Archiv der Kategorie: Rechtliches

This magazine has been printed with the blood of HIV+ people

Die VANGARDIST Print Issue #3 – #HIVHEROES Limited Edition des “progressiven Männermagazins” Vangardist wurde mit Blut zweier HIV-positiver Spender und einer Spenderin gedruckt: Philipp, Wyndham undWiltrut.

Vangardist HIV Heroes

Selbstverständlich ist das Anfassen und Lesen absolut ungefährlich, genau wie der alltägliche Umgang mit HIV-positiven Menschen. Trotzdem muss die Ausgabe, laut Aussage der Macher, in Plastik verpackt werden, damit die Macher rechtlich keine Probleme bekommen.

Die Spezialausgabe ist Teil einer Kampagne, die dazu dienen soll, auf die noch immer starke Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen aufmerksam zu machen. Dahinter stehen absolute Marketingprofis .

So kann man eine Facebook-Seite liken, auf der Webseite hivheroes.org mehr über die Kampagne erfahren oder natürlich das gedruckte Magazin kaufen. Dafür werden allerdings. Die dritte Ausgabe ist auf 3.000 Stück limitiert. Die Einnahmen werden gespendet. Kostenlos kann man die  HIV HEROES online lesen.

Are those who kill sick, or are they simply evil?

Schwierige Frage, oder? Gut, dass sie sich bei uns nicht ganz so akut stellt. In den USA sieht das anders aus. Da gibt es die Todesstrafe. Allerdings gibt es dort auch eine Verteidigerin, die die Todesstrafe treffend als “legalized homicide”, also legalisierten Mord beschreibt. Deshalb rettet Judy Clarke die schlimmsten Verbrecher, die so gut wie sicher die Todesstrafe bekommen würden, vor der Todeszelle. Typen wie den Unabomber Ted Kaczynski, Zacarias Moussaoui, einer der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September oder jetzt Dzhokhar Tsarnaev, den überlebenden Bombenleger vom Boston Marathon. Ob sie wollen oder nicht:

“Clarke defends people who do not wish to be defended, and who don’t have a prayer—clients who are not just dream candidates for the death penalty but who, in some cases, seem determined to embrace it.”

Die Logik dahinter:

“If the state cannot put these defendants to death, then how can it put anyone to death?”

Dabei ist Clarke unerbittlich und sehr erfolgreich – ihre Klienten werden selbst dann nicht zum Tode verurteilt, wenn sie sich das wünschen würden, um zu Märtyrern zu werden. Das zeigt Wirkung:

“Death-penalty activists like Clarke have raised the bar so high that many states are opting for purely practical reasons not to pursue the death penalty.”

Lest den interessanten Artikel Dzhokhar Tsarnaev Has the Most Ferocious Lawyer in America Defending Him unbedingt ganz. Hochspannendes Thema. Letztlich geht es um das eigene Menschenbild:

“Are those who kill sick, or are they simply evil?”

Dumm, dümmer, Gamergate: Typ will Randi Harper verklagen. Wegen BlockBot. Nach EU-Recht!

Wie lange dauert es, bis einer GamerGater merkt, dass er mit nem Bot redet? Ich sag mal: Erstaunlich lang. (Eigentlich erstaunt es mich nicht.)

Jedenfalls hat dieser Typ da, Grimachu, noch Großes vor. Er will Randi Harper wegen des BlockBots verklagen. I’m not kidding you! Lest selbst.

Besonders witzig find’ ich die folgende Stelle aus dem Text, den Randi Harper netterweise veröffentlicht hat:

“There are also possible issues relating to UK/EU data protection law and its export from the EU in breach of the data protection act.”

Is’ klar. Der Typ ist offensichtlich richtig gut informiert, wie das mit den Gerichten so abläuft. Entsprechend zittert Randi natürlich schon vor ihm. Nicht: GRIMACHU wants to sue over being blocked on twitter. #StopGamerGate, bevor sie sich noch weh tun.

Mit dem Motorrad durchs Einkaufszentrum

Motorradfahrer flieht durch Einkaufszentrum

“We’re really happy no one got hurt”

Zero fucks given. Am 20. Februar ist in Kanada ein Motorradfahrer durch ein Einkaufszentrum geflohen. Erfolgreich. Er wurde bis heute nicht gefasst. Eigentlich ist das Video übrigens ein Schulungsfilm und war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber wie’s halt so ist: Irgendwer verwechselt privat und öffentlich und zack ist es im Netz.

