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2012 in Comics

2012cover

Es folgt mein persönlicher Rückblick auf das Jahr 2012. Auf die Idee hat mich Carlito von Yay, Comics! gebracht. Carlito hat sich die Mühe gemacht, sowohl Produzenten als auch Händler und Fans von Comics um ihren persönlichen Jahresrückblick zu bitten. Ich wurde auch interviewt (im „Archiv“ des Steglitzer Comicstammtisches, also known as: @TiberiusTarantes Arbeitszimmer), hab aber gar nicht viel zu sagen gehabt. Daher hier jetzt ein etwas ausführlicheres Resümee.

1. Vertigo Comics baut ab

Vertigo Comics hat der Neustart der DC 52 nicht gut getan. Indem DC ein paar Charaktere zurück holte, die zu den erfolgreichsten Vertigos zählten („Swamp Thing“, „Animal Man“, „Hellblazer“) ging viel Potential verloren, das erst wieder erarbeitet werden will. Der Weggang von Karen Berger, quasi DER Frau hinter Vertigo, macht dieses Unterfangen bestimmt nicht leichter. Es ist Vertigo 2012 nicht gelungen, neue Impulse zu setzen. Ich lese fast nur schon länger laufende Reihen („Fables“, „Unwritten“, „Sweet Tooth“). Ausnahmen: „Punk Rock Jesus“, eine sechsbändige Mini-Serie von Sean Murphy und „Saucer Country“. Beide Serien sind ziemlich gut, aber keine gehört zu meinen Jahres-Highlights. Zumal keine dieser Serien mich durch 2013 begleiten wird. „Sweet Tooth“ ist beendet, „Saucer Country“ ist beendet. „Punk Rock Jesus“ ist beendet. Harte Zeiten für Vertigo. Ich hoffe, der Verlag bleibt uns trotz Schwächephase erhalten. Sicher ist das momentan nicht.

2. Don’t panic!

2012 war trotzdem kein schlechtes Jahr für Comicfans. Was Vertigo nicht lieferte, teilten sich Image Comics und Boom! Studios auf. Beide Verlage haben 2012 eine Unmenge guter bis sehr guter (Mini-)Serien auf den Markt geworfen, hoffentlich auch entsprechend erfolgreich. Besonders hervorzuheben ist hierbei „Saga“ von Vaughan und Staples, für viele Menschen, mich eingeschlossen, eines der Highlights des Jahres 2012. Weitere persönliche Highlights: „The Hypernaturals“ (Boom), „Higher Earth“ (Boom), „Happy“ (Image). Es erscheinen nicht weniger gute Comics, es wird nur von anderen Verlagen geliefert. Hefte wie „Mara“ oder „The Massive“ (beide von Brian Wood) oder „Ghost“ von Kelly Sue DeConnick wären vor ein paar Jahren perfekt im Portfolio von Vertigo Comics gewesen. Jetzt kommen sie eben von Image und Boom und Dark Horse.

Apropos Dark Horse: Auch Dark Horse hatte 2012 viel Interessantes zu bieten: „Alabaster: Wolves“, „Mind MGMT“, „The Creep“, „47 Ronin“, „The Massive“ und „Ghost“ kann man bedenkenlos jedem Comicfan ans Herz legen.  Ein paar davon habe ich euch hier im Blog ja bereits vorgestellt.

Lobend erwähnen will ich unbedingt noch das leider eingestellte Format „Creator-owned Heroes“ von Image Comics. Ähnlich wie „Dark Horse presents“ eine Anthologie, in der über 2-3 Hefte verschiedene kurze Geschichten erzählt werden. Fand ich unterstützenswert, hatte ich im Abo. „Dark Horse presents“ lege ich euch ausdrücklich ans Herz. Kauft’s euch, bevor es auch noch eingestellt wird. Dark Horse startet viele seiner neuen Serien in Dark Horse presents und veröffentlicht die Stories später als Nullnummern. Wer also ganz vorn mit dabei sein will, kann sich einen guten Überblick über die nähere Zukunft von Dark Horse machen.

Oni Press hat endlich den zweiten Storyarc von Greg Ruckas „Stumptown“ veröffentlicht. Hat mich nicht total vom Hocker gerissen, ist aber immer noch hochwertig. Dex, die Privatdedektivin, ist einfach ein spannender Charakter.

Auch IDW Publishing hat Gutes zu bieten, gelesen habe ich allerdings nur wenig davon. Ist mir etwas zu nischig, aber wahrscheinlich gar nicht schlecht, vor allem für Serienfans (Doctor Who, Star Trek). Toll: Die „Womanthology Space“, eine Geschichtensammlung, finanziert via Crowdfunding und produziert ausschließlich von Frauen. Wie verschieden Frauen Science Fiction schreiben (und zeichnen) ist sehr interessant, auch wenn die Qualität der Stories etwas schwankt. Die Einnahmen gehen an gemeinnützige Einrichtungen. Noch ein Grund, diesen Comic zu lesen und damit das Projekt zu unterstützen.

Besondere Erwähnung verdient sich Valiant Entertainment . Die sichern sich grad mit richtig guten Comics mit Wiedererkennungswert ihren kleinen Teil vom großen Comickuchen. „Bloodshot“, „Shadowman“, „Harbinger“, „Archer & Armstrong“ und „X-O Manowar“ machen vielleicht auf den ersten Blick nicht viel her, erzählen aber tolle, fesselnde Geschichten und wirken frisch und unverbraucht.

