Archiv der Kategorie: Rezensionen

All hippies at one time or another renounce themselves – William Powell vs. The Anarchist Cookbook

As Powell weathered a media storm, an FBI investigation, and a number of threatening letters in his mailbox (“Dear Anti-Christ,” one began), he started to have second thoughts.

William Powell, Picture found on http://ffffound.com/image/0e7a010367cc9d3b9315107f6faec33691c3d1ea?c=7318624

Vielleicht wusstet ihr es schon, mir war es neu: Der Autor des Anarchist Cookbook, William Powell, versucht seit Jahrzehnten die Veröffentlichung des Buches zu verhindern. Powell schreibt heute (von Staatsgeldern ^^) Bücher mit Titeln wie Becoming an Emotionally Intelligent Teacher, ist anglikanischer Christ und will von Anarchismus und gewaltsamem Umsturz nichts mehr wissen.

Zu blöd, dass The Anarchist Cookbook, erschienen 1971 beim damals für skandalträchtige Veröffentlichungen bekannten Kleinverlag von Lyle Stuart, heute ein Kultbuch der Gegenkultur ist.

Nach anfänglichen Skandalen verschwand das Buch erstmal schnell wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung, bis es in den 80ern offenbar zahlreichen Bombenbastlern das für Anschläge benötigte Wissen vermittelte.

Mit der Verbreitung im Internet explodierte die Bekanntheit des Anarchist Cookbooks schließlich und ironischerweise, macht das Internet Bücher wie The Anarchist Cookbook doch eigentlich zugleich obsolet. Heute hat wohl so ziemlich jeder von euch zumindest mal davon gehört.

When he first approached Stuart, he suggested that he publish it under a pseudonym, which Stuart talked him out of doing.

Im Nachhinein hätte Powell wohl lieber auf die 35.000$ dafür verzichtet. Kann ich verstehen.

Kandidatinnen für das Amt des Bürgermeisters/der Bürgermeisterin einfach mal den Voight-Kampff-Test machen lassen

The Wave Magazine - More Human Than Human

Groß! Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters/der Bürgermeisterin einfach mal den Voight-Kampff-Test machen lassen. Hat das The Wave Magazin 2003 in San Francisco tatsächlich gemacht. Subject 4 hat den Braten offensichtlich gerochen. Der Kandidat hat den Test selbstverständlich auch bestanden. Die Kandidatinnen sind beide Replikanten. Auch ganz interessant.

(via)

Los Angeles – The City in Cinema

Ich wollte eigentlich schon immer nach Berlin ziehen. Obwohl ich damals erst zweimal in Berlin war und mich nur an einen Besuch erinnern konnte. Berlin faszinierte mich und da ich die Stadt nicht selbst besuchte, bestand all mein Wissen über Berlin aus dem, was ich mir erlesen und erschauen konnte. (Pop)Kultur. Boris, Kreuzberg, 12 Jahre in der Schule. Berlin Alexanderplatz – nie wirklich gelesen, aber immer auf der Leseliste. Wim Wenders. Christiane F. Und all die anderen Berlingeschichten. Von Kalkbrenner bis zu schlechten Vampirgeschichten.

All die Geschichten ergeben ein ziemlich treffendes Bild. Städte sind sehr verschieden. Da finde ich es nützlich, sich vorher in der Popkultur zu informieren.

Colin Marshall hat im Alleingang versucht, eine Popkultur für Los Angeles zu erschaffen und, vielleicht noch wichtiger: zu erklären. The City in Cinema sind eine Reihe von Video-Essays über die Darstellung der Stadt Los Angeles in populären Filmen. Ich verlinke hier nur ein Video (Blade Runner natürlich), aber ihr müsst selbstverständlich alle Videos schauen, um das komplette Bild zu kriegen. Sowas wünsche ich mir auch für andere Städte und eigentlich sogar für andere Medien.

