Schlagwort-Archive: btw09

Was bleibt nach der Wahl?

Legen wir den gestrigen Tag zu den Akten. Die Folgen müssen wir noch lang genug ertragen. Schauen wir kurz zurück, um uns über beachtliche 2% Wählerstimmen für die Piratenpartei zu freuen. Blicken wir dann aber konsequent in die Zukunft. Es gibt viel zu tun.  So schlimm schwarz-gelb für uns alle auch werden wird- für die Piratenpartei ist es ein Glücksfall, denn ihr Einsatz für Bürgerrechte und gegen staatliche Willkür werden wichtiger sein als je zuvor. Im besten Fall weiß in 4 Jahren endlich jeder, wozu die CDU fähig ist und wohin uns radikaler Neoliberalismus führen wird. Klar, besser wäre es gewesen, die Wähler hätten das schon früher verstanden, aber egal wie schlimm es in ein paar Jahren aussehen wird: Zu spät gibt es nicht. Der Kampf um die Freiheit geht weiter. Die Piratenpartei wird eine zentrale Rolle in ihm spielen und langfristig stärker sein als je zuvor.

Ein schwarzer Tag für Deutschland

Heute ist ein trauriger Tag. Irgendwie kann man sich in Deutschland darauf verlassen, dass genau das eintritt, was man am meisten befürchtet hat. Erste Prognosen bestätigen eine schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag. Was so niedlich „Tigerentenkoalition“ genannt wird, ist aus meiner Sicht das Schlimmste, was uns passieren konnte. Mit einem FDP- Wirtschaftsminister aus der Wirtschaftskrise– das ist so absurd, dass es witzig wäre, wenn es nicht ernst gemeint wäre. Ich verstehe nicht, was viele Menschen sich gedacht haben und mutmaße, dass sie so gewählt haben, wie die kleine Schwester meiner Süßen:

-Wen hast du gewählt? Doch nicht CDU, oder?

Schweigen.

-Du hast doch nicht CDU gewählt?

Schweigen.

-Ist das dein Ernst?

Leises „Ja“

-Aber wieso? Bist du für Studiengebühren?

-Nein, aber die andern würden sie doch auch nicht abschaffen.

-Richtig. Weil sie sie gar nicht erst eingeführt haben. Bist du für mehr Überwachung?

-Nein.

-Wieso verdammt hast du dann CDU gewählt?

-Weil ich die Merkel gut finde.

In den nächsten 4 Jahren werden wir also nicht nur weiterhin von Laien und Sicherheitsfanatikern regiert, zusätzlich soll ein Neoliberaler uns aus der Krise führen, eine penetrante Lügnerin unsere Kinder schützen und ein Überwachungsfreak soll für unsere Sicherheit sorgen. Und selbstverständlich fühlen diese Deppen sich vom Wahlergebnis in ihrem Irrsinn auch noch bestätigt. Herzlichen Glückwunsch Deutschland, du hast es nicht anders gewollt.

Ti_Leo verlinkt einmal mehr nach seiner Meinung Lesenswertes

Wenn ihr auch mal wieder was Kritisches, aber Konstruktives lesen wollt, klickt ihr hier und lest etwas über die Zukunft der Piratenpartei. Über Chancen und Risiken. Wer will, kann verdammt viel Input aus dem gar nicht so langen Artikel ziehen. Ich finde ihn verdammt gelungen, er spricht mir quasi aus der Seele. Auch ich fürchte, dass er am Sonntag etwas Trost spenden und den Weg weisen wird. Aber hey- kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, falls es nicht klappt mit 5 Prozent. Es brechen so oder so interessante Zeiten an. Es wird Veränderungen geben. Wenn nicht am Sonntag, so doch bald! Es hat bereits begonnen.

Geht verdammt nochmal wählen!

Am 27.09. ist Bundestagswahl. Geht verdammt nochmal wählen! Völlig egal welcher politischen Meinung ihr seid. Wählt von mir aus CDU oder FDP, es ist mir gleich, darum geht es mir nicht. Hauptsache ist: ihr setzt euch für etwas ein. Lasst euch nicht von schlecht gemachten Werbespots abschrecken, die uns zum Wählen motivieren sollen, aber stattdessen nur abtörnen, weil sie unlustig sind. Ihr seid jung und idealistisch, ihr könnt die Welt verändern und verbessern. Dieses Mal gibt es keine Ausreden. Jeder von euch bevorzugt eine Partei. Euch alle stört irgendetwas. Und selbst wenn das nicht der Fall sein sollte: Dann wollt ihr eben, dass alles bleibt, wie es ist. Fakt ist: Ihr müsst die Wahlunterlagen suchen, euch aus dem Bett und in das Wahllokal quälen, um dort euer Kreuz, euren Kringel, den Haken zu setzen. Nutzt eure Chance. Lasst euch nicht einreden, dass es sowieso sinnlos wäre. Das ist es nur, wenn ihr es zulasst, indem ihr schweigt. Glaubt mir: Wir können etwas ändern!

Mein persönlicher Alptraum:

Westerwelle dank einer Stimme zum Kanzler gewählt.