Terry Moore („Strangers in Paradise“, „Echo“), einer meiner Lieblingszeichner, arbeitet weiter an „Rachel Rising“, einer coolen, mysteriösen Geschichte um eine junge Frau, die eines Nachts im Wald aufwacht und nicht weiß, was geschehen ist. Dem Comic wünsche ich auch größere Aufmerksamkeit. Leider schreckt der schwarz-weiße Zeichenstil wahrscheinlich viele Leser ab. Die verpassen dann aber einen wirklich schönen Comic, der im Selbstverlag erscheint.

3. Die „Großen“ liefern

Der Neustart war für DC Comics anscheinend ein voller Erfolg. Die Comics sind in weiten Teilen gut und sie verkaufen sich – Mission accomplished. Ich lese „Animal Man“, „Swamp Thing“, „Frankenstein – Agent of S.H.A.D.E“, „I,Vampire“, „Demon Knights“, „Wonder Woman“ und „Batwoman“ immer wieder gern. „Frankenstein“ und „I,Vampire“ wurden leider unlängst gecancelt. Lese auch noch ein paar andere Reihen, aber die sind qualitativ nicht auf demselben Niveau, sollen daher hier nicht erwähnt werden.

Eher enttäuschend fand ich „Before Watchmen“. Einzelne gute Comics konnten nicht darüber hinweg täuschen, dass die Reihe eher belanglos daher kommt. War insgesamt unnötige Geldmacherei.

Marvel hat es in der zweiten Jahreshälfte geschafft, dass ich erstmals was von ihnen lese. Die neue „Captain Marvel“, geschrieben von Kelly Sue DeConnick (meine persönliche Lieblingsautorin 2012) ist einfach supergut. Ich würde sagen ein „Must-Read“! „FF“, gezeichnet von Mike Alldred sieht ebenfalls sehr vielversprechend aus.

4. Ausblick:

2013 wird super. Hoffentlich wird „Trillium“, der neue Comic von Jeff Lemire ganz großartig. „Die letzte Liebesgeschichte“, die Zeiten überwindet und letzlich in den Untergang führt, klingt jedenfalls spannend. Vielleicht erlebt Vertigo Comics seine Renaissance. Falls nicht, ist es auch nicht schlimm, solange die anderen Verlage ihr Niveau mindestens halten. Von DC und Marvel wünsche ich mir, dass sie weiterhin guten Mainstream und die eine oder andere wirklich sehr gute Reihe liefern. Die Einstellerei nervt zwar ein bisschen, aber solange die neuen Reihen, die die eingestellten ersetzen, von besserer Qualität sind, beklage ich mich nicht.

Before Watchmen – Ozymandias #2 Review

In den ersten Wochen von „Before Watchmen“ wurden die Comics Woche für Woche etwas besser, bis ich nach „Ozymandias“ #1 der Meinung war, „Before Watchmen“ könne durchaus ein würdiges Spin-Off zu „Watchmen“ werden. Sogar bereits erschienene Comics profitierten vom Mehr an Hintergrund, je mehr Hefte erschienen. Die Nummer Zweien waren weniger enttäuschend, blöderweise gab es aber auch weniger Höhepunkte. Holten „Comedian“ #1, „Nite Owl“ #1 und vor allem „Ozymandias“ #1 noch Einiges für die Reihe heraus, so ist das mit den Nummer Zweien anders. „Comedian“ #2 war belanglos, „Nite Owl“ #2 wenig mitreißend. Und „Ozymandias“ #2?

Ozymandias #2 Cover

(Bildquelle)

„Ozymandias“ #2 hält das Niveau. Herausragend und wohl das Beste am Comic: Die Zeichnungen von Jae Lee, der sich auch für das Cover verantwortlich zeigt. Ich mag seinen Stil. Seine Panels wirken hyperdetailliert, gleichzeitig aber auch stilisiert. Das Paneldesign ist sehr aufgeräumt, aber mit seinem Mix aus runden und eckigen Formen trotzdem experimentell. Sowas kenne ich aus anderen Comics nicht. Die einzige Splashpage im Heft, in welcher Ozymandias eine Horde Bösewichte innerhalb eines Wimpernschlags außer Gefecht setzt ist für mich das Highlight. Wie Jae Lee hier die Gleichzeitigkeit der Ereignisse nur mithilfe schwarzer Schatten und eines gelben Hintergrunds darstellt ist schon sehr groß. Bei Lee hat man nie Probleme, zu erkennen, was gerade passiert oder wer agiert.

Die Story beschäftigt sich weiter damit, wie Adrian Veidt zum maskierten Rächer Ozymandias wurde. Hatten wir in Heft 1 quasi seine Origin-Story vor uns, so lesen wir nun von seinen ersten Versuchen als Verbrechensbekämpfer und seinem ersten Zusammentreffen mit einem Mitglied der Minutemen. Über die weiteren „Abenteuer“ des „Crimson Corsairs“ hülle ich den Mantel des Schweigens. Woche für Woche frage ich mich, wozu diese zwei Seiten Belanglosigkeit und Ereignislosigkeit eigentlich gedacht sind.

