Piratinnen- Klarmachen zum Gendern!

Im Piratenwiki ist von der Gründung einer Gruppe „Piratinnen- Klarmachen zum Gendern!“ zu lesen. Die Gruppe soll Frauen in der Partei besser vernetzen und schließt Männer explizit aus. Passt natürlich nicht zum eigentlichen piratigen Grundsatz, nachdem Piraten geschlechtsneutral sind (sic!) und sich nicht ums Geschlecht scheren. Den ich so für kritisch halte, Probleme verschwinden nicht, indem man so tut, als wären sie keine mehr, daher befürworte ich die Gründung dieser Gruppe (auch wenn das Ziel der Piraten, sich vom Geschlechterdenken zu lösen, sich ganz klar mit meinem deckt und so eine Gruppe sich unbedingt mit dem Vorwurf auseinandersetzen muss, kontraproduktiv tätig zu sein). Wir leben aber nun mal noch nicht im postfeministischen Paradies und Geschlecht ist leider noch immer ein Thema. Viele Piraten sehen das anders, es wird wohl weiter wild diskutiert werden. Und das ist auf jeden Fall wichtig.

14 Antworten zu “Piratinnen- Klarmachen zum Gendern!

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  2. ich finde es super dass diese diskussion wieder hochkocht, grade auch weil wieder klar wird dass wir piraten eben keine unterschiede zwischen geschlechtern wollen. die konzepte der linken oder der grünen finde ich dahingehend kontraproduktiv weil sie geschlechterunterschiede stärken und mit quotenregelungen dafür sorgen dass das problem nicht sichtbar wird. das gegenteil von gut ist gut gemeint wie so oft. ich glaube tatsächlich dass wir piraten mit gutem beispiel vorangehen wenn wir eben keinen unterschied zwischen geschlechtern machen. was mir aber in dieser ganzen gender diskussion abgeht sind fragen warum sich frauen tendenziell (und vermeintlich) weniger für politik interessieren oder weniger bei gleicher qualifikation verdienen.

    • Lösungen jenseits von Quoten sind absolut angebracht. Quoten sind eine Krücke, sollten ja auch nie mehr sein. Weiterdenken ist ganz sicher zeitgemäß. Geschlecht dekonstruieren. Dass es Piraten gibt, die diesbezüglich ähnlich denken, weiß ich. :-) Leider gibt es viele, die so tun, als wären die Probleme schon gelöst und Geschlecht wäre irrelevant, nur weil sie als Einzelpersonen (meinen) darüber (zu) stehen.

      Die wichtigen Fragen müssen erst noch gestellt werden. DASS eine Genderdebatte innerhalb der Partei und damit einhergehend auch eine Festlegung auf eine gewisse Richtung noch entgültig geführt werden muss, ist wahrscheinlich auch klar. (auch wenn die Pro-Freiheit und Anti- Diskriminierung- Grundlage aus meiner Sicht nur die Möglichkeit lässt, aktiv gegen Geschlechterstereotype vorzugehen)

    • Ti_Leos Hinweis hat mE durchaus Hand und Fuß (und wird nur leider von vielen Piraten übersehen): Die Genderdiskussion ist vielleicht nicht unbedingt für die PP an sich notwendig, immerhin scheint es eine weitgehende Indifferenz gegenüber den Geschlechtern zu geben; allerdings spiegelt die PP damit nicht die Realität in der Gesellschaft wider, weshalb sie sich aus meiner Sicht dieser Diskussion stellen sollte.

      Mir ist am Wochenende aber ein anderes Gegenargument begegnet, das ich nicht so ganz von der Hand weisen kann: Die PP hat doch kaum Kompetenz in Geschlechterfragen. Bisher hat sie sich aber gerade durch ihre hohe Sachkompetenz vom übrigen Parteienspektrum abgehoben. Ich weiss nicht, ob diese thematische Erweiterung der Partei gut tut, vor allem, weil sie sich in der Vergangenheit immer dann angreifbar gemacht hat, wenn sie thematisches Neuland betreten hat – was sicher auch an der politischen Naivität vieler Piraten liegt.

  3. Ich habe meine Zweifel daran, dass diesem Projekt allzu viel Erfolg beschieden sein wird. Zwar mag die Gründung einer solchen Gruppe die Sensibilität für Geschlechterfragen steigern, andererseits fürchte ich wird dieser Effekt durch den Ausschluss der männlichen Piraten wieder minimiert. Im Ergebnis wird die Gruppe dann als Feigenblatt für die Öffentlichkeit („Was wollt ihr denn, wir haben doch die Gender-Piratinnen!“) und für die Piraten selbst („Mit Geschlechterfragen brauchen wir uns nicht beschäftigen, das machen schon unsere Gender-Piratinnen.“) fungieren.

