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Barracuda #3 – Duell auf Puerto Blanco

Bei Egmont Ehapa war man so nett, mir auch den im Oktober neu erschienenen 3. Band des Piratenepos’ “Barracuda” aus der Ehapa Comic Collection zukommen zu lassen. Hier gehts zur Besprechung der ersten beiden Teile. Hält der dritte Band das gute Niveau?

Barracuda #3 Cover

(Quelle)

Die kurze Antwort: Ja. Barracuda #3 erbt die Stärken der Vorgängerbände. Sehr schöne Zeichnungen von Jérémy, ein recht authentisch wirkendes Setting, eine interessante Story von Jean Dufaux und sympathische, mehrdimensionale Charaktere, die sich durch Erfahrungen durchaus glaubwürdig verändern.

Die Geschichte spielt einmal mehr auf der Insel Puerto Blanco. Es geht um Rache und Intrigen. Jeder hier hat Dreck am Stecken, alle verbergen etwas. Bevor man Band 3 liest, sollte man unbedingt die Vorgängerbände gelesen haben. Einsteigerfreundlich ist Barracuda #3 nicht. Die Reihe erzählt eine einzige, große Geschichte um Verrat, Verlust, Liebe und Tod und bleibt dabei eher bodenständig. Es gibt geheimnisumwitterte Schätze, aber gegen einen “Fluch der Karibik” ist Barracuda geradezu realistisch. Die Charaktere sind allerdings ähnlich exzentrisch und interessant und das gilt für alle Geschlechter, nicht – wie so oft – nur für die Männer.

Ich fand Barracuda #3 etwas weniger überraschend als die ersten beiden Bände, es ist irgendwie geradliniger. Mittlerweile ist man von der Serie aber so gefesselt, dass dieser etwas ruhigere Band mich nicht gestört hat, zumal das Ende für vieles entschädigt.

Anders als ursprünglich angegeben, ist Barracuda mit Band 3 nicht beendet. Wer wissen will, wie die Geschichte von Emilio, Raffy und Maria ausgeht, muss sich also noch ein wenig gedulden. Ich freue mich auf Band 4!

(Ach ja: Die deutsche Ausgabe ist wieder gut gelungen. Schönes Format (allerdings nicht U-Bahn-tauglich), schönes Cover – da kann man nicht meckern. Barracuda macht sich gut im Comic- oder Bücherregal!)

Bedlam #1 Review – Angst und Schrecken in Bedlam

Das überlange erste Heft von Nick Spencers “Bedlam” habe ich in erster Linie wegen der interessanten Zeichnungen von Riley Rossmo mitgenommen, die von Frazer Irving in Grau- und Rottönen koloriert wurden. Das sieht wirklich toll aus und passt super zur düsteren Story, in der es -wie bereits auf dem Cover zu lesen ist- darum geht, ob das Böse etwas ist, das wir sind oder etwas, das wir tun.

Bedlam #1 Cover

(Bildquelle)

Fillmore hat ernsthafte psychische Probleme. Diese sind aber nichts gegen seine Probleme von vor zehn Jahren, als er als Bösewicht Madder Red mit hunderten Morden ganz Bedlam in Angst und Schrecken versetzte.

Madder Red erinnert ein wenig an den Joker aus Batman. Er ist böse, aber nicht als Selbstzweck, sondern um einer kranken Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Er hat eine Agenda. “Bedlam” ist immer dann am Interessantesten, wenn man Madder Reds bzw. Fillmores Monologen lauscht. Nick Spencer (Morning Glories, Thief of Thieves) gelingt es, Madder Red als amoralisch, aber hoch intelligent darzustellen.

“Bedlam” ist sehr düster und sehr gut. Die Stadt Bedlam erinnert an Gotham City. Madder Red erinnert an den Joker. “Bedlam” lege ich jedem ans Herz, der gute Comics mag, vor allem aber all jenen, die Nolans Batman-Filme mochten.

Storm Dogs #1 Review – Geheimnisvolles Amaranth

Die Zeiten sind gut für Fans von SciFi-Comics. Gerade Image Comics und Boom Comics veröffentlichen momentan eine lesenswerte Serie nach der anderen. Neben dem grandiosen “Saga”, dem sehr guten “Hypernaturals” und dem ebenfalls lesenwerten “Higher Earth” erscheint jetzt mit “Storm Dogs” von David Hine und Doug Braithwaite ein weiterer Leckerbissen.

Storm Dogs #1 Cover

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Auf dem unwirtlichen Minenplaneten Amaranth passieren geheimnisvolle Morde. Also entsendet die “Union” das Raumschiff “SS Tarkovsy” (die Anspielung auf den Regisseur von “Stalker” ist vielversprechend), an Bord ein Team von speziell ausgebildeten Ermittlern. Warum die Union sich überhaupt für die Vorgänge auf Amaranth interessiert ist allen Beteiligten ein Rätsel…

Die sehr detaillierten Zeichnungen von Doug Braithwaite gefallen mir gut. Besonders gern mag ich die fremdartige Fauna auf dem Planeten. Ulises Arreola koloriert vor allem in Rot- und Brauntönen, was die lebensfeindliche Atmosphäre auf Amaranth gut rüber bringt.

Ich bin Fan von guten SciFi-Comics. Ich hoffe, die Anspielung auf Tarkovsky ist nicht einfach nur Namedropping, sondern gibt die Richtung an, in die die sechsteilige Miniserie “Storm Dogs” sich entwickeln wird. Das letzte Panel des Comics spricht durchaus dafür. Vielversprechend!