„Ozymandias“ #2 ist ein gutes Heft, aber mit einem anderen Zeichner wäre ich wohl trotzdem nicht direkt begeistert. So ist „Ozymandias“ für mich immer noch das Highlight von „Before Watchmen“ Ich fürchte aber, es nähert sich der Moment, in dem ich Before Watchmen den Rücken kehren werde. Es sei denn, Rohrschach #1 wird nächste Woche deutlich besser. Ich hoffe es, denn so richtig schlecht ist „Before Watchmen“ nicht.

Before Watchmen – Nite Owl #2 Review

Weiter geht es mit den Reviews zu „Before Watchmen„, einer Art Prequel zum Kultcomic „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons. Dieses Mal ist „Nite Owl“ #2 dran. Den ersten fand ich ziemlich ok. Wie wird Heft 2 sich schlagen?

Before Watchmen Nite Owl 2  Cover
(Bildquelle)

Nachdem mir Comedian #2 nicht egaler hätte sein können, konnte auch „Nite Owl“ #2 es leider nicht raus reißen.

Die Story: Nite Owl und Rohrschach jagen zusammen Verbrecher. Auf einer Metaebene gehts noch um Masochismus, Sexualität, Gewalt, aber das wirkt eher deplatziert. Man merkt, finde ich, dass sich Autor Straczynski bemühte, wie das große Vorbild „Watchmen“ ein paar größere Themen und Fragen mitschwingen zu lassen, aber anders als in „Watchmen“ wirkt es plump. Trotzdem bin ich froh, dass Straczynski wenigstens versucht, sie zu stellen. In anderen „Before Watchmen“-Heften fehlen die philosophischen Ansätze nahezu komplett. Sie gehören für mich aber dazu.

Die Zeichnungen von Andy und Joe Kubert (RIP) sind wohl Geschmackssache, mir sind da irgendwie zuviele Linien und Schraffuren, aber die Kolorierung und die Motive sind schon gut. Das ganz coole Cover passt hier einmal perfekt zum Stil im Heftinneren.

Das ist ganz unterhaltsam, aber nicht wirklich der Rede wert. Mal sehen, ob Ozymandias #2 das gute Niveau des ersten Heftes wird halten können. „Nite Owl“ und „Comedian“ sind daran bereits gescheitert.

Before Watchmen Comedian #2 – Ein Cover sagt mehr als tausend Worte

Weiter geht es. In der ersten Woche von „Before Watchmen“ bereitete mir „Minutemen“ #1 eine dicke Enttäuschung und bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen. Dann kam „Silk Spectre“, das ich mögen wollte und durchaus auch mögen konnte. Eine Woche drauf habe ich „Before Watchmen – Comedian“ #1 recht gern gelesen, es hatte seine Momente. „Minutemen“ #2 war nicht herausragend, aber es gefiel mir besser als „Minutemen“ #1, „Silk Spectre“ #2 veränderte den Tonfall in Vergleich zum ersten Teil etwas, wurde humoriger. Das tat aber ebenfalls eher gut. Wird „Before Watchmen – Comedian“ #2 diesen positiven Trend fortsetzen können?

Before Watchmen - Comedian #2 Cover

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Obwohl ich die Figur Edward Blake eigentlich sehr spannend finde, ist vom zweiten Heft fast nichts hängen geblieben. Irgendwas mit Boxen und Krieg (in Vietnam?), ich kann mich einfach an keinen herausragenden Moment aus „Before Watchmen – Comedian“ #2 erinnern. Die Szenen, die mir aus dem Krieg im Gedächtnis blieben, stammen aus dem Original „Watchmen“. Ging das nur mir so?

Das war nichts; eine klare Enttäuschung. Schon das Cover könnte langweiliger kaum sein. Wo zur Hölle soll das Blut herkommen? Beim Lesen hatte ich das Gefühl, die belanglose Geschichte würde routiniert erzählt, was eben auch bedeutet, ich war nicht in der Geschichte, nicht gefangen von der Handlung. Ich sah nur zu, relativ unbeteiligt.

Dafür, dass der Comedian einer der tollsten Charaktere in „Watchmen“ ist, mit vielen Geheimnissen, ein äußerst enttäuschendes Heft. Zugegebenermaßen sind die Zeichnungen noch immer nett, aber hier wurde viel Potential verschenkt. Statt sich von Heft 1 zu Heft 2 verbessern, hat „Before Watchmen – Comedian „#2 das Niveau nicht halten können. Über die zwei Seiten Piratenstory am Ende des Heftes nur soviel: Langsam wird eine Handlung absehbar. Interessant ist die Geschichte noch immer nicht.

Before Watchmen – Silk Spectre #2 – Die Swinging Sixties

Nachdem Silk Spectre a.k.a. Laurie Jupiter am Ende des letzten Heftes mit ihrem Freund Greg durchgebrannt ist, erleben wir in Before Watchmen – „Silk Spectre“ #2 ihre Versuche, ein Leben in Freiheit zu genießen. Anfangs gelingt ihr das auch. Sie und Greg landen in San Francisco, lernen ein paar Hippies kennen und führen ein Leben zwischen Kunst, Drogen, Sex, Musik und Demos, das Laurie gut gefällt. Aber natürlich bleibt das nicht lange so und bald findet sie sich im Kampf gegen die Schergen eines gewissen „Gurustein“ wieder, der einen nicht gerade teuflischen, aber doch unerfreulichen Plan ausgeheckt hat.