    • Das Risiko besteht, ja. Vorerst wurde die Debatte wieder angeregt, das ist positiv zu werten. Wo sie hinführt ist unklar.

      • Gerade was die Debatte angeht, habe ich Bedenken. Mir scheint eher, dass da ein paar Piratinnen ein wenig herumgendern wollten und bei den männlichen Crewmitgliedern (oder wie das auch immer heissen mag) sofort der Beissreflex eingesetzt hat – was irgendwie gegen das Selbstbild der Piraten als „geschlechtsneutrale“ Veranstaltung spricht. Ich glaube die PP ist gerade aufgrund ihrer Jugend, ihrer Nähe zu Netz und Netzkultur und der damit verbundenen Erfahrung mit geschlechtlicher Anonymität die Partei mit dem vielleicht größten Potential, zur Geschlechtergerechtigkeit beizutragen. Diese Chance verbauen sich die Piratinnen aber durch den Ausschluss der Männer, der ihre Popularität in der PP nicht gerade zu steigern scheint. Eine echte Debatte kann doch so überhaupt nicht stattfinden.

        (A propos, ich weiss nicht ob Du Pirat bist, aber: wozu braucht es dieses Netzwerk eigentlich, wenn es doch schon die AGs „Gender“ und „Frauen“ gibt?)

        • Kann ich absolut nachvollziehen, zumal sich momentan deutlich mehr Gegner als Befürworter der Gruppe finden. Nichtsdestotrotz unterstütze ich die Gruppe, da die Genderdebatte meiner Wahrnehmung nach etwas eingeschlafen war und ich außerdem verstehen kann, dass Frauen auch im virtuellen Bereich Raum brauchen, ohne Männer. Allen Piraten, die sich davon diskriminiert fühlen, empfehle ich die Gründung eines reinen Männerbundes. Das ist völlig legitim, macht nur aufgrund der Parteistruktur keinen Sinn.

          Allerdings wurde wohl eine nicht abgesegnete Pressemitteilung rausgegeben usw., es gibt also durchaus kritikwürdige Punkte. Ich finde auch, unabhängig davon, dass ich die Gruppe unterstützenswert finde, dass man ihr einige Dinge zurecht vorwerfen kann. Insofern bin ich ganz bei dir und weiß nicht, ob ich die Gründungsidee unterstützt hätte. Da die Gruppe aber nun besteht und sehr viel Gegenwind bekommt und prinzipiell legitim ist, unterstütze ich sie.

          Ich bin kein Pirat, sympathisiere aber mit ihnen und traue ihnen einiges zu, da sind wir einer Meinung. Nur fürchte ich, dass sie sich früher oder später doch im klassischen Politikspektrum verorten müssen. Bereichernd sind sie jetzt schon.

  4. Ich weiß nicht… Leute pauschal „auszusperren“, und das bei einer Partei, die ja für Transparenz stehen will, halte ich jetzt für nicht so glaubwürdig.
    Und „geheime“ Mailinglisten mögen bei einigen – gerade in der Partei – vielleicht sogar einen konspirativen Eindruck erwecken – und das dann auch noch, wo sich wahrscheinlich eh kaum ein Mann für das interessiert, was da hin- und hergeschickt wird, und schon gar keiner, der Feminismus sowieso für Quatsch hält.
    Auch wenn wir noch nicht im postfeministischen Paradies leben, muss man das besser handhaben können. „Piratinnen only“ provoziert Kontroversen.

    • Ich denke, ein Grund für die Gründung der Gruppe ist die kategorische Weigerung vieler Männer in der Partei über Frauenfragen überhaupt zu diskutieren. Wären sie dort etwas offener gewesen, hätte sich dieses Gefühl, Vernetzung zu brauchen, vielleicht nicht so vertieft. Selbiges gilt für die Auseinandersetzung mit Gender generell . Es lässt sich ja nicht dekonstruieren, ohne sich mit etwas zu beschäftigen.

      Dass das Konzept der Gruppe, grad als Gruppe innerhalb der Piratenpartei, durchaus kritikwürdig ist, habe ich ja auch schon kurz angemerkt. Andererseits haben die Piraten sowas eben provoziert, indem sie immer sagten: Wir haben nichts gegen Frauen. Geschlecht interessiert uns nicht. Wenn Frauen diesbezüglich Politik machen wollen, sollen sie eintreten und sich engagieren. Das passiert nun und ein paar Frauen in der PP machen ihr eigenes Ding, an der eigentlichen Parteivorgabe vorbei. Ob die Gruppe auf Dauer relevant bleibt und Zulauf bekommt, wird sich zeigen. WENN das der Fall ist, sehe ich sie allein dadurch als gerechtfertigt an. Dann gibt es offensichtlich auch in der PP Gesprächsbedarf. Genauso gut kann die Gruppe aber auch einfach „versumpfen“ und als Kuriosität ohne jegliche Bedeutung enden.