(Habe dieses Video leider bei youtube nicht entdeckt, würde es gern direkt hier einbinden. Wenn es einer nachreicht, kriegt er einen Keks!)

Warum Ti_Leo Piratenbashing gut findet

Okay, die Grünen und Linken wettern bei Twitter und in der Taz gegen die Piraten. Bestimmte Blogs tun es ebenfalls. Manchem, der die Piraten gern bei der Bundestagswahl die 5%-Hürde knacken sehen würde, passt das nicht. Kann ich durchaus verstehen, nur frage ich mich: Mit welcher Argumentation kann man denn etwas gegen eine politische Auseinandersetzung haben? Mir fällt keins ein. Für mich gehört genau das zu freier Meinungsäußerung. Jeder darf über die Piraten sagen, was er denkt. Ich empfinde es als unpiratig, wenn man Menschen den Mund verbieten will, weil sie das falsche denken und die Piratenpartei unwählbar oder einfach kacke finden. Ich finde es unpiratig, wenn Andere beleidigt werden oder wenn man sich dem Gespräch entzieht. Das Blöde ist: Andere dürfen das, sie schaden dann ihrem Ruf. Meiner liegt mir am Herzen. Jeder darf sich blamieren, ich würde mich aber nie unter ein gewisses Niveau begeben, nur um contra geben zu können. Manches muss ich einfach hinnehmen. Frau von der Leyens ewige Lügen. Schäubles Stasi-Statements. Das Piratenbashing von Zeitrafferin, fixmbr und wie sie alle heißen.

Mein Glück: Die sind mir ziemlich egal. Was sie schreiben, ist nicht gut genug, um mich ernsthaft zur Auseinandersetzung zu zwingen. Ich muss ihre Artikel nicht einmal auseinander nehmen, um zu zeigen, wie unsachlich hier teilweise vorgegangen wurde.

Auslöser der neuesten Diskussionen war ein Artikel von Andreas Popp in der Jungen Freiheit, einem national-konservativen Blatt. http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M53306d54de9.0.html

Nationalkonservativ bin ich zu 100% überhaupt gar nicht, den Artikel fand ich aber gut. Popp hat klar gemacht, wo die Piraten seiner Meinung nach politisch stehen, nämlich nicht rechts. Klar, keine wirkliche Überraschung, aber er sagt das in einer rechten Zeitung, erreicht dort also ne ganze Menge Menschen, von denen die Piraten wollen, dass sie wissen, dass sie sich nicht einspannen lassen.

Jetzt wird ihm vorgeworfen, dass er damit dieser Zeitung nützt und in gewisser Weise stimmt das vielleicht. Aber eigentlich kann er nur dem nichtlesenden Leser dieser Zeitung nützen, wer den Artikel liest, stellt schnell fest, dass es Popp gut gelungen ist, das „richtige“ zu sagen. Und natürlich muss man auch mit Rechten reden. So wie man mit Linken und Piraten diskutieren muss.

Was mir nicht gefiel, war Popps Entschuldigung. http://andipopp.wordpress.com/2009/09/14/zum-interview-mit-der-jungen-freiheit/ Statt nochmal klarzustellen, dass sein Freiheitsbegriff auch einschließt, mit politischen Gegnern sachlich zu diskutieren, macht er auf Unkenntnis und diskreditiert dadurch nicht nur sich selbst, sondern die ganze Partei. Medienkompetenz? Sechs setzen. Das hätte man vermeiden sollen. Nicht das Interview.
Problem ist also: Laut Meinung mancher (einiger), haben die Piraten mal wieder einen Fehler gemacht. Wie schon mehrmals geschehen, holen sie ihre Keulen raus und werfen den Piraten Blindheit auf dem rechten Auge vor. Moment: Streng genommen ist das kein Problem, sondern politische Praxis. Problem ist viel eher die Reaktion manches Piraten auf solch eine Auseinandersetzung. Auf einen schlechten Text mit Beleidigungen zu reagieren, schadet nicht dem Textschreiber, sondern dem Beleidigenden. Beleidigungen haben hier nichts verloren. Bloggt gegen die Negativ- Blogs an. Redet miteinander und mit anderen.
Für die Bundestagswahl ist das bisschen Auseinandersetzung mit den Piraten irrelevant oder es wird sich sogar positiv auswirken. Für eine junge  Partei, die noch immer nicht der Großteil der Bevölkerung kennt, gibt es keine schlechte Publicity. Alles nützt ihrem Bekanntheitsgrad. Und das ist gut. (Was nicht heißt, dass sie nochmal Fehler machen muss. Wenn sie sich vermeiden lassen, bin ich sehr dafür, vorher nachzudenken.^^) Wichtig ist, wie die Piratenpartei damit umgeht. Ziemlich gut, meiner Meinung nach. Wichtig ist auch, wie ihre Anhänger damit umgehen. Und da kam es zu Beleidigungen, was ich klipp und klar scheiße finde. Und da kann ich dann manchmal fast verstehen, warum die Kritiker teils auch überreagieren. Lasst uns zurückkehren zu sachlichen Diskussionen. Das hat lange Zeit so gut funktioniert. Auch und gerade kurz vor der Bundestagswahl wäre es ein falsches Signal, in Panik zu geraten und über die Stränge zu schlagen.