzten, unvergleichlichen Monsieur Quitzis. Der macht ja immer so Aktionen. Es geht um in Ungnade gefallene Comics, Comicautoren, -zeichner und so weiter. Sachen, die man früher toll fand und jetzt eher nicht mehr. Klar umrissen ist das nicht, aber das hat ja auch seinen Reiz.

Ich hab des Quitzis Frage naturement auch sofort beantwortet, mir fielen Voodoo, Catwoman und Fables ein, aber damit bin ich ehrlich gesagt nicht zufrieden. Voodoo hab ich genannt, weil das ja ursprünglich eine Serie von niemand geringerem als Alan Moore war, erschienen beim mittlerweile zu DC gehörenden WildStorm-Verlag. Und beim Reboot (DC New 52) ist mir Voodoo äußerst negativ aufgefallen. Dasselbe gilt für Catwoman – ich mag den Charakter, ich fand die neueste Version zutiefst furchtbar. Etwas anders ist das bei Fables – die Serie hat mir anfangs gut gefallen und hält insgesamt auch ihr Niveau, aber ich langweile mich zunehmend. Fables ist wirklich über viele Jahre langsam, aber stetig in Ungunsten gefallen.

Gut, dass ich hier im Blog noch Platz für ein paar weitere Beispiele habe:

In Ungnade sind gefallen:

Mark Millar: Die ersten Sachen, die ich von ihm las, fand ich sehr unterhaltsam. Aber sein Over-the-top-Ansatz hat sich sehr schnell abgenutzt und langweilt mittlerweile sogar.

Jae Lee: Zuerst fand ich den Zeichenstil sehr beeindruckend und hübsch, aber ich habe mich schnell daran satt gesehen und empfinde es heute als ein Negativkriterium, wenn ein Heft oder Cover von Jae Lee gezeichnet wird.

Vertigo: Ach Vertigo. Aber die haben momentan wieder eine gute Phase. Das muss man ihnen lassen.

Peter Milligan: Soviel Potential, soviel Energie und Ideen, aber so wenige gut erzählte Geschichten.

Plötzlich hat mir der Quitzi im Groben Unfug “Gone to Amerikay” in die Hand gedrückt und damit war der Pakt besiegelt. Ich glaube, weil ich mich vorher für “A Distant Soil” von Colleen Doran interessiert habe.

Gone to Amerikay Vertigo Comic Cover Die Fakten: Geschrieben von Derek McCulloch, gezeichnet von Colleen Doran, koloriert von Jose Villarrubia (u.a. Sweet Tooth!), mit Lettering von Jared K. Fletcher (u.a. DMZ, Hellblazer). Große Namen. Erschienen im Vertigo-Verlag. Viel Text, viel Handlung, drei Generationen irischer Einwanderer in New York.

Kann auf den ersten Blick altmodisch wirken, hat es aber einfach nicht nötig, dick aufzutragen. Gone to Amerikay ist eine tolle Geschichte, mit der man sich jetzt, wo es abends so kühl ist, für ein Stündchen oder zwei in den Lesesessel verziehen kann. Einfach gut erzählt und gezeichnet und lesenswert für alle jene, für die es keine Superhelden und Action nonstop braucht. Wann liest man denn sonst mal einen Comic über die Immigration nach Amerika im Verlauf von drei Generationen, verwoben mit zwei Liebesgeschichten? Eben.

Vertigo Comics Astro City #1 Review – Open the door

Wer hier seit längerer Zeit mitliest, weiß, dass mich mit Vertigo Comics ein kompliziertes Verhältnis verbindet. Vertigo Comics (Sandman, Lucifer, Sweet Tooth etc.) waren mein Wiedereinstieg als Erwachsener in die Comicwelt. In den letzten Jahren hat Vertigo leider zusehends abgebaut. Gute Serien liefen aus, es kamen keine ähnlich guten Serien nach. Andere Verlage wie Image oder Boom haben Vertigo beständig den Rang abgelaufen und das, was ich früher von Vertigo bekam, eine besondere Art Comics, die erwachsener daher kamen als die der großen Zwei DC und Marvel, bekomme ich heute viel eher dort und in viel größerer Menge.