Before Watchmen Silk Spectre 2 DC Cover
Bildquelle

Silk Spectre #1 fand ich vor knapp einem Monat so lala. Eigentlich ganz gut gemacht, aber ziemlich belanglos. Silk Spectre #2 macht ziemlich genau dort weiter und zeigt uns weiter, wie Laurie zugleich erwachsen, als auch die neue Silk Spectre wird. Sie findet einen Widersacher und einen Grund zu kämpfen. Sie entscheidet sich für ein Kostüm. Nebenbei wird viel Sixties-Feeling verbreitet. Zumindest ist das offensichtlich der Plan gewesen. Teilweise funktioniert es auch gut, insgesamt könnte das Ergebnisse aber überzeugender sein. Es gibt Anspielungen en masse, aber sie zünden nicht recht. Und das, obwohl ich die 60er (und vor ihnen die Beats der 50er) sehr mag. Drogen kommen vor, aber es wird lediglich ein wenig gekifft. Sex kommt vor, aber man ist einander treu. Rock’n‘ Roll mit schlüpfrigen Texten kommt vor, aber von ihm geht Gefahr für die Charaktere aus. Das Ganze ist einfach zu bieder, um richtig unterhaltsam zu sein. Die 60er in Silk Spectre (oder in Before Watchmen allgemein?) sind weniger düster, weniger vom Vietnamkrieg geprägt (was Sinn macht). Das macht sie aber auch langweiliger. Darwyn Cooke und Amanda Conner füllen die Lücke mit Kapitalismuskritik. Das kommt aber fast nicht rüber. Lediglich bei einer Demo werden „Make love, not profit“- Schilder geschwenkt. Es braucht schon einen Bösewicht, der im Namen des Konsums handelt, um dem Leser die Message einzupauken, was ziemlich schwach ist.

Das liegt zum Teil auch an den Zeichnungen von Amanda Conner. Die sind gut, aber irgendwie sehr hell, fröhlich und hübsch. Das lässt alles leichter und beschwingter wirken, als es sein sollte. Die Mimik der Charaktere ist überzeichnet. Das sehr klassische Paneldesign ist Geschmackssache, gefällt mir aber gut. Es wäre schön, wenn es Conner gelingen würde, düstere Szenen künftig etwas düsterer zu zeichnen, ihren Stil mag ich ansonsten nämlich gern.

Während mir das Cover von Silk Spectre #1 sehr zusagte, ist das Cover in diesem Monat kein Highlight. Irgendwie ist es seltsam coloriert und wirkt zugleich detailarm und überladen. Die Geschichte leidet zusätzlich unter einem irritierenden „Cliffhanger“. Spannung kommt irgendwie nicht auf. Eher sehr unschöne Sorge um Laurie, die nicht recht zur sonstigen Stimmung passen will und zu unvermittelt kommt und einen abrupt aus der Geschichte reißt. Das hätte man besser machen können.

Nach zwei eher schwachen Wochen mit Minutemen #2 und Silk Spectre #2 bin ich wieder deutlich skeptischer, was den Rang von Before Watchmen angeht. Kann man durchaus lesen, ist aber nicht herausragend. Momentan erscheinen deutlich bessere Comics, die euer Geld eher wert sind, zumal die Before Watchmen-Hefte mit 3,99$ auch ziemlich teuer sind.

Before Watchmen – Minutemen #2 Review

Als ich den Groben Unfug betrat, hatte ich mit „Before Watchmen- Rorschach“ #1 gerechnet und als mir stattdessen Heft 2 von „Before Watchmen – Minutemen“ von Darwyn Cooke in die Hand gedrückt wurde, war ich ein wenig enttäuscht. War „Before Watchmen – Minutemen“ #1 bisher doch mit Abstand das schwächste Heft der Reihe gewesen.

Eines muss ich vorweg zugeben: Minutemen #1 wird besser, je mehr Hefte von „Before Watchmen“ erscheinen. Die Struktur ergibt mit jedem erschienenen Heft mehr Sinn. Before Watchmen – Minutemen #1 wird Bestandteil eines größeren Ganzen und das tut ihm spürbar gut. Aus dem Grund war ich Before Watchmen – Minutemen #2 gegenüber auch schon deutlich positiver eingestellt als noch dem ersten Heft. Würde es dem gerecht werden?

Before Watchmen Minutemen #2 Cover

Gleich ein paar Worte der Vergewisserung: Ja, Before Watchmen – Minutemen #2 ist besser als #1. Oder, anders ausgedrückt: Es passt zur Reihe. Langsam nimmt das Konstrukt Gestalt an und man beginnt zu verstehen, in welche Richtung die Serie gehen könnte und zu welchem Zweck. Die Minutemen sind also Quasi-Vorbild der Watchmen natürlich spannend, kann man doch an ihnen Entwicklungen beobachten, die die Watchmen später ebenfalls durchleben werden (bzw., für Leser der Original-Watchmen-Comics: die sie durchlebten). Oder auch nicht, dann ist es interessant, wieso die Entwicklung verschieden verlief, obwohl die Ausgangsbedingungen sich so ähneln.

