Justice League #1 Review: Ein Neustart mit Hindernissen

Mit Justice League #1 beginnt eine neue Ära in der DC-Comics-Geschichte. Ab 31. August macht DC einen radikalen Schnitt und setzt alle seine Comics auf Anfang zurück. Im Laufe des Septembers erscheinen 52 mehr oder weniger bekannte Titel aus dem DC-Universum mit zurückgesetztem Zähler. Darunter so bekannte (und langlebige) Reihen wie Batman, Superman oder Action Comics. Eine komplette Auflistung findet ihr hier. Ausgewählte Neustarts werde ich hier im Blog besprechen. Los geht’s mit Justice League #1.

Vorab noch eine Anmerkung: Ich lese eigentlich keine Superhelden-Comics. Ich kenne mich mit Superhelden-Comics nicht aus. Ich kenne selbstverständlich ein paar der bekannteren Helden wie Batman oder Superman, andere, wie Green Lantern, sind mir aber völlig unbekannt. Mein Blick auf die Neuerscheinungen ist also der eines Newbies. Da DC mit den Neustarts aber gerade unbedarfte Leser ansprechen möchte, die Hemmungen haben, in schon lange laufende Reihen einzusteigen, ist das vielleicht eine spannende Perspektive. Achtung, falls ihr die Comics noch nicht gelesen habt: Im folgenden Text sind einige Spoiler enthalten!

Seit heute halte ich Justice League #1 (geschrieben von Geoff Johns, gezeichnet von Jim Lee) in der Hand und ich habe es natürlich gleich gelesen.
Justice League #1 Cover
Cover: Das Cover ist nett, aber kein Highlight. Eine Gruppe Superhelden läuft oder fliegt auf den Betrachter zu. Empfinde ich als eher zweckmäßig, ein „Wow!“ entlockt es mir nicht. Zumal in Heft 1 gerade einmal die Hälfte der dort dargestellten Superhelden einen Auftritt haben.

Plot: Den Anfang der Geschichte kannte ich bereits, der kursierte als Preview schon seit ein paar Wochen. Fünf Jahre in der Vergangenheit („5 Years Ago“) jagt Batman ein ominöses Alien über den Dächern von Gotham City und wird dabei von (Militär?-) Hubschraubern beobachtet. Superhelden (oder Super-Humans) sind offenbar noch kein normaler und akzeptierter Bestandteil dieser Welt, weswegen die Hubschrauber das Feuer sowohl auf das Alien als auch auf Batman eröffnen. Offenbar gelten beide als Bedrohung der öffentlichen Sicherheit. Als Batman am Boden liegt, erscheint plötzlich Green Lantern aus dem Nichts und greift in das Geschehen ein. Er schleudert ein geisterhaft grünes Feuerwehrauto (!) auf das Alien. Gegen die Schüsse aus den Hubschraubern materialisiert er Figuren in Kampf- oder Weltraumanzügen, deren Schilde ihn und Batman gegen Schüsse aus den Kampfhubschraubern schützen.

Während die beiden sich unterhalten hat sich das Monster aufgerappelt und schießt die Hubschrauber ab, auch das stellt kein Problem für Green Lantern da. Er erschafft flugs ein paar fledermaus-ähnliche Schemen aus dem Nichts, die die Hubschrauber vor dem Absturz bewahren. Das Alien ( ein „Transformer“?) kann allerdings entfliehen und Batman und Green Lantern nehmen die Verfolgung auf. Green Lantern eröffnet Batman, dass er sich in Gotham aufhalte, weil die Anwesenheit einer unbekannten außerirdischen Macht ihn alarmiert hätte. Batman ist not amused, schließlich ist Gotham seine Stadt. Beide stellen schließlich das Monster, doch bevor dieses sich selbst zerstört, kann es noch einen seltsamen Würfel im Untergrund Gothams platzieren, den nicht einmal Green Lanterns Ring identifizieren kann. Da er aber offensichtlich außerirdischen Ursprungs ist, begeben die beiden sich auf dem Weg zu einem anderen Außerirdischen auf der Erde – Superman.

Die Handlung schwenkt um nach Metropolis. Wir sehen zuerst ein Footballspiel, bei dem ein Spieler besonders heraus ragt: Vic Stone. Der hat offensichtlich eine glänzende Karierre als Footballstar vor sich, dafür aber Probleme mit seinem Vater, der sich nicht für ihn zu interessieren scheint, und lieber „Super-Humans“ erforscht. Das Zusatzmaterial am Ende des Heftes (und das Cover) zeigen, dass er einmal „Cyborg“ wird, aber wie, das ist unklar. In Justice League #1 gibt es dazu keine Andeutung.

