Selbst wenn wir einen Rechtschreibfehler übersehen, unser Gehirn hat ihn gesehen!

Ich habe eine halbwegs okaye Rechtschreibung und ein relativ gutes Sprachempfinden, auch wenn Erstere seit meiner Schulzeit (und einer Rechtschreibreform) ziemlich gelitten hat, aber Grammatik habe ich immer aus dem Bauch heraus (kein schlechter Partner!) verstanden. Jetzt gibt es anscheinend (endlich!) den Beweis, dass diese Herangehensweise nicht die Verkehrteste ist. Grammatik kommt zwar nicht aus dem Bauch, aber durchaus aus dem Unbewussten. Wissenschaftler der Universität Oregon haben herausgefunden, dass unserem Gehirn Fehler auffallen, selbst wenn sie uns bewusst nicht auffallen.

Das Experiment dafür ist eigentlich recht simpel, aber ich kann schwerlich einschätzen, ob es unangreifbar, wissenschaftlich valide usw. ist. Ich mag einfach das Ergebnis.

Man zeigte Versuchspersonen 280 Sätze, ein Wort nach dem anderen. Manche Sätze grammatikalisch und orthografisch richtig, manche falsch. Davor oder danach spielte man einen Ton ab, zur Ablenkung. Spielte man den Ton nach einem Fehler ein, erkannten 89% der Probanden den Fehler. Spielte man den Ton vor dem falschen Wort ein, erkannten lediglich 51% der Probanden den Fehler. Das Gehirn zeigte aber in jedem Fall eine Aktivität, die darauf hinwies, dass es den Fehler erkannt hat (das nennt man ERP für „Event-Related Potential“, ereignisbasiertes Potential).

In etwa ist das das Prinzip, nachdem wir Buchstabenbrei durchaus einen Sinn geben können. Beispiel: „Luat enier sidtue an eienr elgnhcsien uvrsnäiett, ist es eagl in wcheler rhnfgeeloie die bstuchbaen in eniem wrot snid.“ – Wir können das lustigerweise ohne besondere Schwierigkeiten lesen. Unser Gehirn korrigiert den Satz für uns, ohne unser Zutun. Der Satz ist natürlich extrem, aber in kleinerem Maßstab übernimmt das unser Gehirn komplett für uns und wir bemerken den Fehler bewusst gar nicht erst.

Nun ist es keine große Neuigkeit, dass Kinder Grammatik nicht aus Büchern lernen, sondern durch vor allem durch Zuhören, „aus dem Bauch heraus“. Kinder erlernen Grammatik, ohne die Regeln zu kennen. Ihr Gehirn erkennt die Regeln, ohne dass sie sie reproduzieren könnten. Aber sie sind in der Lage, grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden.

So ähnlich verfahre ich, halbwegs erfolgreich, mit Fremdsprachen, vor allem dem Englischen: Viel Slang oder ungewöhnliche Grammatik, eigne ich mir an, indem ich lese. Ich erfasse implizit die Grammatik, aber ich könnte nicht wiedergeben, nach welchem System sie funktioniert. Jetzt weiß ich, woran das liegt. Danke Wissenschaft!

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