Die Zeichnungen von Darwyn Cooke mag ich noch immer nicht, sie sind mir zu cartoonhaft, aber mit dem Wissen, was mich erwartet, war es leichter, mich darauf einzulassen und ein paar durchaus gelungene Panels zu schätzen zu wissen. Cooke ist nicht übel, nur gar nicht nach meinem Geschmack. Passt der Stil zu Watchmen? Schwer zu sagen, ich würde eher „Nein“ sagen. Andererseits habe ich gestern mal wieder in Watchmen geblättert und ich bin nicht sicher, ob mir die Kolorierung heute noch zusagen würde. Insofern ist mein Urteil offenbar sehr subjektiv geprägt und muss nicht der Realität entsprechen. Viele Reviewer sind von Minutemen und vor allem von Cookes Zeichnungen schließlich sehr begeistert.

Was dieses Mal besser gelungen ist, ist die Geschichte. War Minutemen #1 noch ein notdürftig zusammen gehaltener Flickenteppich aus Einzelgeschichtchen, zieht Before Watchmen – Minutemen #2 Tempo und Spannung ordentlich an. Endlich sieht man das Team interagieren. Es brechen Konflikte aus (nicht zu knapp, hier liegt noch viel Potential für Drama) und die Minutemen planen einen Einsatz und führen ihn auch aus. Natürlich läuft nicht alles glatt, natürlich spielt Mason als sowas wie ein Erzähler, ein Kommentar, weiter eine gewichtige Rolle für die Erzählung. Da ich seinen Ton sehr mag, kann ich sagen: Minutemen #2 bietet einfach mehr vom Guten. Dabei wirkt es weniger zerfasert und mehr aus einem Guss als sein Vorgänger.

Es gibt aber auch bei der Geschichte Schwächen. Das Superhelden-Casting wirkt durch seine humorige Art etwas deplatziert. Der Cliffhanger ist gut, verschenkt aus meiner Sicht aber Wucht, weil er sich etwas zu geheimnisvoll gibt. Die sozialkritischen Anspielungen, ja die Anspielungen überhaupt, sind mitunter etwas direkter, als ihnen gut tut. Die Homosexualität zweier Charaktere wird meiner Meinung nach etwas zu sehr in den Vordergrund gerückt. Dafür mag es historische Gründe geben, immerhin spielt Before Watchmen in den 60er Jahren, aber der moderne Leser ist doch eher gelangweilt, wenn zum dritten Mal, wie nebenbei, aber eben doch penetrant auffällig, darauf hingewiesen wird, wie schwierig, gefährlich und überhaupt die Beziehung zwischen zwei Charakteren doch sei. Dabei weiß man über die Charaktere kaum etwas, es wird fast nur über sie geredet, sie werden thematisiert. Schade, das Thema hätte eine bessere Behandlung verdient.

Fazit: Before Watchmen – Minutemen #2 bietet nix Neues, aber es unterhält gut. Das ist etwas weniger als die anderen Before Watchmen-Serien bieten, aber immerhin eine Verbesserung im Vergleich zum ersten Teil.

Before Watchmen – Ozymandias #1 Review – Die Leiden des jungen Veidt

Weiter geht es mit „Before Watchmen„, einer Art Spin-Off des Kultcomics „Watchmen“ von Alan Moore und gezeichnet von Dave Gibbons. Trotz seines Alters ist Watchmen immer noch sehr lesenswert, allerdings lassen sich 20 Jahre nach Ende des kalten Krieges Abnutzungserscheinungen feststellen. Watchmen stellt aktuelle Fragen, ist selbst aber in vielen Anspielungen nicht mehr aktuell. Diese Woche werfe ich einen Blick auf „Before Watchmen – Ozymandias #1„, geschrieben von Len Wein (das ist der Herr, der auch den Piratencomic am Ende jedes Heftes schreibt), gezeichnet von Jae Lee.

Before Watchmen - Ozymandias #1 Cover

Die Figur von Ozymandias, die auf uralten Wurzeln wie Alexander dem Großen oder den ägyptischen Pharaonen fußt, altert erstaunlich langsam. In ihrer Zeitlosigkeit ist sie ungebunden an tatsächliche Verhältnisse. Der schlaueste Mensch der Erde ist der schlauste Mensch auf Erden, zu jeder Zeit. Ozymandias ist der schlaueste Mensch der Welt und wie sein Vorbild Alexander will er die Welt erobern. Ozymandias spielt eine zentrale Rolle in Watchmen, welche genau kann ich hier nicht verraten, der eine oder andere mag vielleicht ja Watchmen noch lesen. Übrigens quasi die Gegenwart in Ozymandias #1, auch wenn das nur kurz anklingt und für die bisherige Geschichte unbedeutend ist.