Batman und Green Lantern erreichen in einem grünlich wabernden Jet den Aufenthaltsort von Superman, der offenbar in einen Kampf verwickelt ist oder war. Dieser ist nicht erfreut, die beiden zu treffen und zeigt Green Lantern seine Grenzen auf. Cliffhanger. Next: Batman vs. Superman.

Review: Was erwartet den unbedarfte Leser nun in Justice League #1? Funktioniert es als Einstiegspunkt in das DC-Universum? Batman als Hauptfigur zu wählen ist eindeutig eine gelungene Strategie. Dank der Filme kennt den wohl so gut wie jeder. Green Lantern kennen sicherlich weniger Menschen, ich kenne ihn beispielsweise nicht, aber auch die Wahl ist verständlich. Immerhin gibt es einen Kinofilm, den man gesehen haben könnte (auch wenn er wohl recht grottig ist). Mit Superman tritt schließlich ein dritter, bekannter DC- Recke in Erscheinung. DC ist hier offenbar auf Nummer sicher gegangen und nutzt ausschließlich etablierte Helden, um den Leser durch Heft 1 zu führen. Finde ich ein bisschen schade, statt aller bekannten Helden hätte man durchaus auch ein oder zwei weniger berühmte Helden vorstellen können. Aber es ist, wie es ist.

Gut gelungen ist die Charakterzeichnung. Supermans Auftritt ist cool. Batman ist mürrisch und hart, so wie ich mir Batman vorstelle und wie man ihn aus den Filmen kennt. Green Lantern wirkt irgendwie fremd in Gotham (oder sogar auf der Erde?) und scheint die Gepflogenheiten nicht gut zu kennen. Er bildet sich viel auf seine Superkräfte ein, die ihm ein magischer Ring verleiht und tritt entsprechend großspurig auf. Batman nimmt er nicht recht ernst, denn dieser besitzt bekanntermaßen keinerlei Superkräfte. Ehe er sich versieht, klaut Batman ihm seinen Ring und weist ihn so erstmals in die Schranken. In der Begegnung mit Superman erfährt Green Lantern gleich nochmal, dass er nicht allmächtig ist. Seine Großspurigkeit wird sich also nicht lang aufrecht erhalten lassen, hier besteht viel Potential für eine spannende Charakterentwicklung. Mal schauen, ob es genutzt wird.

Ebefalls gelungen ist die Gegenüberstellung verschiedener Superheldentypen. Batman als „selfmade“-Held, Green Lantern, der aufgrund eines speziellen Gegenstands Superkräfte besitzt und Superman als Archetyp des Superhelden von Geburt an.

Visuell ist Justice League gutes Mittelmaß. Es ist ordentlich was los, es kracht und scheppert, in den Panels ist viel Bewegung. Alles ist schön bunt. Ich find die Schraffuren jetzt nicht so geil, aber das ist Geschmackssache. Manches ist aber eindeutig seltsam. Während des Kampfes mit dem Alien zu Beginn hängt Batman beispielsweise waagerecht an einer Hauswand. Unschön.

Die Begegnung mit Superman sowie die Ankündigung eines Kampfes zwischen ihm und Batman als Cliffhanger zu verwenden, finde ich weniger gelungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich zwei „Gute“ ernsthaft bekämpfen, hier wär bestimmt mehr drin gewesen. Meine Neugier ist nicht maximal geweckt. Zumal es, zumindest nach Heft 1, noch keinen übergeordneten Plot gibt, ich habe keine Ahnung, wohin das Ganze führen soll. Auf den Kampf zwischen Batman und Superman freue ich mich nicht, die sind immerhin beide „Sympathiefiguren“. Wie es passt, dass die Handlung „vor fünf Jahren“ spielt, Superhelden aber quasi unbekannt sein sollen, versteh ich auch nicht. Mir ist unklar, in was für einer Zeit das Ganze spielt. Eventuell geben andere oder spätere Hefte hier Auskunft.

Fazit: In Justice League #1 sollte wohl nicht gekleckert, sondern geklotzt werden. Beim Auftakt wollte DC auf Nummer sicher gehen und so hat man seine drei bekanntesten Helden in ein Heft gepackt, aber das Ganze funktioniert nicht ganz. Vor lauter Superman und Batman und Green Lantern (und zugegebenermaßen guter Charakterisierung) wurde versäumt, eine richtig fesselnde Geschichte zu erzählen oder zumindest anzudeuten. Schade, hier wäre mehr drin gewesen. Als Startpunkt funktioniert Justice League #1 ziemlich gut, was aber daran liegt, dass dem Leser nicht wirklich eine Handlung zugemutet wird.

Für weitere Infos rund um die DC New 52 und Comics allgemein empfehle ich euch den Blog des Berliner Comic- und Graphic Novel Ladens Grober Unfug.

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5 Antworten zu “Justice League #1 Review: Ein Neustart mit Hindernissen

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