Bisher gibt es Essays zu 16 Filmen:

Alien Nation (Graham Baker, 1988)
Blade Runner (Ridley Scott, 1982)
Brother (Takeshi Kitano, 2000)
The Crimson Kimono (Samuel Fuller, 1959)
Drive (Nicolas Winding Refn, 2011)
The Driver (Walter Hill, 1978)
Her (Spike Jonze, 2013)
The Killing of a Chinese Bookie (John Cassavetes, 1978)
Kiss Me Deadly (Robert Aldrich, 1955)
The Limey (Steven Soderbergh, 1999)
Model Shop (Jacques Demy, 1969)
Night of the Comet (Thom Eberhardt, 1984)
Repo Man (Alex Cox, 1984)
Southland Tales (Richard Kelly, 2006)
Strange Days (Kathryn Bigelow, 1995)
Timecode (Mike Figgis, 2000)

(via)

 

Everything south of my waist tightens deliciously – Der Fifty Shades of Grey-Text-Generator

Für sowas bin ich ja immer zu haben: Ich präsentiere den fifty shades text generator. Aus meinem Beispieltext, komplett computergeneriert:

‘You were very disobedient,’ he whispers, his voice harsh, and everything south of my waist tightens deliciously as tingling shoots through me. I’m quaking like a leaf.

Liest sich wirklich wie E. L. James eher mittelgute Schreibe. Ausgedacht hat sich das Ding Lisa Wray. Hier erklärt sie euch genauer, wie das Ganze funktioniert.

(via)

Warum sind Frauen in Comics eigentlich immer so leicht bekleidet?

Uterus Force by Stjepan Sejic

Warum tragen soviele Frauen in Comics unpraktische Rüstungen, die in erster Linie mal möglichst knapp sein müssen? Stjepan Sejic, der neue Zeichner von Rat Queens hat das Geheimnis jetzt gelüftet: Uterus Force! Seems totally legit. Wissenschaft! Den ganzen Strip (ähem) in voller Größe gibt’s auf geekxgirls.com.

 

Auf der Suche nach einem Kunstwerk – “Where is Rocky II?”

Where is Rocky II? Screenshot

Bin bei Dangerous Minds auf den Künstler Ed Ruscha gestoßen, bzw. eigentlich auf eine Doku über ihn. In Where is Rocky II? von Pierre Bismuth geht es um die Suche nach einem Kunstwerk Ruschas. Eben jenem “Rocky II” (benannt nach dem Stalone-Film), einen falschen Stein, den Ruscha 1979 in der Wüste Kaliforniens zwischen echten Steinen ablegte und der laut eigener Aussage nicht zu finden ist. Hätte ihn BBC nicht beim Ablegen gefilmt, wüsste wohl niemand, dass es dieses Kunstwerk überhaupt gibt.

Bismuth (bekannt durch Eternal Sunshine of the Spotless Mind) engagierte einen Privatdetektiv und zwei Drehbuchschreiber aus Hollywood, um den Stein zu finden und Theorien zu seinem Verbleib zu entwickeln. Daraus ist nun ein Film geworden, der angeblich zu 90% fertig ist. Die 100% will man bis 20. Februar mittels Crowdfunding erreichen. Also falls ihr das Projekt ähnlich interessant findet wie ich…Klick. Ansonsten wisst ihr jetzt immerhin, dass es da was gibt. Bismuth nennt seinen Film übrigens eine “fake fiction”, ihr seid gewarnt.

Aber die Frage, die sich unweigerlich stellt, finde ich interessant: Ist es eigentlich Kunst, wenn niemand Rocky II anschauen oder irgendwie “konsumieren” kann? Ist es Anti-Kunst? Mehr Text hat der Guardian: Where is Rocky II? The 10-year desert hunt for Ed Ruscha’s missing boulder.

 

 

Meine fünf Buchvorsätze 2015

Mir wurde  ein Stöckchen zugeworfen. Robin hat sich für mich ein sehr passendes ausgesucht, daher mache ich selbstverständlich mit. Eigentlich sind es sogar zwei Stöckchen, na mal schauen. Pro Stöckchen ein Post, damit alles seine Ordnung hat. Den Anfang machen fünf Buchvorsätze 2015.

Ich hab sowas ähnliches bereits 2014 gemacht. Aus den fünf Büchern auf meiner Wunschliste wurden zehn. Gelesen habe ich davon witzigerweise gar keins, stattdessen hab ich so um die 20 andere Bücher gelesen. Immerhin besitze ich drei der Bücher mittlerweile als E-Books. Der Wille ist da. Ich plane trotzdem dieses Jahr eine etwas andere Herangehensweise an meine Liste.

Keine Sachbücher! Erfahrungsgemäß fehlt mir dafür aktuell einfach die Zeit und Ruhe. Ich will unterhalten werden, daher beschränke ich meine Liste auf Belletristik.