Für alle Hintergründe lest einfach bei Nothing To Do With Arbroath nach.

 

So ein Keese – Mehr als genug Gründe, warum Blogger gegen das Leistungsschutzrecht sein sollten

Jaja, das Leistungsschutzrecht, eigentlich wurde schon genug dazu geschrieben, oder? Nein, natürlich nicht, sonst wäre das Ding schon lang tot. Wieso diese Schnapsidee jetzt tatsächlich als Gesetzesentwurf vorliegt und von einigen Gestalten hoffnungslos verteidigt wird, erschließt sich mir nicht, allerdings wurde bereits darauf hingewiesen, dass das den Gegnern des Leistungsschutzrechts unter Umständen sogar in die Hände spielt. Insofern soll es mir Recht sein, dass der allseits geschätzte Christoph Keese nun einen Artikel geschrieben hat, in dem er uns, den Bloggern, erklärt, wieso Blogger das Leistungsschutzrecht nicht fürchten brauchen. Allerdings beweist der Artikel einmal mehr, dass Keese keine Ahnung davon hat, wie Blogger leben, arbeiten und ticken.

Es geht sofort los mit dem Punkt: 1. Blogger können mit dem Leistungsschutzrecht Geld verdienen. Tja, fein, aber Thema verfehlt. Blogger können, wenn sie das wollen, bereits jetzt auf vielfältige Weise Geld verdienen. Vielleicht nicht genug zum leben, aber sei es drum. Die Mehrheit der Blogger findet das meiner Wahrnehmung nach schon ok so und ist gegen das Leistungsschutzrecht und hat generell viel weniger als “Verleger” das Gefühl, nicht gut genug geschützt zu sein. Eher im Gegenteil: Viele Blogger würden sicherlich besser schlafen, wenn Dinge wie “Fair Use” in Deutschland etwas lauter und intensiver durchdacht werden würden. Auch wenn auch sie, am Ende einer langen Verwertungskette, von einem LSR profitieren und ein paar Brosamen aufpicken könnten. Drauf geschissen, das LSR ist nicht für Blogger gemacht, sondern es wird ihnen Schaden verursachen! Es hat Gründe, dass wir lieber Blogs führen, als unsere Texte auszudrucken und offline zu verteilen. Geld ist da eher nicht zentral. ^^

2. Das Recht auf kostenloses Zitat bliebt voll erhalten. Na was bin ich froh! Kann ich also auch zukünftig so Texte wie den hier schreiben, ohne erst den Herr Keese um eine Lizenz bitten zu müssen? Dann gibts ja nix mehr zu kritisieren, immerhin bleibt das Zitatrecht gültig. Hier werden Selbstverständlichkeiten als positiv verkauft. Dass das Zitatrecht nicht außer Kraft gesetzt wird, spricht nicht für ein Leistungsschutzrecht. Dass es überhaupt der Klarstellung bedarf, zeugt viel mehr von einer Bedrohung der gewohnten Regelungen, da das Zitatrecht nicht alles abdeckt, was im täglichen Leben im Netz ganz normal ist. Linklisten ohne Kommentare oder mit ganz kurzen Kommentaren beispielsweise. Oder Pingbacks, in denen ein kleiner Teil des Artikels angeteasert wird. Das ist eine Pseudo-Beruhigung. Was jetzt ganz normal ist, wird zukünftig im besten Fall zur Grauzone werden, es scheint aber sogar angedacht zu sein, allein schon das Twittern eines Links kosten. Genau wie der nächste Punkt:

3. Nur wer gewerblich aggregiert, ohne selbst zu schreiben, braucht eine Lizenz. Jaja, die Gewerblichkeit, immer so ein Zankapfel. Ist ein Blog gewerblich, wenn ich dort ein paar Google Ads schalte, um die Kosten wieder rein zu holen? Ist mein Blog gewerblich, wenn ich dank Flattr Achteurofuffzig im Monat mit meinem Geschreibsel verdiene? Das ist rechtlich alles recht vage und unklar und das ist, ob Keese es weiß oder nicht, für Blogger immer ein Problem. Was unklar ist, wird abgemahnt, quasi ein Naturgesetz. Deswegen ist ja einer der wichtigsten Kritikpunkte am LSR nicht primär der Inhalt, sondern die Folgen, die seine Befürworter offenbar nicht sehen. Befürchtet wird, aus meiner Sicht absolut nachvollziehbarerweise, eine Abmahnflut.