Astro City #1 Vertigo Cover by Alex Ross Source: http://majorspoilers.com/2013/06/05/review-astro-city-1/

Umso erfreuter war ich, als angekündigt wurde, dass Vertigo Astro City als fortlaufende Serie starten würde. Astro City habe ich selbst nie gelesen, aber ich habe viel über Astro City gelesen und das war eigentlich durchgehend äußerst positiv. Erschienen ist es jahrelang beim Wildstorm-Imprint. Insgesamt wohl 59 Hefte. Als Wildstorm eingestellt wurde und der Autor Kurt Busiek schwer erkrankte, lag Astro City auf Eis. Nun hat man die Serie ein neues Zuhause. Der Bruch ist allerdings auch in der Serie deutlich spürbar. Die Handlung spielt 30 Jahre nach den anderen Heften und die Charaktere sind entsprechend gealtert. Aus Helden wurden gealterte Helden, aus Kindern erwachsene, selbstständige Menschen.

Zum Heft selbst will ich wie so oft gar nicht viel sagen. Ich glaube, man sollte es sich einfach holen und anlesen. Bei mir war es Liebe auf der ersten Seite. Der Ton. Die Zeichnungen von Brent Anderson (dem Originalzeichner von Astro City!), der mir hier übrigens besser gefällt als bei Phantom Stranger (DC), wo er ebenfalls als Zeichner fungiert – das ist eigenständig und gleichzeitig sehr cool. Das Heft ist klar ein Einleitungsheft, um Neulesern alles Nötige zu erklären. Das macht Kurt Busiek im Nachwort nochmal deutlich. Astro City #1 ist eigentlich Astro City #60. Schön ist, wie hier die Fourth Wall aufgebrochen wird und der Erzähler (der Broken Man, ein neuer Charakter) einem das auch direkt sagt. Muss man lesen, um es wirklich würdigen zu können. Mir macht es viel Spaß. Wann sonst verbietet einem ein Heft, die letzte Seite zu lesen? Eben! Als Neuleser fühle ich mich naturgemäß nicht umfassend auf dem Laufenden, aber ich bin ausreichend angefixt, um mich für das Geschehen in Astro City, einer Metropole, in der es vor Superhelden offenbar nur so wimmelt, zu interessieren. Der Mix macht es. Wir entdecken Astro City teils durch die Augen von Superhelden, teilweise aber auch durch die von ganz normalen Bürgern. Die kommen in anderen Serien meist viel zu kurz. Astro City #1 taugt also als Einstiegspunkt für Neuleser, alte Fans sollten sowieso mehr als zufrieden sein.

Astro City könnte mein neuer Lieblingscomic von Vertigo werden, auch wenn das zugegebenermaßen bisher eine gewagte These ist. (Andererseits – welcher Vertigo-Comic sollte ihm denn Konkurrenz machen?) Aber ich will einfach, dass Vertigo mal wieder Herausragendes veröffentlicht und ich habe zumindest das Gefühl, Astro City könnte genau das sein. Laut Busiek ist das Material für das erste Jahr nahezu komplett geschrieben. Ich hoffe auf einen noch viel längeren Run.

You are now leaving Astro City. Please drive carefully.

Barracuda #3 – Duell auf Puerto Blanco

Bei Egmont Ehapa war man so nett, mir auch den im Oktober neu erschienenen 3. Band des Piratenepos’ “Barracuda” aus der Ehapa Comic Collection zukommen zu lassen. Hier gehts zur Besprechung der ersten beiden Teile. Hält der dritte Band das gute Niveau?

Barracuda #3 Cover

(Quelle)

Die kurze Antwort: Ja. Barracuda #3 erbt die Stärken der Vorgängerbände. Sehr schöne Zeichnungen von Jérémy, ein recht authentisch wirkendes Setting, eine interessante Story von Jean Dufaux und sympathische, mehrdimensionale Charaktere, die sich durch Erfahrungen durchaus glaubwürdig verändern.

Die Geschichte spielt einmal mehr auf der Insel Puerto Blanco. Es geht um Rache und Intrigen. Jeder hier hat Dreck am Stecken, alle verbergen etwas. Bevor man Band 3 liest, sollte man unbedingt die Vorgängerbände gelesen haben. Einsteigerfreundlich ist Barracuda #3 nicht. Die Reihe erzählt eine einzige, große Geschichte um Verrat, Verlust, Liebe und Tod und bleibt dabei eher bodenständig. Es gibt geheimnisumwitterte Schätze, aber gegen einen “Fluch der Karibik” ist Barracuda geradezu realistisch. Die Charaktere sind allerdings ähnlich exzentrisch und interessant und das gilt für alle Geschlechter, nicht – wie so oft – nur für die Männer.