47 Ronin Review – To know this story is to know Japan

Stan Sakai, der mit “Usagi Yojimbo” eine seit Jahrzehnten laufende Serie um einen Samurai-Hasen schreibt und zeichnet, illustriert in der auf fünf Hefte angelegten Mini-Serie “47 Ronin” von Mike Richardson eine alte, in Japan sehr bekannte Geschichte um den aussichtslosen Versuch von 47 Samurai ihren Meister zu rächen. Allerdings verzichtet Sakai in “47 Ronin” auf anthromorphisierte Tierfiguren. Sein Stil ist sehr cartoonig, strotzt zugleich aber vor Details, die wohl nur Kenner der japanischen Kultur, zu denen ich nicht gehöre, ausreichend würdigen können.

47 Ronin #1 Cover

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Mike Richardson adaptiert in “47 Ronin” die auf wahren Begebenheiten beruhende japanische Geschichte “Chūshingura”, natürlich entsprechend vereinfacht. Trotzdem wirkt das sehr authentisch. Man fühlt sich wirklich ins Japan des 17. Jahrhunderts versetzt, als die Werte der Samurai im Niedergang begriffen waren.

Daimyo (Titel für mächtige, politisch einflussreiche Landbesitzer) Asano Takumi-Naganori wird von Shogun Tokugawa Tsunayoshi an den Hof von Kaiser (Emperor) Higashiyama berufen. Die allgegenwärtige Korruption bei Hofe widerspricht Asanos Moralkodex, was schnell zu ernsthaften Komplikationen führt.

“47 Ronin” ist nichts für Leser, die Nonstop-Action erwarten. Die Geschichte entfaltet sich langsam. Es wird viel Wert auf Details und Authentizität gelegt. Für Japan Fans ist “47 Ronin” sowieso ein Muss. Aber selbst ohne Vorwissen sei der Comic dringend empfohlen, er ist einfach gut gemacht und erzählt.

DC New 52 – Zero Month: Die Reviews

Im September heißt es bei DC Comics “Zero Month”. Ich habe mir für euch einmal die Nullnummern (“Before the New 52″) angeschaut und zu jedem ein Kurzreview verfasst. Natürlich subjektiv. Viel Spaß!

DC Comics Zero Month

Animal Man #0 von Jeff Lemire & Steve Pugh

Animal Man #0 erzählt, wie Buddy Baker zu Animal Man wurde. Ich bin mir angesichts der Komplexität und Seltsamkeit der Reihe nicht sicher, ob Heft 0 als Startpunkt für Neuleser geeignet ist, aber Lemire versucht offensichtlich, Neulesern alles Nötige zu erklären, ohne  Stammleser zu langweilen. Ich glaube, Lemire hält sich ziemlich nah an der Originalgeschichte über Buddys Verwandlung, er deutet sie aber um. Das ist spannend zu lesen und creepy wie üblich anzusehen. Hält das hohe Niveau. Ich bin gespannt, wie sich die Serie weiter entwickelt.

Aquaman #0 von Geoff Johns, Ivan Reis & Joe Prado

Von der ersten bis zur letzten Seite unterhaltsam, wird einem in Aquaman #0 quasi nebenbei der Charakter Aquaman ein wenig vorgestellt und schon ist es vorbei. Liest sich schnell, lässt sich keine Zeit, ist aber gekonnt konstruiert, so dass es nicht gehetzt wirkt. Das Äquivalent eines Hollywood-Blockbusters in Comicform. Dazu tragen auch die guten Zeichnungen von Ivan Reis und Joe Prado viel bei. Für Neuleser ganz sicher gut verständlich und daher auch als Einstieg in die Reihe geeignet. Ich mag meine Comics etwas gehaltvoller, aber schlecht ist Aquaman sicher nicht!

Batgirl #0 von Gail Simone & Ed Benes

Barbara Gordon ist Batgirl. Wie es dazu kam erzählt Batgirl #0. Es deutet auch ein tragisches, für die Batgirl-Historie sehr wichtiges Ereignis an. Die Zeichnungen von Ed Benes haben mir nicht gefallen, aber die Geschichte ist schon gut. Barbara will auf dem Polizeirevier mehr über den mysteriösen Batman erfahren und ehe sie sich versieht, ist sie als Geisel in einen Gefängnisausbruch verwickelt und am Ende des Heftes ist sie Batgirl. Das Heft reißt mich nicht vom Hocker, es ist aber auch beileibe nicht schlecht.

Batman, Incorporated #0 von Grant Morrison & Chris Burnham

Eine unterhaltsame Ansammlung alternativer Batmans und eine Art Vorstellung des Geschäftsmodells “Batman Inc”. Wäre in den Händen eines anderen Autors wohl ein totaler Reinfall, aber Morrisons Einfallsreichtum und Humor reißen es raus. Batman Incorporated #0 ist außerdem interessant gezeichnet. Chris Burnhams Stil ist hier sehr verschieden zu den sonstigen Heften. Die Farbpalette ist eine andere. Gefällt mir gut!

Batman & Robin #0 von Peter J. Tomasi, Pat Gleason & Mick Gray

Ich mag Batman-Geschichten, die mit Talia Al Ghul zu tun haben. In Batman & Robin #0 werden wir Zeuge, wie sie ihren Sohn Damian erzieht: Hart, mörderisch. Er soll einmal die Welt “zähmen”, wie es sich für einen Al Ghul gehört. Die Geschichte hat mich für die Länge des Hefts gefesselt. Ich habe sie ohne viel Vorwissen verstanden und möchte erfahren, wie sich die Beziehung zwischen Batman und Damian weiter entwickelt. Insofern alles gut. Die Zeichnungen sind ein schwieriger Fall. Damian sieht meist toll aus, Talia meistens nicht. Manche Panels sind richtig gut, andere nicht einmal mittelmäßig. Die Perspektive ist immerhin fast durchgehend interessant gewählt. Batman & Robin #0 hat mir gut gefallen. Es erinnert mich ein wenig an Batman Incorporated.