      Die Piraten stehen oft in der Kritik, weil sie inkonsequent handeln (Ablehnung von Frauenforderung, aber viele Mitglieder sind sich der Probleme von Männern sehr bewusst und engagieren sich diesbezüglich). Es bleibt auf jeden Fall spannend, wie sich das entwickeln wird.

      Eigentlich müsste die Piratenpartei genderkritisch sein/werden und sie ist meiner Meinung nach wie keine andere Partei dazu geeignet, auf lange Sicht an der Dekonstruktion von Geschlechterrollen mitzuwirken (durch ihre Betonung des „rationalen“). Wenn sie sich nicht noch viel länger im alten männlich vs. weiblich- Dualismus verrennt. Selbiges gilt für die grundsätzliche Verortung in dem in Deutschland vorherrschenden Politiksystem. Da will die Partei sich nirgendwo einordnen, dabei wird aber ignoriert, dass ihre Mitglieder zum absolut überwiegenden Teil nunmal links- libertär sind. Insofern ist natürlich auch die Partei eigentlich zutiefst links- libertär.

      All das post-irgendwas-Denken ist durchaus löblich, aber aus meiner Sicht eben (noch) nicht erreicht und damit einfach unwahr.

      • Also ich ganz ehrlich sagen, dass ich recht schockiert war das ganze gestern mitzubekommen. Das vor allem weil ich den Wiki-Eintrag als einen sehr solidarischen empfunden hatte, da der Eintrag klar darauf hinwies, dass es nicht darum geht die Piraten als Frauenfeindlich abzustempeln und nur gegen die Piraten zu arbeiten, sondern dass es um eine Erweiterung der Politikperspektive geht.
        Wenn es Gruppen gibt, die ein Anliegen haben (oder möglicherweise eines formulieren wollen), dann gibt es Möglichkeiten damit umzugehen. Gerade von der PP hätte ich erwartet, dass sie aus ihrem freiheitlichem Selbstverständnis heraus die Möglichkeit für Freiräume eröffnet. Dass dann aber in „guter alter“ Vereinsmanier (und Vereine und deren Vorstände eben auch als Ort männlicher Praktiken) einfach mit dem Kommentar „Verstößt gegen die Satzung“ die Seite gelöscht wird ist ein Zeichen, dass kein Interesse (des Löschenden) an der Auseinandersetzung mit möglichen parteiinternen Problemen besteht. Das spricht nicht für eine sonderlich offene Parteikultur.
        Damit verbunden macht es den Anschein, als gäbe es doch einen (ich kann nicht abschätzen wie großen) Normierungsdruck, was das Thema Geschlecht angeht; wäre interessant zu sehen in wie weit sich das auch in Bereichen „race“ und „class“ widerspiegelt.

        Ich würde der PP zwar auch nicht vorwerfen offen frauenfeindlich zu sein, aber für mich (als AußenstehendeR) macht es den Anschein, als gäbe es nicht wenige offen Antifeministische PiratInnEn und einen sehr (heteronormativen) androzentrischen Blickwinkel auf die Welt. Wie blind diese Sichtweise auch für Ausbeutung und Rassismus ist kann ich nicht beurteilen. Und das ist der Punkt an dem ich nicht sagen kann, dass das einfach nur eine bisher nicht gefüllte programmatische Lücke ist, sondern ein Politikverständnis, was mich in Opposition zur PP bringt, auch wenn ich die netzpolitischen, freiheitlichen Einstellungen meist teile.

        Was die Einrichtung der ML und deren „Exklusivität“ angeht frage ich mich warum es in der PP nicht so viel Möglichkeit zum Aushalten von Widersprüchen gibt, wie es sie in anderen Parteien gibt, von denen sich die PP abheben wollte. So schafft es sogar die CDU den Widerspruch zwischen mehrheitlicher Auffassung zu Sexualität und Moral und einer eigenen Gruppe von Homosexuellen in der eigenen Partei auszuhalten. Ich stelle mal in den Raum, dass das bisher nicht mögliche ist, dass das an dem vorherrschenden konventionalistischem Normierungsdruck liegt.

        • Was, gelöscht hat man die Gruppe wieder? Nee, ne? Die ist doch noch da, oder?

          • Wieder. Ein Hansel hat gelöscht, ein anderer wiederhergestellt, dann wurde ne Löschdiskussion gestartet, in der schnell klar wurde, dass das unsinnig ist. Dafür kam dieses „keine offizielle Parteimeinung dazu. So hab ich das aus dem Diskussionsverlauf zumindest rückgeschlossen.

  5. Ach, gibts die Piratenpartei immer noch?

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