Weihnachten bei Ti_Leo- Dragon Age Origins und die Wii

Zu Weihnachten tolle Geschenke bekommen, die mich von allerlei Vernünftigem abhalten. Zwei sind darin besonders gut.

Zuerst wäre da die Wii, jene unterhaltsame Spielkonsole mit bewegungssensitivem Controller. Bin eigentlich reiner PC- Nutzer, aber ab und an reizt mich auch mal eine Konsole. Als Jugendlicher, naja, eher als Kind, war ich stolzer Besitzer eines Sega Mega Drive II, nun nenne ich also eine Wii mein eigen und übe mich in Tennis, Boxen, Baseball, Bowlen und Golfen.

Außerdem hat meine liebste (liebste!) Freundin mir Dragon Age Origins geschenkt. Dieses Rollenspiel wird in einigen Reviews (siehe Gamestar) zum langerwarteten (inoffiziellen) Nachfolger der legendären Baldurs Gate- Reihe und quasi unisono zum „Rollenspiel des Jahres 2009“ ernannt. Das sind natürlich große Schuhe, in die es da passen soll.

Groß ist übrigens auch der Speicherbedarf dieses Monsters: Ganze 20 Gigabyte musste ich vor der Installation auf meiner Festplatte frei räumen. Ansonsten halten sich die Systemanforderungen aber sehr in Grenzen, wobei die Grafik zugegebenermaßen auch kein Highlight ist. Die Texturen und die Anzahl der Polygone bei der Landschaftsgrafik sind nicht zeitgemäß. Aber was soll´s- wir reden hier von einem Rollenspiel wie früher, nicht so ´nem Mainstream- Blender! Dragon Age Origins läuft, genügend RAM (mindestens 2 GB) und einen Quadcore- Prozessor vorausgesetzt, auch auf älteren Rechnern mit leicht veralteten Grafikkarten ( ab Geforce 8800GT etwa) ruckelfrei.

Nach über einer Stunde Installation, bei der ich mich an frühere Zeiten und Wing Commander (damals stundenlang von Diskette installiert) sowie Baldurs Gate (6 CDs+ Legenden der Schwertküste!) zurück erinnerte, war es dann fast soweit. Noch kurz Patchen, das ist heutzutage ja bei nahezu jedem Rollenspiel notwendig, mittlerweile offensichtlich auch bei denen von Bioware, dann startete ich das erste Mal.

Das Intro ist Rollenspielern so oder ähnlich bestimmt bekannt. Mithilfe von Zeichnungen auf einem Pergament sowie einer Stimme aus dem Off werden wichtige Eckpunkte der Geschichte der Welt zusammengefasst. Soweit so unspektakulär, da bekannt. Aber das sei Dragon Age Origin verziehen. Dass es das Rad nicht neuerfinden, sondern im Gegenteil fast ein Remake von Baldurs Gate sein würde, war vor Erscheinen bereits klar. Genauso sieht das Intro aus- wie das von Baldurs Gate. Und ehrlich- ich will lieber ein neues Baldurs Gate als ein innovatives, aber anderes Dragon Age.

Was ich bisher (nach zwei Tagen Spielzeit) sagen kann: Ja, es spielt sich sehr wie Baldurs Gate. Taktische Kämpfe, in denen man desöfteren mal die Pausetaste drückt, eine Party mit mehr oder weniger sympathischen, stets aber interessanten Mitgliedern, eine Weltkarte, auf der man sich allerdings nicht frei bewegen kann, düstere Geheimnisse, eine spannende Geschichte, Charakterentwicklung zwar nicht mehr nach den AD&D- Regeln, aber doch sehr nahe daran angelehnt- das Baldurs Gate- Gefühl ist da. (Anders als beim ähnlich angelegten und von mir heiß erwarteten Drakensang. Dieses spielt sich für meinen Geschmack einfach zu gemächlich, irgendwie sprang der Funke nicht über.) In der isometrischen Perspektive sieht Dragon Age dem alten Baldurs Gate erstaunlich ähnlich. Unterschiede fallen mir spontan wirklich fast keine ein. Klar: Andere Spielwelt, andere Begleiter. Aber andere Namen machn noch kein anderes Gefühl. Die Dragon Age- Welt versprüht Baldurs Gate- Flair und mir ist völlig egal, ob das Land nun Ferelden oder Schwertküste heißt.