Mehr Autorinnen! Laut Goodreads habe ich 2014 insgesamt 21 Bücher gelesen. Davon sieben von Autorinnen. Auf meiner letztjährigen Liste dasselbe Bild: 3/10 Autorinnen. 2/3 also männlich. Das möchte ich ändern. 2/3 Autorinnen lesen finde ich ein gutes Ziel. Meine diesjährige Liste wird nur Bücher von Frauen enthalten. So!

Nur fünf Bücher! Ich werde mich, auch wenn es schwer fallen wird, dieses Mal wirklich auf fünf Bücher beschränken und dafür etwas ausführlicher erklären, warum ich sie lesen möchte.

Außerdem wähle ich Bücher, die ich voraussichtlich auch tatsächlich lese, also schon ziemlich bald. Los geht’s!

1. Kameron Hurley – The Bel Dame Apocrypha

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The Kameron Hurley Omnibus (Bel Dame Apocrypha #1-3)

Ganz weit oben auf meiner Leseliste, wenn auch ein ziemlicher Wälzer. Das les ich wahrscheinlich nicht mal eben so in ein paar Tagen. Eigentlich drei Bücher (God’s War, Infidel, Rapture), aber ich hab mir gleich den Omnibus geholt. Fast 1000 Seiten und nach allem, was ich so mitbekomme und was mir Nulipan erzählt hat: Neben Steven Eriksons “Malazan Book of the Fallen” vielleicht das Beste, was Fantasy und SciFi aktuell zu bieten hat. Allein schon die ersten paar Sätze:

Nyx sold her womb somewhere between Punjai and Faleen, on the edge of the desert.

Drunk, but no longer bleeding, she pushed into a smoky cantina just after dark and ordered a pinch of morphine and a whiskey chaser. She bet all of her money on a boxer named Jaks, and lost it two rounds later when Jaks hit the floor like an antique harem girl.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber das ist genau der richtige Ton für mich. Nyx wird bestmöglich eingeführt. Ich bin ein großer Fan von tollen ersten Sätzen! Ich will mehr lesen!

Außerdem hat Kameron Hurley sich für ihre Welt viele nette Details einfallen lassen. Insekten spielen eine wichtige Rolle im täglichen Leben (zum Beispiel als Treibstoff). Die Religionen basieren auf einer Art Islam, wie er sich vielleicht in ferner Zukunft entwickelt haben könnte. Boxen ist reine Frauensache. Generell entspricht die Rollenverteilung in Nyx’ Welt nicht unbedingt der in Fantasy leider noch immer verbreiteten, klassischen. Wie Kameron Hurley es ausdrückt: In den Bel Dame Apocrypha geht es um “Bugs. Blood. Brutal Women.” Klingt doch großartig! (Außerdem habe ich schon Hurleys ebenfalls lesenswerten Kurzgeschichtenband namens “Brutal Women” gelesen. Ich weiß also bereits, dass sie super ist.)

2. Catherynne M. Valente  – Palimpsest

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Catherynne M. Valente - Palimpsest

In “Palimpsest” geht es um eine sexuell übertragbare Stadt. Reicht eigentlich schon als Grund zum Lesen, oder? Von Catherynne M. Valente hab ich diese Woche erst die Novella “Silently and Very Fast” gelesen und für großartig befunden. Bekannt sind ihre Fairytales-Romane, aber mir ist es nach etwas Erwachsenerem. “Palimpsest” also. Eine Stadt in einer anderen Realität, die man nur durch Sex erreichen kann. Klingt abgefahren. Valente hat aber nicht nur tolle Ideen, sondern auch eine wunderbare Sprache. Alles sehr poetisch, aber nicht verkünstelt. “Palimpsest” ist wohl nicht wirklich plot-driven, es geht eher um Atmosphäre. Ich las Vergleiche mit China Mieville oder Jeff VanderMeer, die “Palimpest” also dem Genre “New Weird” zuordnen würden. Klingt, als könnte es mir gefallen. Falls ihr neugierig seid: Valente hat 2007 eine Kurzgeschichte namens “Palimpsest” geschrieben, die ihr online lesen könnt: “Palimpsest”.

