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I.K.U. ist Sci-Fi-Porn, der „da anfängt, wo Blade Runner aufhört“

Alejandro Jodorowsky hat mal sinngemäß gesagt, er schaue sich Filme an, um Dinge zu sehen, die er so noch nie gesehen hat. Das geht mir genauso. Ich mag Filme, die herausfordern, sperrig sind oder grenzüberschreitend.

i.k.u.

Daher will ich jetzt unbedingt I.K.U. von Shu-Lea Cheang sehen. I.K.U. ist, den zwei kurzen Clips  nach zu urteilen, die ich dazu gefunden habe, ein Arthouse-Cyberpunk-Porno und eine Art inoffizielle Fortsetzung von Blade Runner. Die Clips sind nicht sonderlich explizit, für einen Porno muss da schon mehr kommen, ich gehe also davon aus, dass die Clips eher zahme Szenen zeigen. Aber ein gewisser Wille zur Verstörung ist unverkennbar und die visuellen Effekte sind Punk, Cyberpunk. Schon der Titel ist nicht gerade subtil: I.K.U. ist ein japanischer Slangausdruck für „einen Orgasmus haben“.

Seine Premiere feierte I.K.U. auf dem Sundance Film Festival 2000 und laut ‚Bodies are packages made to be opened‘: Shu Lea Cheang’s ‚I.K.U.‘ (2001) hatte der Film dort durchaus Skandalpotential. Kein Wunder, war er doch der erste pornografische Film überhaupt, der beim Sundance gezeigt wurde.

Die Protagonistin von I.K.U. ist Reiko, eine gestaltwandelnde Cyborg. Aber lest selbst. Der Plot klingt tatsächlich, als hätte William S. Burroughs eine Fortsetzung von Blade Runner geschrieben.

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Romance XXX von Catherine Breillat

Eines meiner etwas abseitigeren Hobbies ist es, Filme mit expliziten Sexszenen zu sammeln. Damit meine ich keine Pornos, sondern Filme, die nicht in erster Linie erregen sollen, sondern in denen Sexualität eine wichtige Rolle spielt, jedenfalls nicht ausgeblendet wird.

Sexualität ist ein wichtiger und oft problembehafteter Bestandteil des Lebens, also eigentlich wie gemacht, um sie zum Thema ernsthafter Filme zu machen. Umso verwunderlicher, dass ihr so selten eine zentrale Rolle in Filmen zukommt. Im Mainstream-Kino kommt sie so gut wie gar nicht vor. Dafür gibt es im Independent-Bereich eine durchaus ansehnliche Zahl von Filmen, die sich des Themas annehmen. Ein paar davon möchte ich euch in meinem Blog vorstellen und ein wenig darüber erzählen, warum ich die Filme sehenswert finde.

Den Anfang mache ich mit dem französischen Arthouse-Drama Romance (im Deutschen unsinnigerweise Romance XXX) von Catherine Breillat. Als der Film 1999 in die Kinos kam, war es noch ziemlich skandalös, dass mit Rocco Siffredi ein Pornodarsteller zum Cast gehörte. Außerdem kommen im Film zahlreiche sexuelle Handlungen vor, die explizit gezeigt werden.

Catherine Breillat Romance XXX Cover

Romance ist dabei aber alles Andere als ein Porno. Das wird jeder verstehen, der sich mit den Werken von Catherine Breillat mal auseinandergesetzt hat. Breillat beschäftigt sich in ihren Filmen mit Sexualität aus weiblicher Perspektive. Erotisch ist das selten, trotzdem wird ihr häufiger der Pornografievorwurf gemacht. Breillat zeigt Sex als Grenzüberschreitung. Ihre Filme sind äußerst körperlich.

Die Hauptperson von Romance ist Marie (Caroline Ducey), eine junge Frau, für die ihre Beziehung zu Paul nicht befriedigend ist. Paul schläft nicht mit ihr. Also begibt sie sich auf die Suche nach Abenteuern. Diese reichen vom Sex mit einem ihr kaum bekannten Mann über Bondage bis hin zu einer Szene, in der Marie im Treppenhaus vergewaltigt wird – nur dass sie das nicht so sieht. Sie sagt „Ich schäme mich nicht“ und legt sich neben Paul ins Bett.

Marie ist keine einfache Sympathiefigur, die für uns Dinge erlebt, damit wir am Ende etwas daraus gelernt haben. Was wir sehen und was Marie uns, in philosophischer Sprache, erzählt, passt oft scheinbar nicht zusammen. Das und der eher düstere Grundton macht Romance zu einem eher sperrigen Film.

Bei Rotten Tomatoes wird Romance von den Kritikern mit mageren 47% (von 100) bewertet. Die negativen Kritiken sind fast alle dem Irrtum aufgesessen, bei Romance handle es sich um einen Porno oder einen romantischen Film, während die positiven Reviews den Sex als erzählerisches Mittel betrachten und den Film dann deutlich besser bewerten. Ein Reviewer beschreibt es treffend:

Breillat is less interested in the sex acts than their deeper meaning.

Das mutet im ersten Moment vielleicht komisch an für einen Film, der fast ausschließlich aus Sexakten besteht. Breillats Filme sind körperlich. Aber sie nutzen den Akt als Projektionsfläche. In Romance wird viel verhandelt. Es wird viel geredet, auch und besonders beim Sex, auch und besonders über weibliche Sexualität. Breillat scheut sich auch nicht, ins Absurde, Surreale abzugleiten, wie in der Frauenarztszene gegen Ende. Sie fordert dem Zuschauer etwas ab, er muss mitdenken.

Lest dazu am besten auch dieses tolle Review von Christoph Huber bei Filmzentrale: Romance.