Before Watchmen – Ozymandias #1 macht sich daran, uns den Menschen hinter Ozymandias ein wenig näher zu bringen. Wein zeigt uns, was mit Adrian Veidt geschah, bevor er sich sein Kostüm anzog und zu Ozymandias wurde. An der Geschichte ist nichts neu. Selbstfindung, Liebe, Tod – alles Klischees. Wein verlässt sich beim Erzählen sehr auf Worte, Ozymandias #1 ist textlastig. Das hat mich aber nicht gestört, denn Len Wein nutzt einen recht hübschen, manchmal fast poetischen Erzählstil, um uns die Geschichte aus der Sicht Adrian Veidts nahezubringen. Wir schauen Veidt beim Denken zu und was er denkt ist oft kalt und distanziert, durchbrochen allerdings von Momenten der Zuneigung einzelnen Menschen gegenüber. Veidt ist auf der Suche. Wir folgen ihm von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter und lernen, ihn etwas besser zu verstehen. Ich habe zwar keine große Sympathie für ihn entwickelt, aber das ist auch nicht gewollt. Adrian Veidt, der Mensch, verschwindet zunehmend und zum Vorschein kommt Ozymandias, ein gottähnliches, amoralisches Wesen. Was sich ein bisschen mit dem Motiv beißt, das Wein sich für die Verwandlung ausgedacht hat. Das ist nämlich ein sehr emotionales. Ich bin gespannt, ob Len Wein das noch vernünftig auflösen kann.

Before Watchmen – Ozymandias #1 ist gut, aber nicht herausragend erzählt. Seine größte Qualität liegt in den Zeichnungen von Jae Lee (Dark Tower). Er zeichnet Personen sehr detailliert und warm. Lebendig. Sie sehen einfach ganz wundervoll aus. Hintergründe gibt es kaum. Schaut euch mal diese Bilder an:

Before Watchmen Ozymandias #1 Seite

Eine Seite aus Before Watchmen Ozymandias #1

Before Watchmen Ozymandias #1

Eine Seite aus Before Watchmen Ozymandias #1

Before Watchmen Ozymandias #1

Eine Seite aus Before Watchmen Ozymandias #1

Sind die nicht wunderschön? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich der Stil nicht sehr schnell abnutzt, aber noch bin ich verliebt in Jae Lees Art zu zeichnen. Die gute Geschichte und die grandiosen Zeichnungen machen Ozymandias zu meinem bisherigen Lieblingsheft aus der Reihe.

Fazit: Der Aufwärtstrend setzt sich fort. Insgesamt bewegt „Before Watchmen“ sich auf einem sehr hohen Niveau. War ich anfangs skeptisch, ob „Before Watchmen“ der Serie schaden oder nützen würde, so bin ich mir zunehmend sicher, dass es eine Bereicherung darstellen wird.

Before Watchmen – Minutemen #1 Review (Das verloren geglaubte Originalreview)

Ha, mein Original-Review zu „Before Watchmen – Minutemen #1, das ich verloren glaubte, ist wieder aufgetaucht. Es war nicht verschwunden, die WordPress-App für Android hat lediglich das Veröffentlichungsdatum auf den 1.1.1970 gesetzt. Ihr habt jetzt die Möglichkeit, dieses Review mit meinem anderen Review desselben Comics, beide recht zeitnah geschrieben, zu vergleichen. Das hier ist immerhin annähernd drei Mal so lang.

Als ich zum ersten Mal davon hörte, dass DC sich daran wagen wolle, neue Watchmen Comics zu veröffentlichen, reagierte ich skeptisch. Schließlich ist Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons einer der besten, wenn nicht sogar der beste Comic der Welt. Hinzu kommt, dass Watchmen, untypisch für einen Superheldencomic, sehr abgeschlossen ist. Der Leser weiß, was es zu wissen gibt. Wenn die Geschichte erzählt ist, bleibt nur Recycling. In gewisser Weise hat man das auch bei DC verstanden und konzipiert Before Watchmen als Prequel. Aber: Kennt ihr ein Prequel, das besser ist als das Original? Mir fällt keins ein. Skepsis erschien mir allein deshalb angebracht. Auch die schiere Menge von Heften, deren Gesamtheit Before Watchmen ergibt, irritierte mich.

Mein Lieblingscomicdealer quitzi vom groben Unfug hat mir ein Reziexemplar von Minutemen #1 zukommen lassen. Zwar heißt es: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, aber genau das werde ich im Folgenden tun.

minutemen #1 cover

Beim Erstkontakt fällt dem geneigten Leser das Hochglanzcover ins Auge, mit dem DC offenbar punkten will. Ihren anderen Reihen spendieren sie diesen Luxus schließlich nicht. Umso mehr enttäuscht daher allerdings das unspektakuläre Motiv. Darwyn Cooke, der Minutemen #1 als Autor und Zeichner quasi allein stemmt, hat sich dabei nicht mit Ruhm bekleckert. Ein generelles Problem von Minutemen #1, aber dazu später mehr. Für ein Cover ist sein Motiv nicht detailliert und sorgfältig genug gezeichnet. Es kommt keine Stimmung auf.