Batman: The Dark Knight #0 von Gregg Hurwitz, Mico Suayan & Juan José Ryp

Meh. Ein bisschen viele düstere Gedanken, eine wenig überraschende oder gar befriedigende Geschichte. Einmal mehr erleben wir das Trauma Bruce Waynes: Den Tod seiner Eltern. Die Zeichnungen sind nicht direkt hübsch, aber ganz interessant. Kann man sich sparen.

Batwing #0 von Judd Winick, Marcus To, Ryan Winn & Richard Zajac

Ich mag das Setting. Es mag klischeebeladen sein, aber Afrika taugt als Handlungsort für die wirklich düsteren Batwing-Stories ausgesprochen gut. Hier spritzt viel Blut und es wirkt erschreckend glaubwürdig und realistisch. Menschenleben zählen hier nicht viel. Die Bösen haben keine komplizierten Vorgeschichten. Sie beherrschen und töten, weil sie es können. Auch David alias Batwing ist ein Getriebener. Batwing #0 erzählt, wie er zu Batwing wurde und verbindet Batwing recht unkreativ, aber logisch, mit den anderen Bat-Titeln. Ganz cool. Eher zweckmäßig gezeichnet.

Batwoman #0 von J.H. Williams, III & W. Haden Blackman

Geilomat. Das war laberlastig, aber sehr gut. Ein wenig rührselig anfangs, aber gen Ende hin nahezu perfekt den Ton getroffen, den ich bei Batwoman mag. Und ein super Einstiegspunkt für Neuleser. Chapeau, ich bin wieder überzeugt davon, dass Batwoman ein toller Charakter und ihre Serie lesenswert ist.

Blue Beetle #0 von Keith Giffen, Tony Bedard, Ig Guara & J.P. Mayer

Blue Beetle #0 fand ich durchwachsen. Die Zeichnungen sind wenig beeindruckend. Die Mimik der Charaktere besteht vor allem daraus, dass sie ihre Münder aufreißen und Zähne zeigen. Die gewählten Perspektiven wirken altbacken, wohlbekannt. Da ich über den Blue Beetle nichts weiß, konnte ich die Herkunftsgeschichte hier unbelastet von Vorwissen lesen. War ganz spannend, wenn auch nicht perfekt erzählt. Am Coolsten fand ich den Teil mit Lady Styx. Die Konkurrenz zwischen dem Käfer und seinem Wirt könnte ein spannendes Thema sein. Im actionreichen SciFi-Kontext der Serie wirken die Andeutungen von moralischer Tiefe wie ein Fremdkörper. Bestenfalls Mittelmaß.

Captain Atom #0 von J.T.Krul & Freddie Williams II

Captain Atom endet mit #0. Habe die Serie komplett gelesen und für gut befunden. Beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten, die ein “Supermensch” so hat. Einsamkeit, Entfremdung, Allmachtsfantasien etc. Captain Atom erinnert nicht zufällig sehr an einen gewissen Doctor Manhattan aus “Watchmen”. Issue 0 ist für sich genommen eher unspektakulär. Es liefert uns die Geschichte von Captain Atoms Entstehung. Blöderweise ist die schon ziemlich gut bekannt, liefert also keine großen Überraschungen. Da es aber sowieso keinen Sinn macht, nur die Nullnummer zu lesen, muss man Captain Atom #0 im Kontext der Serie lesen und dann ist es ein gelungener Abschluss einer hochwertigen, zu kurz gelaufenen, Reihe. Die Zeichnungen von Freddie Williams II passen gut zum etwas anderen Ton der Serie, die auch gut ins Portfolio von Vertigo Comics gepasst hätte.

Demon Knights #0 von Paul Cornell & Bernard Chang

Demon Knights ist momentan einer meiner Lieblingscomics von DC Comics. Sieht super aus und erzählt spannende Geschichten. Das Setting erinnert an Mittelalter/Fantasy, mit großen Spritzern der Artus-Geschichte. Highlight der Reihe ist aber das Team. Hier ist wirklich jeder Charakter spannend und entwickelt sich interessant. Großartig. Man will einfach immer mehr Geschichten mit diesen Protagonisten lesen. Etrigan/Jason, Madame Xanadu, The Shining Night, Vandal Savage – alle zusammen in einem Comic. Issue #0 erzählt, wie es dazu kam, dass der Dämon Etrigan und der Merlin-Schüler Jason of Norwich, miteinander verschmolzen und wie sie sich miteinander arrangierten. Gerade im Hinblick auf die Ereignisse der eigentlichen Serie ein spannendes Heft, aber auch Neuleser dürften sich amüsieren. Testet Issue #0 und steigt in die Serie ein. Ich bin sehr sicher, dass ihr es nicht bereuen werdet.

Dial H #0 von China Miéville & Riccardo Burchielli

Tja, was sage ich zu Dial H? China Miéville ist der vielleicht bekannteste Vertreter sogenannten New Weird. Die Grundidee von Dial H For Hero scheint schon immer bekloppt gewesen zu sein: Mithilfe einer magischen (oder technologisch sehr hochentwickelten) Wählscheibe verwandelt sich ein stinknormaler Mensch für begrenzte Zeit in einen Superhelden.  In welchen Helden er sich genau verwandelt, bestimmt fast immer der Zufall. Gäbe es dass nicht schon, jemand wie Miéville wäre der Richtige, um sich solch eine Geschichte auszudenken. Was Miéville allerdings nicht ist: Leicht zu lesen. Seine Geschichten sind seltsam und komplex und wirken oft fast assoziativ. Er beachtet keine Genregrenzen. Das macht Dial H zu einem ziemlich anspruchsvollen Comic, der einem etwas abfordert, den man nicht einfach so weg liest. Issue 0 führt uns weg von der Gegenwart der Haupthandlung, weit in die Vergangenheit. Obwohl die Hauptserie erst wenige Bände alt ist, würde ich Neulesern empfehlen, mit Issue 0 zu starten. Es ist das bisher am Leichtesten verständliche Heft der Reihe. Danach würde ich die bisher erschienenen Hefte lesen, die versteht man dann deutlich einfacher.