3. Ann Leckie – Ancillary Justice

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Ann Leckie Ancillary Justice (Imperial Radch #1)

Noch so ein Tipp von Nulipan. Sie hat die bisher erschienenen zwei Bände bereits gelesen und nach leichten Startschwierigkeiten für sehr gut befunden. Außerdem hat Ann Leckie mit diesem Buch, ihrem Debut, gleich so ziemlich jeden wichtigen Preis in den USA abgeräumt (Hugo, Nebula, Locus usw.), damit mache ich also nichts verkehrt. Ich weiß sonst nicht viel über das Buch, außer dass es sich mit spannenden Themen auf kluge Art und Weise befasst. Space Opera für Erwachsene. Au ja! “Ancilliary Justice” ist das erste Buch der Imperial Radch-Trilogie. Naja. Hat sowieso jeder auf seiner Liste, schätz ich, darum mach ich gar nicht mehr Worte drum.

4. Maria Dahvana Headley – Magonia 

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 Maria Dahvana Headley - Magonia

“Magonia” ist noch gar nicht erschienen, es kommt im April 2015 raus. “Magonia” ist Young Adult. Ich hab zwar nichts gegen YA, aber eigentlich ist es nicht mein bevorzugtes Genre. Trotzdem will ich “Magonia” sehr gern lesen, seit ich im letzten Jahr “Queen of Kings” von Headley geradezu verschlungen habe. Darin geht es um Kleopatra, nur dass Kleopatra nicht durch einen Schlangenbiss starb. Stattdessen bekam sie von der Göttin Sekhmet göttliche Kräfte verliehen. Die Sache hat natürlich einige Haken. “Queen of Kings” nimmt sich Historie und macht düstere Fantasy daraus. Ein bisschen wie eine modernere Ann Rice. Headley schreibt gut. Daher bin ich auf “Magonia” gespannt. Danach kann Headley sich aber gern an die Fortsetzung von “Queen of Kings” machen, immerhin sind die Kleopatra-Romane als Trilogie konzipiert.

5. Alissa Nuttin – Tampa

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Alissa Nutting - Tampa

“Tampa” handelt von einer pädophilen Lehrerin. Es basiert dabei auf der wahren Geschichte der Lehrerin Debra Lafave, die 2005 verhaftet wurde, da sie als 23-Jährige Sex mit einem 14-jährigen Schüler hatte. Schwierig an dem Buch ist sicherlich, dass es konsequent aus Sicht der Pädophilen erzählt wird. Für manche (FAZ zum Beispiel) ein Skandalroman wie weiland “American Psycho” oder, beim gewählten Sujet am naheliegendsten, “Lolita” von Nabokov. Literarisch wohl nicht ganz auf dem Niveau des letzteren, aber ich bin interessiert genug. Schwieriges Thema, zumal für einen Debutroman. Und offenbar nicht ganz schlecht. Lavave ist letztlich übrigens zu einer sehr milden Strafe von 3 Jahren Hausarrest verurteilt worden.  Ins Gefängnis musste sie nicht. Dafür war sie, nach Aussage ihres Anwalts, wirklich zu schön.

So, das waren fünf. Also erwähne ich nur noch kurz Jagannath von  Karin Tidbeck, Troll: A Love Story –  Johanna Sinisalo, Church of Marvels – Leslie Parry, Conservation of Shadows – Yoon Ha Lee, Suicide Girls in Afterlife – Gina Ranalli, Clockwork Girl – Athena Villaverde, Trashland A Go-Go – Constance Ann Fitzgerald, The Invisible Library – Genevieve Cogman, We Are All Completely Beside Ourselves – Karen Joy Fowler, Doomsday Book – Connie Willis, Who Fears Death – Nnedi Okorafor, The Miseducation of Cameron Post – Emily M. Danforth, Gate of Darkness, Circle of Light – Tanya Huff, The Marketplace – Laura Antoniou, Parable of the Sower – Octavia E. Butler, The Secret History – Donna Tartt, Synners – Pat Cadigan, Blood Oranges –  Kathleen Tierney, Zoo City – Lauren Beukes, Alif the Unseen – G. Willow Wilson, Ascension – Jacqueline Koyanagi, Black Wine – Candas Jane Dorsey, Hammered – Elizabeth Bear, The Kingdom of Gods – N.K. Jemisin, Bones & All – Camille DeAngelis und Slow River von Nicola Griffith.

René hat mir letztes Jahr ein ähnliches Stöckchen zugeworfen, also geb ich das mal zurück.

Spiri liest zwar eigentlich nur Comics, aber vielleicht hat er ja trotzdem auch ein paar Buchtipps in petto.

Helga hat bestimmt auch ein paar gute Tipps parat.

Beim DigiFla bin ich mir da sicher.

Nulipan sollte ein Blog haben.