Das Niveau setzt sich leider im Heft selbst fort. Ich mag viele Zeichner und nur selten einen generell nicht und würde mich als offen für viele Stile bezeichnen, aber Cooke ist überhaupt nicht mein Fall. Seine Charaktere wirken steril, die Zeichnungen wie talentiert hingeschludert. Aber Zeichnungen sind nicht alles. Auch das originale Watchmen bestach weniger durch die zwar guten, aus heutiger Sicht aber etwas altbacken wirkenden Zeichnungen von Gibbons als durch seine Geschichte (die aber von Gibbons großartig bebildert wurde, damit hier nicht das Missverständnis aufkommt, ich würde sie nicht gelungen finden). Cooke hingegen schafft es nicht einmal, die richtige Atmosphäre für seine eigene Geschichte zu schaffen. Es ist mir unverständlich, wieso die Wahl für einen so wichtigen Titel auf ihn fiel. Hätte man lieber Jeff Lemire genommen, der kann ebenfalls zeichnen, allerdings auf viel höherem Niveau. Als Autor kann ihm momentan ebenfalls kaum einer das Wasser reichen. Selbst ein Scott Snyder muss sich ordentlich anstrengen, will er da mit halten und der ist meiner Meinung nach der beliebteste Autor im aktuellen DC-Aufgebot.

Ach ja, die Geschichte. Tja, es gibt keine. Stattdessen erleben wir jeweils kurze und weitenteils langweilige Episoden von 2-4 Seiten aus dem Leben verschiedener Charaktere, die in Watchmen mehr oder weniger wichtig waren. Die Verbindung zwischen all den Episoden: Im Detail noch unklar, in der Ausführung unkreativ. Die Minutemen werden rekrutiert. Es gibt Comichefte, die dienen fast oder ausschließlich der Einführung der Charaktere oder dem World Building. Was Cooke hier abliefert toppt allerdings so ziemlich alles: World Building? Kaum vorhanden. Allerdings mag ein Neuleser das anders sehen. Charaktere? Die, die man kennt, gewinnen nicht an Tiefe, im Gegenteil, sie wirken flach. Die neuen Charaktere bleiben blass.

Am Ende ist jemandem bei DC offenbar noch aufgefallen, dass Piratencomics in Watchmen eine gewisse Rolle spielten, also hat man einfach am Ende 2 Seiten belanglosen Piratencomic angeflanscht, ohne Beziehung zum Heft. Wo Watchmen kunstvoll Bedeutungsebene auf Ebene legte, versucht Cooke gar nicht erst irgendwelche Fäden zu spinnen. Er erzählt wie auf dem Reißbrett. Von Moores mäanderndem, vieldeutigem Meisterwerk ist Minutemen denkbar weit entfernt. Unwahrscheinlich, dass ich mir die 6 Bände antun werde. Nächste Woche erscheint Silk Spectre #1, das werde ich mir anschauen. Zwar auch wieder von Darwyn Cooke geschrieben, aber immerhin gezeichnet von Amanda Conner, die ich ziemlich gern mag. Allein das Cover macht schon deutlich mehr Lust auf den Comic als das von Minutemen #1.

Before Watchmen – Nite Owl #1 Review

Bisher ist Before Watchmen nach subjektiv enttäuschendem Start (der allerdings immer besser wird, je mehr Hefte der Reihe man kennt) von Woche zu Woche besser geworden. Wird Nite Owl #1 diesen positiven Trend fortsetzen können?

Before Watchmen- Nite Owl #1 Cover

Das Cover von Nite Owl verrät es nicht, es kommt eher unspektakulär daher. Erinnert, wie Nite Owl allgemein, etwas an Batman. Da hatten andere Hefte der Reihe bereits mehr zu bieten. Aber kaum schlägt man das Heft auf, fühlt man sich als alter Fan zuhause. Die Zeichnungen von Andy Kubert (Inker: Joe Kubert; DER Joe Kubert? Irgendwie wohl schon) schaffen es, an das Original zu erinnern und zugleich modern und frisch zu wirken. Großes Kompliment an Kubert. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass man sich bei DC wirklich Gedanken zur Wahl der Autoren und vor allem Zeichner gemacht hat. Ein Gefühl, das ich bekanntermaßen zu Beginn der Reihe noch nicht hatte. Je mehr vom Gesamtbild zu erahnen ist, umso deutlicher schält sich ein Zusammenhang heraus und es deutet sich etwas an, das unter Umständen tatsächlich sehr groß wird. Man wird sehen.

Die Handlung will ich gar nicht spoilern, nur soviel: Sie ist gut. Spannend, ein bisschen politisch, leicht pessimistisch, für die gewisse Tiefe, die wir an Watchmen so mögen. Wir erfahren etwas mehr über Nite Owl, allerdings zugegebenermaßen absolut nichts, was wirklich überrascht. Wer das Original kennt, kommt trotzdem auf seine Kosten. Straczynski trifft bisher am Ehesten den Ton der Originalserie. Als einziges Heft könnte Before Watchmen – Nite Owl tatsächlich Teil von Watchmen sein.

Ein viel größeres Kompliment könnte ich kaum machen. An Nite Owl ist nicht viel auszusetzen. Außer natürlich, dass ich Nite Owl als Charakter nicht sonderlich spannend finde, zumal im Vergleich mit anderen Watchmen. Aber nächstes Mal feiert mit Ozymandias einer der spannendsten Charaktere überhaupt seinen Einstand. Watchmen-Kenner wissen um seine Bedeutung für die Reihe. Ich bin gespannt.

Ausgenommen von dieser Lobhudelei ist wieder mal die Piraten“story“. Ich lese sie noch, finde sie auch immer noch gut gezeichnet, aber sie wirkt immer deplatzierter, unnötiger und zielloser.