Earth 2 #0 von James Robinson & Tomas Giorello

Earth 2 #0 hat mich ehrlich gesagt etwas überfordert. Das liegt zum Teil daran, dass im Heft Charaktere auftreten, die ich ansatzweise kenne (Wonder Woman, Batman, Superman), allerdings nicht sehr gut. Anspielungen wie andere Realnamen fallen mir oft nicht direkt auf, ich will sie aber gern mitbekommen. Das hilft nicht gerade beim Genießen eines Heftes. Außerdem kann ich Terry Sloan nicht einordnen, was aber wichtig für die Stimmung des Hefts wäre. Terry Sloan ist, Google macht schlauer, Mister Terrific. In Earth 2. Im Hauptuniversum ist ein anderer Mister Terrific. Der wurde aber kürzlich auf Earth 2 teleportiert und traf im letzten Heft auf den Mister Terrific von Earth 2, eben jenen Terry Sloan. Es gab auch mal Terry Sloane, der war auch Mister Terrific, ist aber mittlerweile (meistens) tot. Furchtbar verwirrend und nicht einmal sonderlich spannend. Daher geht bei für mich viel Atmosphäre verloren. Eigentlich strotzt Earth 2 #0 aber vor cooler Action, ist gut erzählt und sehr gut gezeichnet. Die Handlung spielt kurz vor den dramatischen Szenen in Earth 2 #1.

Frankenstein – Agent of S.H.A.D.E. #0 von Matt Kindt, Alberto Ponticelli & Wayne Faucher

Sehr cool! Frankenstein – Agent of S.H.A.D.E. ist eine klasse Reihe. Erst geschrieben vom hochgeschätzten Jeff Lemire, hat mittlerweile Matt Kindt übernommen, der übrigens gerade für Darkhorse Comics das phänomenale “Mind MGMT” schreibt und zeichnet, das ich euch hiermit kräftig ans Herz lege. Bisher sind fünf Hefte erschienen, ihr könnt also locker noch einsteigen. Die Hefte bieten einige Extras, die im Trade Paperback nicht enthalten sein werden. Hm, vielleicht muss ich Mind MGMT mal separat vorstellen. Aber nun zurück zu Frankenstein. Heft 0 erklärt, wie Frankenstein zum Agenten S.H.A.D.E.s wurde und das auf unterhaltsame Weise. Frankenstein entdeckt seine Befähigung zum Guten. Außerdem leitet #0 über ins Rotworld-Event, bei dem Frankenstein ab #13 mitmischen wird. Frankenstein Agent of S.H.A.D.E. ist eine eher actionreiche Serie, ein fun read. Man muss nicht viel nachdenken und wird bombardiert mit abgefahrenen Ideen und einem coolen Protagonisten, der Probleme meist auf die gewalttätige Art löst. Da Gut-Böse aber meist klar verteilt sind und Frankenstein immer für das Gute kämpft, unterhält das prächtig. Lese ich Monat für Monat gern.

G.I. Combat #0 von Justin Gray, Jimmy Palmiotti, J.T. Krul, Staz Johnson & Ariel Olivetti

G.I. Combat versammelt  zwei voneinander unabhängige Geschichten. Im längeren ersten Teil geht es um den Unknown Soldier. Ich mag den etwas dreckigen Zeichenstil. Die Geschichte ist… naja, etwas dünn. Als Neuleser erfahre ich zwar etwas über den Unknown Soldier, aber auf eher trockene Weise. Der Charakter ist sich selbst fremd und bleibt das auch für den Leser. Die zweite Geschichte zeigt uns, wie ein Soldat auf einer Insel (?) voller prähistorischer Tiere um sein Überleben kämpft und dabei selbst zum wilden Tier wird. Interessanter Zeichenstil, der aussieht, als wären Fototexturen verwendet worden. Da stehe ich nicht so drauf, aber es sorgt für einen netten Look und passt zur Atmosphäre der Geschichte. Insgesamt aber ein unbefriedigendes Paket, das man aufgrund seiner Belanglosigkeit getrost ignorieren kann.

Green Lantern #0 von Johns, Mahnke, Alamy, Irwin & Champagne

Ein neuer Green Lantern? Gar nicht übel. Für einen Comic ziemlich viele Anspielungen auf die amerikanische Politik nach 9/11. Den Zeichenstil mag ich gar nicht, der erinnert mich an ältere Image-Sachen. Überhaupt nicht mein Fall. Die Geschichte ist aber echt gut und flott erzählt. Die neue(?) grüne Laterne wird gekonnt eingeführt. Ich mag Simon Baz, der als Moslem kurz nach 9/11  zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird, das er nicht begangen hat. Ich kann nur einfach nicht mit Green Lantern. Dieses Heft hier liefert meiner Abneigung kaum Argumente, denn es ist wirklich nicht schlecht. Auch für Neueinsteiger geeignet.