Ich fand Barracuda #3 etwas weniger überraschend als die ersten beiden Bände, es ist irgendwie geradliniger. Mittlerweile ist man von der Serie aber so gefesselt, dass dieser etwas ruhigere Band mich nicht gestört hat, zumal das Ende für vieles entschädigt.

Anders als ursprünglich angegeben, ist Barracuda mit Band 3 nicht beendet. Wer wissen will, wie die Geschichte von Emilio, Raffy und Maria ausgeht, muss sich also noch ein wenig gedulden. Ich freue mich auf Band 4!

(Ach ja: Die deutsche Ausgabe ist wieder gut gelungen. Schönes Format (allerdings nicht U-Bahn-tauglich), schönes Cover – da kann man nicht meckern. Barracuda macht sich gut im Comic- oder Bücherregal!)

Bedlam #1 Review – Angst und Schrecken in Bedlam

Das überlange erste Heft von Nick Spencers “Bedlam” habe ich in erster Linie wegen der interessanten Zeichnungen von Riley Rossmo mitgenommen, die von Frazer Irving in Grau- und Rottönen koloriert wurden. Das sieht wirklich toll aus und passt super zur düsteren Story, in der es -wie bereits auf dem Cover zu lesen ist- darum geht, ob das Böse etwas ist, das wir sind oder etwas, das wir tun.

Bedlam #1 Cover

(Bildquelle)

Fillmore hat ernsthafte psychische Probleme. Diese sind aber nichts gegen seine Probleme von vor zehn Jahren, als er als Bösewicht Madder Red mit hunderten Morden ganz Bedlam in Angst und Schrecken versetzte.

Madder Red erinnert ein wenig an den Joker aus Batman. Er ist böse, aber nicht als Selbstzweck, sondern um einer kranken Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Er hat eine Agenda. “Bedlam” ist immer dann am Interessantesten, wenn man Madder Reds bzw. Fillmores Monologen lauscht. Nick Spencer (Morning Glories, Thief of Thieves) gelingt es, Madder Red als amoralisch, aber hoch intelligent darzustellen.

“Bedlam” ist sehr düster und sehr gut. Die Stadt Bedlam erinnert an Gotham City. Madder Red erinnert an den Joker. “Bedlam” lege ich jedem ans Herz, der gute Comics mag, vor allem aber all jenen, die Nolans Batman-Filme mochten.

Storm Dogs #1 Review – Geheimnisvolles Amaranth

Die Zeiten sind gut für Fans von SciFi-Comics. Gerade Image Comics und Boom Comics veröffentlichen momentan eine lesenswerte Serie nach der anderen. Neben dem grandiosen “Saga”, dem sehr guten “Hypernaturals” und dem ebenfalls lesenwerten “Higher Earth” erscheint jetzt mit “Storm Dogs” von David Hine und Doug Braithwaite ein weiterer Leckerbissen.

Storm Dogs #1 Cover

(Bildquelle)

Auf dem unwirtlichen Minenplaneten Amaranth passieren geheimnisvolle Morde. Also entsendet die “Union” das Raumschiff “SS Tarkovsy” (die Anspielung auf den Regisseur von “Stalker” ist vielversprechend), an Bord ein Team von speziell ausgebildeten Ermittlern. Warum die Union sich überhaupt für die Vorgänge auf Amaranth interessiert ist allen Beteiligten ein Rätsel…

Die sehr detaillierten Zeichnungen von Doug Braithwaite gefallen mir gut. Besonders gern mag ich die fremdartige Fauna auf dem Planeten. Ulises Arreola koloriert vor allem in Rot- und Brauntönen, was die lebensfeindliche Atmosphäre auf Amaranth gut rüber bringt.

Ich bin Fan von guten SciFi-Comics. Ich hoffe, die Anspielung auf Tarkovsky ist nicht einfach nur Namedropping, sondern gibt die Richtung an, in die die sechsteilige Miniserie “Storm Dogs” sich entwickeln wird. Das letzte Panel des Comics spricht durchaus dafür. Vielversprechend!