Before Watchmen – The Comedian #1 Review

Der Comedian ist sicher eine der interessanteren Figuren in Watchmen. Mit seinem Fall beginnt die Geschichte und es ist an ihm, zu illustrieren, wie tief der amerikanische Traum sinken kann. Der Comedian lacht, weil ihm alles egal ist. Wie gut oder schlecht ist sein Auftritt in Before Watchmen?

Before Watchmen - Comedian #1 Cover

Das Cover ist nicht direkt schön, aber es ist interessant und irgendwie sehr passend. Die Ledermaske, die einen an Fetisch und S/M denken lässt, das breite Grinsen, das an einen Smilie denken lässt, der Blutfleck hat auf der Maske ist sogar 1:1 der vom Cover von Watchmen – die Anspielung auf die Originalserie sind sehr deutlich, aber trotzdem gelungen.

Geschrieben wurde Comedian #1 („Smile“) von Brian Azzarello, den man sonst eher durch Vertigo-Titel kennt (100 Bullets, aktuell Spaceman) oder durch den aktuellen, eher kontrovers diskutierten Run von DC Comics Wonder Woman. Für die Zeichnungen war J.G.Jones (Final Crisis, Wanted,Wonder Woman: The Hiketeia!) zuständig. Erwähnenswert sind bei Comedian #1 auch die Farben. Kolorist Alex Sinclair setzt vor allem auf blaue und orange Töne, was den Comic recht interessant wirken lässt. Trotzdem haut mich auch Comedian vom Zeichnerischen her nicht um, ist eher gehobener Standard. Comedian soll letzlich aus sechs Heften bestehen.

Azzarello ist ein guter, mitunter herausragender Erzähler und Comedian #1 ist inhaltlich bisher auch mein Favorit in der Reihe Before Watchmen. Aber 100 Bullets hatte erzählerisch eine ganz andere Wucht. Selbst ein Brocken wie Spaceman begeistert mich mehr. Vielleicht liegt das an der größeren kreativen Freiheit, die Azzarello bei diesen Titeln hat. Auch Wonder Woman ist ja ein Comic, der stets zwischen „Super“ und „Was hat er sich denn dabei gedacht?“ oder, schlimmer noch, „Was ist denn da grad passiert?“ schwankt. Die Dialoge sind manchmal großartig und manchmal zu kryptisch, um verstanden zu werden. Ganz so anspruchsvoll ist Comedian dann doch nicht, dafür fehlen hier aber auch die richtigen Aha-Effekte, wie sie Silk Spectre #1 letzte Woche noch bot („Oh Sweetie, You’re too young to hate. Wait until you’re older and the world gives you a good reason.“, eine tolle, berührende Szene, gleichzeitig die Szene, die bisher für mich am Ehesten den Watchmen-Ton getroffen hat.)

Auch der Comedian beginnt „meta“. Es spielt Musik, wir lesen den Text, während ein jüngerer Comedian dem Bett entsteigt und einen Baseball zur Hand nimmt. Alles ist in blau getaucht. Es folgt eine etwas verwaschen wirkende Szene, schwer zeitlich einzuordnen, in der der Comedian (Eddie) mit John F. Kennedy und seinem Bruder Ted Baseball spielt. Diese steckt voller Andeutungen auf eine homoerotische Beziehung zwischen „Eddie“, „Jacky“ und „Teddy“. Es tummeln sich überhaupt viele Berühmtheiten aus den 60ern in Comedian #1. Die Kennedys (inklusive Jacky Onassis), Gangsterboss Sam Giancana, Marilyn Monroe – Azzarello gibt sich viel Mühe, den Leser in die Zeit zu versetzen und es funktioniert und macht Spaß. Auch wenn er nicht jede Anspielung auf dem Silbertablett serviert, wer sie versteht (notfalls die Namen googeln), hat noch mehr Spaß.

Leider verbaut er sich damit gleichzeitig die Chance auf einen wirklich schockierenden Schluss und damit ein richtig gutes Heft. Schlecht ist der Schluss trotzdem nicht, die interessantesten Dinge passieren aber eben davor und der „Cliffhanger“ verweist in die Zukunft, die spannend werden dürfte.

Comedian ist insgesamt aus meiner Sicht das bisher beste Heft der Reihe, knapp gefolgt von Silk Spectre #1. Am Schlechtesten ist bisher Minutemen #1, allerdings gewinnt das mehr und mehr an Reiz, je mehr Geschichte nachgeliefert wird. Es bildet eine Art „Rahmen“ für die spannenden Geschichten, ist selbst aber unspannend. Ich weiß nicht, ob ich die Entscheidung, mit einem eher lahmen Heft zu beginnen, richtig finde, aber ich finde sie zunehmend machbar.

Zu guter Letzt bleibt einmal mehr Verwunderung darüber, wie uninspiriert man die Piratengeschichte einsetzt. Hier wird viel Potential verschenkt, gerade die Zeichnungen von John Higgins sind durchaus gut und auch die Geschichte, die er zusammen mit Len Wein ersann, könnte Potential haben, aber auf jeweils 2 Seiten kann sie sich unmöglich entfalten. Effektiv wird sich seit drei Heften gegenseitig kielgeholt, das ist nicht sonderlich spannend.