Grifter #0 von Liefeld, Tieri, Clark & Beaty

Ach Grifter. Ich habe die ersten Hefte dieser Serie, geschrieben von Nathan Edmondson, gelesen und war positiv überrascht, wie gut die Serie ist. Nathan Cole aka Grifter ist ein interessanter Charakter und Edmondson erspart ihm nix. Die Serie traut sich was! Und dann kam Rob Liefeld und ich entschied mich, doch nicht in die laufende Serie einzusteigen. Edmondson ist der, der einen guten Comic nach dem Anderen raus haut (aktuell beispielsweise den großartigen Scharfschützen-Thriller “Dancer” bei Image Comics). Rob Liefeld ist der, der immer über seine Kollegen meckert. Grifter #0 ist nicht wirklich übel, aber ich will es nicht mögen. Lest lieber was Besseres!

I,Vampire #0 von Joshua Hale Fialkov und Andrea Sorrentino

Ich kaufte mir letztens für günstig Geld alle seit dem DC-Neustart erschienenen Hefte von I,Vampire und wurde vom ersten Heft an Fan von Andrew und vor allem Mary. Autor Fialkov traut sich was (um genau zu sein, traut er sich soviel, dass man sich ernstlich fragt, wie das noch irgendwie zum Rest des DC-Universums passt!) und I, Vampire ist mit Sicherheit eine der besten Serien, die DC momentan im Programm hat. Das verdankt sich auch den tollen Zeichnungen von Andrea Sorrentino. Mary und Andrew sehen einfach faszinierend aus. Sorrentinos Zeichnungen untestützen die Ambivalenz, mit der Fialkov seine Charaktere gestaltet. Immerhin sind Mary und Andrew sowohl ein Paar, als auch Erzfeinde. Genug Stoff für Konflikte. I,Vampire wäre wohl wirklich nur halb so gut, würde ein Anderer die Pinsel schwingen. Die Story, wie man zum Vampir wird, ist hinlänglich bekannt. Das weiß natürlich auch Autor Fialkov, weswegen  er auf die Charaktere setzt und es funktioniert. Andrew zu sehen, bevor er imba wurde ist spannend. Somit unterhält I,Vampire #0 auf gewohnt hohem Niveau, was zutiefst super ist!

Justice League Dark #0 von Jeff Lemire & Lee Garbett

Ein junger John Constantine steckt während seiner Zeit als Magielehrling in einer Dreiecksbeziehung mit Zatanna und Nick Necro. Es nimmt ein böses Ende. Jeff Lemire schafft es, eine Art Origin-Story von John Constantine mit der aktuellen Storyline um die “Books Of Magic”, unfassbar mächtige magische Artefakte, die Essenz der Magie, zu verbinden. Gute Unterhaltung, nett gezeichnet. Für Fans der Reihe. Zum Neueinstieg durchaus geeignet, aber wahrscheinlich nicht “catchy” genug, um neue Leser über das Heft hinaus zu halten.

Swamp Thing #0 von Scott Snyder & Kano

Swamp Thing #0 erzählt uns mehr über Anton Arcane und Alec Holland, das Swamp Thing. Die beiden sind schon einmal aufeinander getroffen, mit tragischem Ausgang für einen der beiden. Die Zeichnungen von Kano sind famos, stellenweise sieht Swamp Thing #0 unheimlich gut aus und stellenweise ist es ekelerregend und verstörend, je nachdem, wie die abwechslungsreiche Geschichte von Scott Snyder es erfordert. Im Vergleich zur Hauptserie sind die Panels weniger experimentell angeordnet, was es leichter macht, der Handlung zu folgen. Swamp Thing #0 dürfte man auch als Neuleser gut genug verstehen, um in die Reihe einsteigen zu können.

Sword Of Sorcery – Amethyst #0 (plus Beowulf) von Christy Marx, Tony Bedard, Aaron Lopresti & Jesus Saiz

Sword Of Sorcery ist ein weiterer Neustart im Rahmen des Zero Months. Wie so oft handelt es sich bei Issue 0 um eine Herkunftsgeschichte. Wie wurde aus der Schülerin Amy Winston die Heldin Amethyst? Sehr cool, ich mag die Charaktere direkt. Endet mit einem fiesen Cliffhanger, der wohl direkt in die Nummer 1 mündet. Außerdem im Heft: Beowulf. Versetzt Wikinger in eine postapokalyptische Welt, wo sie auf den Riesen Beowulf treffen. Auch nicht übel, ich hätte aber lieber mehr über Amethyst gelesen. Das spricht aber eher für Amethyst als gegen Beowulf.

Talon #0 von Scott Snyder, James Tynion IV und Guillem March

Langweilig! Wirklich. Standard-Origin-Geschichte ohne das gewisse Etwas. Ein kleiner Junge namens Calvin Rose wird zum Entfesslungskünstler, wird ein Mitglied des Court Of Owls (eine Sekte aus Batman, soweit ich informiert bin), wird zum Talon, so eine Art Assassine der Owls, wird zum Abtrünnigen, wird verfolgt und von einem anderen Mörder mit dem Messer verletzt und im Kofferraum eines PKWs im Wasser versenkt. Die Rechtfertigung für letztere Aktion wirkt übrigens mehr als fadenscheinig. Die Zeichnungen von Guillem March kann man hübsch finden. Ich hab bei March allerdings für alle Zeit seinen furchtbaren Catwoman-Ball für das Cover von Catwoman #0 vor Augen, den DC mittlerweile sogar durch ein anderes Cover ersetzt hat, so furchtbar war er. Das wird March nicht wieder los. Nichts hier, was ich sonderlich mag. Der Comic ist routiniert, aber ohne Highlights erzählt. Uninspiriert wirkende Standardkost. Da Talon #0 das erste Heft eines Neustarts ist, bin ich ziemlich enttäuscht.

