Dawning – Ein Horrorfilm, der viel der Fantasie überlässt

Gestern habe ich den amerikanischen Horrorthriller „Dawning“ gesehen. Der Film von 2009 wird in der IMDb ziemlich verrissen. Ist er wirklich so schlecht?

Dawning Filmplakat Poster

Regisseur Gregg Holtgrewe wollte offenbar mit kleinem Budget einen gruseligen Film schaffen. Wenig Geld zur Verfügung zu haben, ist nicht zwingend schlecht. Oft macht die Not erfinderisch. So auch im Fall von „Dawning“?

Die Story ist schnell erzählt. Familientreffen in einem abgelegenen Landhaus. Spannungen brechen wieder auf. Plötzlich stürmt ein völlig verstörter und potentiell gefährlicher Unbekannter ins Haus. Die Geschichte bietet noch mehr, aber ich möchte nicht spoilern.

Geschmackssache ist, wie Holtgrewe die Geschichte erzählt, nämlich sehr langsam. Es wird viel geredet, die Konflikte zwischen den Charakteren stehen im Mittelpunkt des Films. Ihrer Reaktion auf Ereignisse gilt Holtgrewes Interesse, nicht den Ereignissen selbst.

Immer wieder werden die schlechten schauspielerischen Leistungen der Darsteller erwähnt. Diesen Punkt kann ich nicht ganz nachvollziehen. Insgesamt schaffen die Schauspieler es, dem Film einen verstörenden Kammerspieltouch zu geben. Das kann an ihrem Unvermögen liegen, für mich funktioniert der Film auf dieser Ebene aber eher wie ein Lynch- oder Shyamalan-Film. Eine gewisse Distanz oder Entfremdung zwischen Zuschauern und Protagonisten trägt zur Verstörung bei.

Kritik ist aber durchaus angebracht. So sind die Familienverhältnisse anfangs tatsächlich verwirrend, man weiß beispielsweise nicht, ob zwei der Protagonisten eigentlich ein Liebespaar oder Geschwister sind. Erst als explizit erwähnt wird, in welchem Verhältnis sie stehen, kann man die beiden einordnen. Das ist natürlich unschön.

Im Film tauchen übersinnliche Elemente auf. Diese werden aber sehr sparsam eingesetzt und machen sich oft nur durch gruselige Geräusche bemerkbar. Die Soundkulisse sowie die Musik von „Dawning“ sind positiv hervorzuheben. Manchmal ist es schwer, zu entscheiden, ob ein bestimmtes Geräusch zum Soundtrack gehört oder nicht. Hier wäre ein sparsamerer Musikeinsatz an bestimmten Stellen wünschenswert gewesen. Ansonsten trägt der Sound aber viel dazu bei, Zuschauer des Films wirklich zu fesseln.

Optisch macht „Dawning“ einen guten Eindruck. Der Film ist stylish, aber auf eine Art, die erkennen lässt, dass der Stil aus der Horrorkramkiste entliehen wurde. Mal erinnert „Dawning“ an „Shining“, mal an „Lost Highway“, der Zuschauer assoziiert oft andere Filme. „Dawning“ ist daher alles als Andere als innovativ, aber als Hommage verstanden, überzeugt er.

Außerdem sieht man dem Film in weiten Teilen nicht an, dass nur wenig Geld zur Verfügung stand. Dieser Trick gelingt durch großzügiges Weglassen unnötigen Ballastes. Fiese Monster, große Knalleffekte – all das gibt es in „Dawning“ nicht. Ich fand das aber eher positiv, denn so muss der Zuschauer sich viele Dinge hinzudenken, vorstellen. Und ehrlich, die gruseligsten Szenen malen wir uns in unserer Fantasie aus.

Zum Ende. Nun ja, es wird teils behauptet, das Ende wäre kein Ende. Das ist nicht wahr. Das Ende ist sogar ziemlich abrupt und macht deutlich, dass hinter der etwas mäandernden, langsamen Erzählung von „Dawning“ ein klares Konzept steht. Die Schwierigkeit ist, dass nicht klar wird, welches Konzept genau. Wer David Lynch kennt, wird damit kein großes Problem haben und sich an den Versuch machen, die Erzählung zu entschlüsseln. Wer einen klassischen Horrorfilm erwartet hat, der hatte mit „Dawning“ wohl durchgehend wenig Spaß und wird vom Ende noch zusätzlich verärgert.

Überhaupt erinnerte mich vieles in „Dawning“ an David Lynchs Filme. Wobei ich nicht sagen würde, dass „Dawning“ auf einem Niveau mit, sagen wir, „Lost Highway“ ist. Das wäre gelogen. Treffender wäre es, sich eine Art „Cabin Fever“ trifft auf „Lost Highway“ vorzustellen.

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