Die Rechte und der Feminismus- Die beiden großen Probleme der Piratenpartei

Die TAZ titelt: Frauen stimmten gegen Minarette. Das nennt sich „Analyse“, mich würde es allerdings wundern, wenn sonderlich viele der im Artikel aufgestellten Behauptungen und Schlussfolgerungen wirklich fundiert und nachprüfbar wären.

Angeblich kam das überraschende Ergebnis des Referendums in der Schweiz zum Verbot von Minaretten dadurch zustande, dass linke feministische Frauen in der Schweiz für das Verbot stimmten, um ein Zeichen gegen eine „autoritäre Kultur“ zu setzen. Das wär natürlich ziemlich bescheuert. Mit Verboten gegen Autorität- fucking for virginity.

Statt sich zur reichlich vorhandenen Kritik zu äußern, nimmt Aaron Koenig, Mitglied im Bundesvorstand der Piratenpartei, das Thema dankbar auf:

„Ich verstehe den Volksentscheid in der Schweiz, der ja durch Stimmen aus dem linken, feministischen Lager entschieden wurde, als symbolisches Statement für die Werte der Aufklärung und gegen totalitären Fanatismus.“

Dass man sich über das Ergebnis des Schweizer Referendums besser gar nicht freuen sollte, ist ihm scheinbar immer noch nicht klar. Aber wenn doch sogar Feministinnen für das Verbot gestimmt haben, dann muss es wohl richtig sein. Immerhin sind die normalerweise auf Konfrontationskurs mit der Piratenpartei, weil die ihnen nicht links und feministisch genug ist. Wenn andere, tendenziell linke Menschen, für das Verbot sind, dann können die Äußerungen eines Aaron Koenig doch nicht rechts sein. Sehr seltsam gedacht das Ganze, denn natürlich machen ein paar verirrte Linke eine erzkonservative Argumentation nicht zu einer linken.

Somit lassen sich innerhalb der letzten drei Tage auf Aarons Blog gleich die beiden großen Probleme der Piratenpartei klar erkennen und nachlesen. (Selbstverständlich ist Aaron Koenig ein Einzelfall und die Partei distanziert sich in großen Teilen auch klar von ihm. Mehr noch: Er wird gerade von Parteimitgliedern äußerst vehement kritisiert. Ich finde seine Aussagen in der Tendenz allerdings „typisch“ für gewisse Denkmuster innerhalb der Piratenpartei, die dringend diskutiert werden müssen und auch eifrig intern diskutiert werden, siehe diese Erklärung)

Erstens mangelt es der Piratenpartei noch immer an Abgrenzung zum rechten Lager. Das resultiert meiner Meinung nach aus der Angst, sich festzulegen.  Als ob man, würde man sich einmal klar gegen rechts positionieren, jede Chance vergeben hätte, etwas anderes als linke Politik zu betreiben.

Zweitens herrscht bei vielen Piraten eine Feminismus-Feindlichkeit vor, die vor allem aus Unwissen resultieren dürfte. Man bezeichnet sich als postfeministisch, dabei haben viele Mitglieder sich nie mit Feminismus auseinander gesetzt, scheint es. Das sollten sie dringend nachholen, bevor sie sich frech „postfeministisch“ nennen.

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2 Antworten zu “Die Rechte und der Feminismus- Die beiden großen Probleme der Piratenpartei

  1. was an minarettverbietenden feministinen links sein soll, bruder(im geiste oder auch nicht)
    ,es geht um die befreiung der frau und des weiblichen von in macho-gesetze gegossenen konventionen, die eine jahrtausende alte-macho geprägte welt als standart und gesundes volksempfinden der völker hat internalisieren lassen. die gesamten macho religionen sind im durch monothesismus geprägten europa konventionsprägend, mit ihrer erniedrigung des weiblichen körpers wegen ihrer menstruation, ihrer anderen struktur, tonfall und psyche als zweitrangig, der verpönung der weibliche lust und in der folge davon, die einstufung als sache, die man nur unberührt, d.h. mit intakten hymen gut verkaufen kann, die eingesperrt werden muss, die keine kirchlichen ämter bekleiden darf, die kopftuch, burka oder sonst einen Schei– tragen muss und nicht einmal würdig ist, eine Kirche, Moschee oder tempel zu betreten.

    das alles sind konventionen- durchgesetzt- mit Macht/gewalt der Machos, die dies alles spiegelnd in die gesellschaft , die denke und vor alle- -DIE EMOTIONALÖITÄT- ALLER BEREICHE, gebracht haben.
    wenn also durch gesetz die minarette verboten werden, sollten klar auch kirchtürme als phalussymbole bei kirchlichen neubauten verboten werden, nur die verbote sind notwendig, um den diskreminiernenden EMOTION geworden KONVENTIONEN einhalt zu gebieten. es geht darum die restaurierung der mittelalerlichen KONVENTIONEN ZU VERHINDERN.
    leben,

  2. Was an minarettverbietenden Feministinnen überhaupt links sein kann, müsste man mir noch mal erklären.
    Und unterdrückt nicht auch die christliche (insbesondere die katholische) Kirche die Frauen? Dürfen ja beispielsweise nicht Priester oder Papst werden?! Warum also keine Gesetzesinitiative gegen Kirchtürme?
    Wie sind Türme welcher Art auch immer überhaupt an der Unterdrückung der Frau beteiligt?
    Das alles – von der Volksabstimmung selbst bis zu Koenigs Erläuterungen im Blog – ist so vollkommen ohne erkennbare Logik, dass man sich fragen muss, ob da nicht reihenweise Leute einfach mal eben den Verstand verloren haben.

    P.S: Mein Senf zu dem ganzen Schwachsinn findet sich hier: http://www.impactsuspect.de/2009/12/03/schweizer-basisdemokratie-verbietet-minarettbau/

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