Team 7 #0 von Justin Jordan & Jesus Merino

Wie der Titel schon verrät, ist Team 7 ein Teamcomic. Die Reihe startet mit Issue 0. Ich weiß, dass viele der vorkommenden Charaktere bekannt sind, im Comic erkannt habe ich aber nur Cole Cash aka. Grifter, weil ich von dieser Reihe ein paar Hefte gelesen habe (alles von  Nathan Edmonson, um genau zu sein). Ich glaube, wenn man die Charaktere erkennt, könnte das Heft Spaß machen. So ist es eine etwas überwältigende Aneinanderreihung kurzer Charaktervorstellungen. Wie auf wenigen Seiten jeweils ein Protagonist eingeführt wird, ist gelungen. Mir ist das Ganze bisher zu militärisch, es fehlt ein bisschen die Lust, diesen harten, brutalen Charakteren zu folgen. Die Zeichnungen sind auch eher zweckmäßig.

The Phantom Stranger #0 von Dan Didio, Brent Anderson & Scott Hanna

Ein Neustart im Rahmen des Zero Months. Der Charakter Phantom Stranger war mir vorher unbekannt, aber Issue 0 hat mich davon überzeugt, dass er sehr interessant ist. Ein Mann wird für seine Sünden damit gestraft, für immer auf Erden zu wandeln. Oder zumindest solange, bis er genug Gutes getan hat. Das Problem: Er wird am Ende unausweichlich alle betrügen, denen er zu helfen versucht. Hat einen schönen Retrotouch und sieht mit seiner kräftigen Kolorierung wirklich hübsch aus. Ich glaube, in diese Serie steige ich ein.

Wonder Woman #0 von Brian Azzarello & Cliff Chiang

In Wonder Woman #0 treffen wir auf eine jüngere, wildere Wonder Woman. Wo die Hauptserie doch sehr ernst daher kommt, unterhält hier das Spielerische, Leichtere, zumindest zu Beginn. Chiangs Zeichnungen sind wie immer toll.  Chiang und Azzarello tun so, als sei Wonder Woman #0 ein Neudruck von ”All-Girl Adventure Tales For Men” #41, inklusive heute eher veralteter Stilmittel wie Gedankenblasen. Gefiel mir gut, aber ich denke, man sollte den Charakter Wonder Woman kennen und mögen, um Wonder Woman #0 voll schätzen zu können.

Worlds’ Finest – Huntress & Power Girl #0 von Paul Levitz & Kevin Maguire

Alles beim Alten, wirklich. Ob als Huntress und Power Girl oder Robin und Supergirl: Kara und Helena sind einfach toll. Levitz und Maguire schaffen hier einen superunterhaltsamen Action-Comic, den man gelesen haben sollte. Ich freu mich jeden Monat auf meine paar Minuten mit den beiden Freundinnen!

Action Comics #0

All Star Western #0

Batman #0

Birds of Prey #0

Catwoman #0

DC Universe presents #0

Deathstroke #0

Detective Comics #0

Green Arrow #0

Green Lantern Corps #0

Green Lantern: New Guardians # 

Justice League #0

Justice League International #0

Legion of Super-Heroes #0

Nightwing #0

Red Hood & The Outlaws #0 von

Red Lanterns #0 von Peter Milligan

Resurrection Man #0 von

Stormwatch #0

Suicide Squad #0

Superboy #0

Supergirl #0

Superman #0

Teen Titans #0 

The Flash #0

The Fury Of Firestorm: The Nuclear Men #0

The Ravagers #0

The Savage Hawkman #0

Voodoo #0

Ti_leo liest: From Hell Kapitel 2 – Im Stand der Finsternis

Die Älteren unter euch werden sich noch erinnern, dass ich im Rahmen des Megaquitzchenmittwochs “From Hell” von Alan Moore und Eddie Campbell kapitelweise lesen und besprechen wollte. Das zweite Kapitel hat sich als erstaunlich lang und das alltägliche Leben als überraschend fordernd herausgestellt. Aber jetzt geht es weiter, im ungefähren *hust* Wochentakt.

Alan Moore From Hell Comic Cover

Donnerstag Abend und ich komme endlich zum Review. In Kapitel 2 wird die Lebensgeschichte eines gewissen Gull erzählt, von seiner Jugend, über seine Karriere als Arzt, seine Initiation bei den Freimaurern, seine Freundschaften, seine Ehe und schließlich seinen Tod. Ein ziemlich komplexes Kapitel mit vielen Anspielungen und (angeblichen?) Interna der Freimaurer. Obskure Sprüche, seltsames Verhalten, sowas. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich es hinter mir habe und hoffe, nicht jedes Kapitel ist so anspruchsvoll.

Ich werde aus dem Kapitel noch nicht schlau, sehe nicht die Zusammenhänge und Anspielungen. Kenne Jack noch nicht. Weiß noch nichts von furchtbaren Morden. Huren gibt es, sogar welche mit Namen, bei denen was klingelt, aber noch leben sie, auch wenn sie sich offenbar fürchten. Aber nicht vor dem Ripper, sondern vor fiesen Zuhältern, die sie nicht töten, sondern ihnen furchtbar weh tun wollen.

Die Zeitgeschichte kommt gut rüber. Es ist dreckig, düster. Man möchte nicht in dieser Zeit, in diesem London wohnen. Als wäre man als Mensch aus dem Jetzt in der Zeit zurück gereist und würde noch darum kämpfen, sich zurecht zu finden. Langsam wünsche ich mir einen Protagonisten, der das zusammen hält und dem Ganzen eine klarere Struktur verleiht. Insgesamt ist das überfordernd, aber auch sehr beeindruckend, wie Moore hier auf 30 Seiten ein ganzes Leben vor uns ausbreitet.

Das dritte Kapitel ist kürzer. Ich hoffe also, bis zum nächsten Teil meines Erfahrungsberichtes wird es nicht wieder so lange dauern. Ihr würdet mich sehr aufmuntern, wenn ihr mir mitteilen würdet, dass ich nicht der einzige Leser bin, der mit dem zweiten Kapitel “From Hell” so seine Probleme hatte.

