Ein Monat Musik- Tag 19 (A song from your favorite Album) + Ein Monat Musik- Tag 20 (A song that you listen to when you´re angry)

Aufholjagd. Momentan hänge ich etwas hinterher. Also improvisier ich und stelle euch einen Song von einem meiner Lieblingsalben vor, den ich höre, wenn ich wütend bin.

Es gibt nur wenige Alben, die mir insgesamt gefallen, die voller guter Songs sind. Meistens gefallen mir nur ein paar Lieder, der Rest ist nicht herausragend.

Das erste Album, welches es schaffte, durchgängig zu unterhalten war Jagged Little Pill von Alanis Morissette. At the Drive- InRelationship of Command habe ich mir mittlerweile schon drei mal gekauft, wann immer die CD wieder zu sehr gelitten hatte. Aber Alanis und AtDI habe ich bereits empfohlen, deshalb soll es heute um ein anderes Album gehen. Dieses Album habe ich lediglich einmal erstanden und es unterhält nicht einfach so. Es fordert dem Hörer etwas ab.  So hat es mich gefesselt und erst meinen musikalischen Horizont erweitert, um sich dann tief in meinem Kopf einzunisten.

Ich rede vom Album Her von welken Nächten der österreichischem Band Dornenreich. Dornenreich lassen sich schwerlich einem Musikstil zuordnen. Sie begannen mit recht klassischem Black Metal [Nicht um zu sterben, Mein Flügelschlag (Demo)], entwickelten sich aber schnell weiter, so dass „Her von welken Nächten“, das dritte Album, schon zwanglos avantgardistischen Black- Metal mit (Neo-) Folkelementen mischt. Spätere Alben entfernen sich immer weiter vom Metal, Instrumentierung und Texte werden mehr und mehr zurück gefahren.

Innerhalb der Veröffentlichungen von Dornenreich nimmt „Her von welken Nächten“ eine Sonderstellung ein. Es ist das Bindeglied zwischen zwei Phasen. Von seinen vorangegangenen, schwarzmetallischeren Alben hat es die Härte und den aggressiven Ausdruck von Gefühlen geerbt. Die weiteren Alben sind in allen Belangen ruhiger, ohne dabei weniger gefühlvoll zu wirken. Statt E- Gitarren werden vorrangig Akustikgitarren verwendet, der kreischende, keifende, leidende Gesang weicht einer in sich ruhenden, mystischen Naturverbundenheit, die sich nur noch sehr selten in einem Schrei oder Stöhnen äußert.

Was macht dieses Album für mich nun so gut? Es ist das schiere Können der Band. Dornenreich bieten hochspannenden progressiven Black Metal mit häufigen Tempowechseln, laut unde leise Passagen wechseln sich unvorhersehbar ab. Die schnelleren, aggressiveren Teile überforderten mich damals noch, sie erschienen mir teils wirr, waren aber wohl nur verwirrend, zumindest kann ich meine anfänglichen Probleme mit dem Sound der Band heute nicht mehr nachvollziehen.

Die poetischen Texte erschließen sich einem nicht beim ersten Hören, aber man kann sich mit ihnen wunderbar beschäftigen. Ihre Interpretationsoffenheit wirkt nicht beliebig. Wer sich die Mühe macht, findet immer wieder neue, erhellende Möglichkeiten der Deutung, zumal wenn man dabei das ambitionierte Konzept beachtet. „Her von welken Nächten“ handelt von großen Themen: Menschwerdung, Bewusstsein, Identität, kurz: vom Mensch sein. Da die Texte teils aus Dialogen bestehen, was aus dem Gesang aber nicht hervorgeht, und da sie nicht immer klar verständlich artikuliert werden, nimmt man dazu am besten das Booklet zur Hand, welches alle Texte sowie ein paar schöne Fotos enthält. Dabei werden dem Hörer die typischen Wiederholungen bestimmter Songteile, die sich nicht an das Konzept Strophe- Refrain- Strophe halten, auffallen. Diese repetetiven Elemente werden auf späteren Alben stärker betont, so bestehen einzelne Songs dann nur noch aus wenigen Zeilen Text.

Kurz: Mit „Her von welken Nächten“ haben Dornenreich ein herausragendes Werk geschaffen. Einen Song herauszupicken macht kaum Sinn, weil alle gut sind. Allerdings höre ich, wenn ich wütend bin, bevorzugt „Trauerbrandung“. Da kann man sich schön rein steigern und mitnehmen lassen. Und Mitgröhlen. Lyrics findet ihr, wie üblich, wenn ihr das Video direkt bei Youtube anseht.

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