Ein Monat Musik- Tag 12 (A song from a band you hate)

Weiter gehts, Tag Nummero 12. Heute wird also ein Song von einer Band gesucht, die ich hasse. Hass ist so ein schweres Wort. Hass bezeichnet ein Gefühl, dass in meinem Leben keinerlei Relevanz hat, schon gar nicht in Bezug auf ein Thema wie Musik. Ich hasse keine Band. Ich höre bestimmte Bands nicht, manche nerven, aber das war es auch.

Ich werde den heutigen Text also eher theoretisch gestalten und über ein Thema reden, welches aus meiner Sicht durchaus zur Überschrift passt, aber ich werde keinen Song heraus greifen und mich nicht auf eine Band im Speziellen beziehen, sondern auf eine Musikrichtung.

Lasst uns also über Black Metal reden, eine Musikrichtung, die es dem Hörer teils aus mehreren Gründen schwer macht, sie zu mögen.

Da wäre zuerst einmal die Musik, die nicht jedermanns Geschmack ist. Falls man diese Art Musik aber mag, ergibt sich ein bedeutenderes Problem: Die Ansichten der Musiker sind teils unter aller Sau. Antisemitisch, rassistisch, menschenverachtend.

Bekanntestes Beispiel für ein solches Problem ist sicher Varg Vikernes („Count Grishnackh“), der unter dem Namen Burzum (großteils rein instrumentale) Musik macht und privat tierisch einen an der Klatsche hat. So richtig (Mord, Brandstiftung, Antisemitismus, Waffenbesitz). Man kann darüber streiten, wie gut die Musik ist, einflussreich war und ist sie allemal. Viele BM- Bands geben Burzum als einen gewichtigen Einfluss an.

Ähnlich verhält es sich mit der rechtsextremen Band Absurd, auch wenn die wohl niemand vorrangig aufgrund ihrer musikalischen Fähigkeiten hört. So gibt es das Problem in weniger starker Ausprägung auch bei einer Menge anderer Bands des Genres, ob es sich dabei nun um rassistische Äußerungen in Texten oder Interviews oder die Verherrlichung des Nationalsozialismus und seiner Symbolik handelt.

Warum das ausgerechnet im Black Metal so ein Problem ist, muss, denke ich, nicht lang und breit erklärt werden. Die Faszination, die menschenverachtendes Denken auf  sehr nihilistisch oder misanthropisch eingestellte Menschen ausüben kann, ist nachvollziehbar, wenn auch nicht unbedingt verständlich.

Für mich ist Beschäftigung mit dem Thema, auch auf kontroverse Weise, nicht per se ein  Problem. Ein gewisses Niveau macht es mir selbstverständlich leichter, bestimmte Dinge als intellektuelle und legitime Auseinandersetzung zu akzeptieren. Es gibt eine fließende Grenze, ohne klare Markierung, ab der ich so abgestoßen werde, dass ich die Musik nicht höre. Die verläuft aber von Band zu Band ganz verschieden.

Ein gutes Gefühl habe ich als Konsument dabei aber nicht. Zu verschieden sind die Meinungen von meiner, zu simpel oft die Gedankengänge. Ich rede hier übrigens nicht von der Untergruppe des nationalsozialistischem Black Metal (NSBM), der ist nun wirklich immer doof und die Beschäftigung lohnt sich aus meiner Sicht in keinem Fall.

Darf man die Musik eines Musikers hören, der offensichtlich Ansichten vertritt, die menschenverachtend sind? Ist die Frage, ob man das darf, schon falsch gestellt? Vielleicht. Ich tue mich mit einer Antwort schwer. Kann ein instrumentelles Stück die Menschenverachtung seines Komponisten transportieren? Sind seltsame Gedanken eines einzelnen Bandmitglieds, sagen wir mal des Schlagzeugers, ein Grund, eine Band komplett zu boykottieren? Steigert man durch seine Beschäftigung mit dem Künstler nicht vielleichtdessen Umsätze? Braucht eine Kultur vielleicht sogar solche Ansichten, um sich an ihnen zu reiben und sich immer wieder neu abzugrenzen und damit gleichzeitig zu definieren?

Ich habe für mich noch keine Antwort gefunden, die mich zufrieden stellt. Ich höre ab und an gern mal Black Metal. Ich informiere mich bei mir unbekannten Bands über ihre bisherigen Äußerungen, um zu vermeiden, dass ich unwissentlich Bands höre, die ich nicht unterstützen möchte. Ich bevorzuge Bands, die etwas aus meiner Sicht Schlaues und Konstruktives zu sagen haben. Ich entscheide mich teils aber wissentlich dafür, trotzdem Bands zu hören, die ich weltanschaulich zutiefst verabscheue. Da hilft es, dass die Texte sowieso meist unverständlich sind, aber es kann keine Ausrede sein. Wenn die Musik gut ist, kann ich ausblenden, dass dahinter eine Message steht, die ich zutiefst ablehne, aber etwas zu können heißt nicht, dass es auch richtig ist, es zu tun. Ist mein Wunsch, die Musik zu hören, ein legitimer  Grund für diese Ignoranz? Es bleibt dabei: Ich weiß es nicht.

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