Before Watchmen – Ozymandias #2 Review

In den ersten Wochen von “Before Watchmen” wurden die Comics Woche für Woche etwas besser, bis ich nach “Ozymandias” #1 der Meinung war, “Before Watchmen” könne durchaus ein würdiges Spin-Off zu “Watchmen” werden. Sogar bereits erschienene Comics profitierten vom Mehr an Hintergrund, je mehr Hefte erschienen. Die Nummer Zweien waren weniger enttäuschend, blöderweise gab es aber auch weniger Höhepunkte. Holten “Comedian” #1, “Nite Owl” #1 und vor allem “Ozymandias” #1 noch Einiges für die Reihe heraus, so ist das mit den Nummer Zweien anders. “Comedian” #2 war belanglos, “Nite Owl” #2 wenig mitreißend. Und “Ozymandias” #2?

Ozymandias #2 Cover

(Bildquelle)

“Ozymandias” #2 hält das Niveau. Herausragend und wohl das Beste am Comic: Die Zeichnungen von Jae Lee, der sich auch für das Cover verantwortlich zeigt. Ich mag seinen Stil. Seine Panels wirken hyperdetailliert, gleichzeitig aber auch stilisiert. Das Paneldesign ist sehr aufgeräumt, aber mit seinem Mix aus runden und eckigen Formen trotzdem experimentell. Sowas kenne ich aus anderen Comics nicht. Die einzige Splashpage im Heft, in welcher Ozymandias eine Horde Bösewichte innerhalb eines Wimpernschlags außer Gefecht setzt ist für mich das Highlight. Wie Jae Lee hier die Gleichzeitigkeit der Ereignisse nur mithilfe schwarzer Schatten und eines gelben Hintergrunds darstellt ist schon sehr groß. Bei Lee hat man nie Probleme, zu erkennen, was gerade passiert oder wer agiert.

Die Story beschäftigt sich weiter damit, wie Adrian Veidt zum maskierten Rächer Ozymandias wurde. Hatten wir in Heft 1 quasi seine Origin-Story vor uns, so lesen wir nun von seinen ersten Versuchen als Verbrechensbekämpfer und seinem ersten Zusammentreffen mit einem Mitglied der Minutemen. Über die weiteren “Abenteuer” des “Crimson Corsairs” hülle ich den Mantel des Schweigens. Woche für Woche frage ich mich, wozu diese zwei Seiten Belanglosigkeit und Ereignislosigkeit eigentlich gedacht sind.

“Ozymandias” #2 ist ein gutes Heft, aber mit einem anderen Zeichner wäre ich wohl trotzdem nicht direkt begeistert. So ist “Ozymandias” für mich immer noch das Highlight von “Before Watchmen” Ich fürchte aber, es nähert sich der Moment, in dem ich Before Watchmen den Rücken kehren werde. Es sei denn, Rohrschach #1 wird nächste Woche deutlich besser. Ich hoffe es, denn so richtig schlecht ist “Before Watchmen” nicht.

ti_leo liest From Hell: Kapitel 1 – Die Neigungen des jungen Mr. S.

Andeutungen… Ein Mr. Snickert soll gewusst haben, wer der Ripper ist. Zeitsprung, 40 Jahre in die Vergangenheit. Die Neigungen des jungen Mr. S. S wie Snickert. Wir schreiben das Jahr 1884. Tatsächlich. Ein Snickert und ein “junger Mr. Snickert” treten auf. Der Junge hat ein Geheimnis. Er spielt ein doppeltes Spiel. Offiziell ist er Albert Snickert, aber wenn sie allein sind, nennt sein Begleiter ihn Eddy.

Alan Moore From Hell Comic Cover

(Bildquelle)

Here be SPOILERS!

Das 1. Kapitel umspannt mehrere Jahre. Albert lernt jemanden kennen, eine Bedienung namens Annie Crook. Sie wird schwanger. Es wird geheiratet. Alles nimmt ein böses Ende, als Alberts Geheimnis gelüftet wird. Er wird von Frau und Kind getrennt. Eddy ist Prince Albert Victor, Duke of Clarence and Avondale. Dieser “Eddy”, Mitglied des englischen Königshauses, steht (neben vielen Anderen) im Verdacht, hinter den Ripper-Morden zu stecken, allerdings ist er ein unwahrscheinlicher Kandidat. Annie Crook hat er nie geheiratet. Stattdessen ist er 1892 an der Grippe gestorben.

Ein paar Probleme, Albert / Eddy zu erkennen. Er sieht teils doch sehr verschieden aus. Allerdings ist er genau getroffen, schaut man sich historische Portraits an. Noch keine Ahnung, wo “From Hell” genau hin will, aber ich bin gespannt.

Before Watchmen – Nite Owl #2 Review

Weiter geht es mit den Reviews zu “Before Watchmen“, einer Art Prequel zum Kultcomic “Watchmen” von Alan Moore und Dave Gibbons. Dieses Mal ist “Nite Owl” #2 dran. Den ersten fand ich ziemlich ok. Wie wird Heft 2 sich schlagen?

Before Watchmen Nite Owl 2  Cover
(Bildquelle)

Nachdem mir Comedian #2 nicht egaler hätte sein können, konnte auch “Nite Owl” #2 es leider nicht raus reißen.