4. Wer privat bloggt, muss überhaupt nichts für das Leistungsschutzrecht bezahlen. Ja nun, das ist ein Pseudoargument. Wer privat bloggt, braucht auch kein Impressum und trotzdem braucht jeder eines, weil es nahezu unmöglich ist, in Deutschland mit absoluter Sicherheit privat zu bloggen. Weswegen ich mir hier, in meinem privaten Blog, auch nicht einbilde, rechtlich tatsächlich unter “privat” zu fallen, sondern ich muss sicherheitshalber davon ausgehen, als “gewerblich” gelten zu können. Zukünftig zittere ich also bei jedem Link, den ich nicht lizensieren lasse (wofür selbstverständlich neben der Lust vorallem das Geld fehlt), nur weil Springer und Co. die Kommerzialisierung von jedwedem Content vorantreiben wollen. Nö! Überzeugt mich nicht.

Viele Dinge erwähnt Keese wohlweislich nicht. Dass ihn beispielsweise schon die Frage der praktischen Umsetzbarkeit in die Bredouille bringen konnte, da die Unmenge an nötigen Lizensierungen ein bürokratischer Alptraum werden würde:

Naja, da sowieso gefühlt niemand außer irgendwelchen Springer-Hanseln für ein Leistungsschutzrecht ist (wobei mich, wie gesagt, wirklich wundert, wie es überhaupt soweit kommen konnte, wenn es doch kein vernünftiger Mensch will), lässt es tatsächlich nicht als sehr gefährlich erscheinen. Es wird so oder so eine Totgeburt. Dazu müssen wir allerdings beitragen, was wir können. Durch Artikel dagegen, durch Boykotte, indem wir anderen erklären, wieso die Idee Mist ist. Halt alles das, was wir sonst auch tun, wenn uns jemand sinnlos in unseren Rechten beschneiden und dazu noch für dumm verkaufen möchte.

Kleines Update: Der Jens Scholz hat ein paar gute Ideen und gibt Ausblicke, die unsereins beruhigen, hier nicht verlinkte Herrschaften mit ihren Blogartikeln selben Titels aber wohl eher nicht so.

WordPress Spamfilter Akismet möglicherweise rechtswidrig

Wie wohl jeder, der sein Blog von WordPress.com hosten lässt, ist auch hier der Spamfilter Akismet aktiv. Er lässt sich nämlich nicht deaktivieren. Soeben bin ich auf einen Artikel gestoßen, der die Meinung vertritt, Akismet wäre in Deutschland rechtswidrig. Um zu funktionieren, erhebt Akismet nämlich zahlreiche Daten, darunter IP-Adresse, Kommentarname, Kommentarmailadresse, Kommentar und Browser. Eine vollständige Auflistung findet ihr hier. All diese Daten übermittel Akismet dann an Server in den USA. Nach deutschem Recht muss das einem Kommentierenden zumindest mitgeteilt werden. Dafür existieren Muster-Datenschutzhinweise, wie der folgende:

Der Anti Spam Filter Askimet ist hier integriert um möglichen Spam abzuwehren. Dieser untersucht Ihren Kommentar, in dem er folgende Inhalte an einen Server in den USA sendet und dort mit einer langen Liste von gesperrten Wörtern, IP Adressen, E-Mail Adressen, Domains usw. abgleicht.

* comment_author * comment_author_email * comment_author_url * user_ID * user_ip * user_agent * referrer

Sollte sich in Ihrem Kommentar eins der gesperrten Wörter, E-Mail Adressen, Domains usw. befinden, wird der Akismet Anti Spam Filter eine Spam Meldung zurückgeben und diese auch in ihren Serverinformationen in den USA speichern. Wir haben keinerlei Einfluß darauf welche Informationen dort dauerhaft gespeichert werden und können diese auch nicht einsehen! Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, dürfen Sie hier nicht kommentieren.

Ich bin auch auf deutlich längere Datenschutzhinweise gestoßen, aber wie oft in solchen Fällen ist ziemlich unklar, ob diese Texte irgendetwas nutzen. Fest steht, das jeder WordPress.com- Nutzer sich in einer unklaren, unschönen Situation befindet, solange WordPress.com keine Möglichkeit anbietet, Akismet zu deaktivieren und stattdessen eine der anscheinend datenschutzkonformen Alternativen wie etwa Antispam Bee oder Mollom zu verwenden.