formspring.me oder: Was ihr mich schon immer fragen wolltet, aber euch nie zu fragen gewagt habt

Es gibt Anwendungen, deren Sinn erschließt sich einem nicht sofort. Standardbeispiel für ein solches Programm ist Twitter. Dort hat anfangs fast niemand verstanden, wozu genau das jetzt eigentlich gut sein soll. Bis heute versteht ein großer Teil der Nichtnutzer nicht, worin der Sinn liegt. Eigentlich veröffentlicht man bei Twitter nur kurze Statusupdates zur Frage: Was machst du gerade? Eigentlich. Denn wie bei vielen Anwendungen machen die Nutzer sie erst zu dem, was sie am Ende dann tatsächlich leisten. Die User sorgen für Content und bieten damit anderen Usern einen Mehrwert, den das Programm von sich aus nicht bieten konnte und wollte. So lässt sich Twitter als eine Art Chat nutzen oder als Linksammlung oder als Plattform für Wahlkampf oder Werbung. Alles hängt allein von der Kreativität seiner Nutzer ab.

Auf formspring.me trifft, mit kleinen Abstrichen, dasselbe zu. Die Idee hinter formspring ist so simpel wie nur irgendwie vorstellbar: Man erstellt ein Profil und bekommt, anonym oder von anderen formspring- Usern beliebige Fragen gestellt, von absolut sinnlos bis philosophisch. Die Qualität der Fragen hängt hierbei natürlich von den Fragenden ab. Fragen können beantwortet werden, sie müssen nicht. Antworten lassen sich jederzeit löschen. Analog zu Twitter kann man bestimmten Nutzern folgen, ihre Antworten tauchen dann in der eigenen Timeline auf. Ist bisher eher unnütz, wer will sich schon durch eine Timeline voller beantworteter Fragen eher fremder Menschen klicken? Zum bei Bedarf nachlesen ist das aber trotzdem nett.

So sieht die Timeline aus (einfach Bild anklicken zum Vergrößern):

Nutze formspring jetzt seit etwa einer Woche und noch wird es mir nicht langweilig. Viel los ist aber auch nicht gerade und die mir gestellten Fragen sind eher persönlicher Natur. Immerhin krieg ich nicht ausschließlich Fragen zu meinen sexuellen Neigungen gestellt. Das war bei anderen Nutzern durchaus der Fall und hat auch schon dazu geführt, dass sich User abgemeldet haben. Andere gehen mit Fragen nach ihren sexuellen Präferenzen ganz lässig um und beantworten ohne mit der Wimper zu zucken noch die intimsten Fragen. Nach einem kurzen Hype etwa Mitte letzter Woche hat sich die formspring- Manie bei Twitter wieder merklich abgekühlt. Bin mal gespannt, wie lange ich es interessant finden werde und ob und wann ich mich wieder abwende.

Mein formspring.me- Account: Ti Leo. Stellt mir ruhig Fragen, die euch unter den Nägeln brennen. Ich verabschiede mich vorerst in die Weihnachtsferien. Wünsche euch eine besinnliche Zeit. Ti

Update: Grad bei live.hackr eine tolle Analyse des Phänomens formspring und seiner Chancen und (potentiellen) Probleme gefunden. Viel besser und informativer als meine kurze Vorstellung hier: Lesen!

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