Ein paar Worte noch zur Gewaltdarstellung. Dragon Age ist brutal. Nach einem Schwertkampf stehen die Gefährten blutüberströmt auf dem Schlachtfeld. Ab und an wird einem Gegner schon mal der Kopf abgeschlagen. Das Setting an sich ist ein raues, es ähnelt dem von The Witcher in Sachen Düsternis. Gewalt ist in Ferelden ein legitimes Mittel um Probleme zu lösen. Dragon Age gehört eindeutig nicht in Kinderhände (das hat es mit Fallout 3 gemein). Für Erwachsene ist diese kompromisslose Härte aber erfrischend. Wenn einen die Blutsprenkler auf Gesicht und Rüstung doch einmal nerven, empfehle ich den Hund zum Reinigen ;) oder gleich das Deaktivieren via Optionen.

Ganz modern kann man bei Dragon Age Origins nach und nach Erfolge (Achievements) freischalten. Die gibts für alles mögliche. Das erste erfolgreich geknackte Schloss beispielsweise. Oder 100 Kills. Oder 5 schwierige Überzeugungen in Gesprächen. Und und und. Insgesamt weit über 100.

Ehrlicherweise ist Dragon Age Origins bei der Erzählung der Geschichte und den Charakteren wohl sogar besser. Für mich zählt aber vor Allem: Endlich gibt es ein modernes Baldurs Gate, bei dem sehr sicher mit Fortsetzungen zu rechnen ist (in Form von Download- Content, Addons oder richtiger Fortsetzungen).

Kopierschutz: CD- Abfrage, meines Wissen keine Onlineaktivierung. Für Download- Content muss man sich allerdings bei EA registrieren. Aber das ist ja freiwillig. Stimmt man den (arg seltsamen) AGBs von EA zu, gibts als Belohnung bei der „normalen“ Version von Dragon Age einen Steingolem namens Shale (per Quest freischaltbar), eine Blutdrachen- Rüstung für Dragon Age Origins (und Mass Effect 2!) sowie das kostenlose Mini-Addon „The Stone Prisoner“ (dt. „In Stein gefangen“). Dafür liegen der Packung Codes bei, die nur einmalig verwendet werden können. Ein Weiterverkauf ist also nur ohne diese Gimmicks (und damit schwerer) möglich. Arschig von EA, aber bei denen freut man sich ja fast, dass die Online- Aktivierung nicht notwendig ist. Was Spieler wirklich wollen, haben die ja bis heute nicht recht kapiert.

Die Collectors- Edition bietet zusätzliche Inhalte, da ich diese Version aber nicht besitze, kann ich dazu keine genaueren Aussagen treffen.

Jetzt muss ich aber weiter spielen. Mein Tileo (Elfen-Schurke, als Waldläufer angelegt) muss noch soviel entdecken, sich mit seinen Partymitgliedern anfreunden und (hoffentlich) die ganze Welt retten. Und alles Andere muss warten…

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3 Antworten zu “Weihnachten bei Ti_Leo- Dragon Age Origins und die Wii

  1. Ich glaube, mit Zwergen und anderen Rassen sind keine Romanzen möglich. Nur zwischen Elfen und Menschen.

    Unabhängig davon ist die Interaktion mit und zwischen den Mitstreitern herausragend gelungen und fesselt mich auch noch nach nunmehr einer Woche. Und sobald ich durch bin, werd ich sofort wieder von vorn beginnen. Wiederspielmotivation ist enorm hoch!

    • Wenn man selbst einen Zwerg spielst, dann kann man zumindest auch mit den menschlichen Frauen „romantisch interagieren“. Ob der bisexuelle Elfenassasine dann auch an einem Interesse hätte, weiß ich zwar nicht, aber ich nehm’s mal an.
      Das Spiel macht zumindest in diesem Punkt keinen Unterschied zwischen den verschiedenen spielbaren Spezies.

      Was die Langzeitmotivation angeht, da kann ich nur zustimmen, das haben die echt relativ gut hinbekommen.

  2. Witzig finde ich bei Dragon Age, wie Bioware auf den Skandal reagiert, den die lesbische Alien-Liebesszene bei Mass Effect ausgelöst hat.
    Damals hatten sich doch Christliche Verbände und Gott weiß wer noch alles über das Spiel aufgeregt.

    In Dragon Age gibt es auch nun wieder die bei Bioware gewohnten „Romantik-Optionen“, bei denen man seinen Spielercharakter mit den Mitstreitern anbändeln lassen kann. Insgesamt sind 4 davon im Spiel. Zwei der Mitstreiter sind heterosexuell, zwei sind bisexuell. Jeweils einer von beiden männlich, der andere weiblich, damit für jeden was dabei ist.

    Ich frage mich was christliche Verbände in den USA zu einer schwulen Cut-Szene zwischen Zwerg und Elf in Dragon Age sagen? ^^

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