Die Story: Nite Owl und Rohrschach jagen zusammen Verbrecher. Auf einer Metaebene gehts noch um Masochismus, Sexualität, Gewalt, aber das wirkt eher deplatziert. Man merkt, finde ich, dass sich Autor Straczynski bemühte, wie das große Vorbild “Watchmen” ein paar größere Themen und Fragen mitschwingen zu lassen, aber anders als in “Watchmen” wirkt es plump. Trotzdem bin ich froh, dass Straczynski wenigstens versucht, sie zu stellen. In anderen “Before Watchmen”-Heften fehlen die philosophischen Ansätze nahezu komplett. Sie gehören für mich aber dazu.

Die Zeichnungen von Andy und Joe Kubert (RIP) sind wohl Geschmackssache, mir sind da irgendwie zuviele Linien und Schraffuren, aber die Kolorierung und die Motive sind schon gut. Das ganz coole Cover passt hier einmal perfekt zum Stil im Heftinneren.

Das ist ganz unterhaltsam, aber nicht wirklich der Rede wert. Mal sehen, ob Ozymandias #2 das gute Niveau des ersten Heftes wird halten können. “Nite Owl” und “Comedian” sind daran bereits gescheitert.

ti_leo liest From Hell: Prolog – Die alten Männer am Strand

Am besten wird sein, ihr lest zuerst den Prolog zum Prolog. Da wird erklärt, wie es dazu kam, dass ich ein Exemplar von “From Hell” in die Hände bekam, um ein bisschen darüber zu schreiben. Namentlich habe ich das dem Quitzi und den offenbar netten Menschen von Cross Cult zu verdanken. Genug Vorrede!

Alan Moore From Hell Comic Cover

(Bildquelle)

From Hell“, “ein Melodrama in sechzehn Teilen”, geschrieben von Alan Moore und gezeichnet von Eddie Campbell, beginnt sehr stimmungsvoll und unvermittelt. Direkt zu Beginn des Prologs (“Die alten Männer am Strand) macht Moore klar, dass er keine leichte Kost liefert, sondern vom Leser Aufmerksamkeit fordert. Der Prolog ist handlungsarm, aber wer genau liest, hat das Gefühl einer enormen Tiefe.

Spannend, beängstigend ist das, was man nicht sieht, was nur angedeutet wird. In der Definition des Wortes “Autopsie”, die Moore dem Comic voranstellt. Autopsie kann laut dem Zitat “Öffnung und Untersuchung einer Leiche zum Zwecke der Feststellung der Todesursache”, aber  auch “Jede Art kritischer Analyse” bedeuten. Womit mit ziemlicher Sicherheit zwei Ebenen von “From Hell” angedeutet werden: Einerseits eine Art faktische Wiedergabe des Jack The Ripper-Mythos’, eine Suche nach dem wahren Jack vielleicht, andererseits aber auch die Frage nach dem Jack in uns oder in bestimmten Zeiten. Wir verfolgen das Gespräch zweier alter Männer, die Tagespolitik in England etwa 1900 September 1923 betreffend. Es geht um Kommunismus, um Klasse, um Umsturz. Einer der beiden (Abberline) ist eher konservativ, sein Gesprächspartner (Mr. Lees) ist hingegen neophil. Das Gespräch wird kurz unterbrochen, als sie eine Prostituierte bei der Arbeit erwischen. Danach wird es persönlich. Die beiden Andeutungen bezüglich eines alten Falles und fragen einander, ob sie noch Schuldgefühle hätten. Etwas lief vor Jahrzehnten wohl nicht ganz sauber und es hat etwas mit “Jack” zu tun. Beide wirken resigniert.

Jack Jack Jack. Was oder wer auch immer er ist – um ihn kreist irgendwie alles. Mal sehen, ob es so bleibt und was Moore uns über “Jack” zu sagen hat.

Schon jetzt scheint klar, dass Moore mit From Hell einen zeithistorischen Comic schreibt, mit vielen Anspielungen. Die Zeiten sind düster, Unheil liegt in der Luft. Man weiß nur noch nicht, wie es sich äußern wird. Krieg? Niedergang? Totschlag und Mord? Gar all das zusammen? Fest steht, dass Moore den Comic im Kontext verstanden haben will. Unklar oder offen, ob im Kontext der damaligen Zeit oder der unsrigen, und diese Offenheit ist sicherlich beabsichtigt.

Die Zeichnungen von Eddie Campbell sind, wenn überhaupt, nur ganz kurz gewöhnungsbedürftig, sie passen einfach perfekt zur Stimmung und sind zeitlos. Sie wirken nicht modern, aber auch nicht altmodisch. Ich könnte unmöglich sagen, ob “From Hell” 1980 oder 2010 gezeichnet wurde. Interessant ist wie cinematisch “From Hell” beginnt. Die Kamera folgt nicht den Charakteren, sondern sie laufen quasi ins Bild. Im Vordergrund eine tote, halb verweste Möwe. “From Hell” richtet sich inhaltlich und ästhetisch klar an Erwachsene und ist nichts für Kinder, soviel lässt sich ebenfalls zu Beginn schon sagen.

Im Vergleich zwischen englischer und deutscher Ausgabe fällt auf, dass der deutschen ein bisschen Flair und Lokalkolorit fehlt. Moore lässt seine Figuren Umgangssprache reden. Die geht der Übersetzung von Gerlinde Althoff ab. Stört mich aber nicht sehr, da die englische Ausgabe mir auf Dauer tatsächlich zu anspruchsvoll vorkommt und ich bin eigentlich ein geübter Leser englischer Romane. Die sprachlichen Feinheiten des Originals dürften unübersetzbar sein. Es lohnt sich aber, hin und wieder zu vergleichen.

Übrigens bin ich nicht der Einzige, der sich momentan an “From Hell” wagt. Auf 9thart.blogspot liest jemand jeden Monat ein Kapitel, für die nächsten 16 Monate! Allerdings die englische Ausgabe. Falls ihr nicht genug “From Hell”- Lektüre bekommen könnt…