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ti_leos Links der Woche (KW 19)

Endlich wieder Links der Woche. Es gab viel zu tun und wenig Zeit zum Lesen und Bloggen. Aber jetzt! Los geht’s mit Menschen, die sich für tot halten.

ti_leos Links der Woche KW 19

Menschen, die unter dem seltenen Cotard-Syndrom leiden, glauben von sich, sie wären eigentlich tot. Daher hat man dem Syndrom auch den Namen Walking Corpse Syndrome gegebenSeit Entdeckung der Krankheit 1880 wurden knapp 100 Fälle von Cotard-Syndrom dokumentiert. Für Living with the Dead ist Erika Hayasaki nach Mexiko gereist und hat mit Patienten, Angehörigen und Ärzten gesprochen. Spannendes Thema, das auch mal wieder zeigt, wie fragil das Gleichgewicht eigentlich ist, das Menschen mehr oder weniger „normal“ funktionieren lässt und wie schwerwiegend Veränderungen in diesem System sich auswirken können.

Apropos menschliche Psyche: Sagt euch ASMR was? ASMR steht für autonomous sensory meridian response, ein wissenschaftlich nicht bewiesenes Phänomen, das sich wie ein angenehmes Kribbeln im Hirn anfühlen soll. Man kommt zur Ruhe. Um diesen Zustand zu erzeugen werden Videos produziert, die Millionen mal geklickt werden. Eine der bekanntesten ASMRtists ist Ally Maque und deren neueste Videos überschreiten die Grenze in Science Fiction-Territorium. Sehenswert! Lest unbedingt auch den Artikel The brain-tingling world of ASMR collides with science fiction für die Hintergrundinfos.

Warum Katniss Everdeen, die Protagonistin von Suzan Collins Hunger Games Trilogie, eine der Ikonen moderner Popkultur ist wichtiges Vorbild für viele jugendliche Frauen, so ein guter und wichtiger Charakter ist und mit welchen „Tricks“ Collins diese faszinierende Heldin geschaffen hat, könnt ihr in dem Artikel The Antianorexic Heroine erfahren. Katniss’s destiny is to be enormous.“

Interessante Gedanken zu (unbezahlter) Arbeit, Verantwortung, Mega-Maschinen & Mega-Algorithmen, Kollaboration im Digitalen und der Kommerzialisierung jedes Lebensbereiches macht sich Jathan Sadowski in dem Essay From Mega-Machines to Mega-Algorithms. Mir persönlich zu technologiekritisch und was Kapitalismus mit dem Ganzen zu tun haben könnte, wird ausgeblendet. Trotzdem lesenswert.

Um den wichtigen Kampf bisexueller Menschen gegen Vorurteile und Diskriminierung und um Anerkennung ihrer sexuellen Identität geht es in The Scientific Quest to Prove Bisexuality Exists.

Im Rahmen der Aktionstage Politische Bildung hat Stefan vom Cyborgs e.V. im Podcast mit Rena Tangens von Digitalcourage, Mike Karst von Amnesty International und Jöran Muuß-Merholz über Menschenrechte im digitalen Zeitalter diskutiert.

In the basement with transhumanism’s DIY cyberpunks muss ich euch natürlich empfehlen. Ein toller Text über Transhumanismus und speziell über DIY Biohacker und Grinder, in dem es auch um Grindhouse Wetware und Tim Cannon geht. Tim war ja noch in der Gründungsphase des Cyborgs e.V. bei uns zu Besuch, was der Artikel auch erwähnt. Warum Tim allerdings von der c-base als „Schloss“ spricht – keine Ahnung.

Geschlecht wird konstruiert und Unisex ist tot. Wie kommt das? Styles for Him—and Her geht der Frage nach, warum die heutige Mode viel geschlechtsspezifischer gestaltet ist als noch in den 1950ern mit ihren rigiden Rollenbildern.

Das sehr persönliche Essay über weiblichen Schmerz, Verwundungen und Leiden von Leslie Jamison spricht sicher nicht jeden Leser an, aber wenn es einen anspricht, ist Grand Unified Theory of Female Pain ein sehr wertvoller Text, längst nicht nur für Frauen.

Reddits The Button kennt ihr? Falls nicht, ich hab da schon drüber geschrieben. Gestartet am 01. April läuft der Countdown immer noch und alles ist mittlerweile ziemlich komplex. Ein total spannendes soziales Experiment. Well done, Reddit, auch wenn der Sinn der Aktion nachwievor rätselhaft ist.

Surprise! Bitcoins haben ein Frauenproblem. Man schätzt, dass 96% der Bitcoin-Community männlich sind. Vom Erfolg der Währung würden also wie so oft fast ausschließlich Männer profitieren. Die dann Frauen im NSFW subreddit r/GirlsGoneBitcoin mit Bitcoins fürs Posieren bezahlen. Neue Währung, gleiche Verteilung.

What’s life like for a man who tastes words? gibt euch eine Vorstellung davon, wie lebt es sich mit Synästhesien lebt. Wie es ist, wenn Konsonanten einen Geschmack haben und Namen nach Joghurt und das Wort Joghurt nach Haarspray schmecken.

Ich finde es immer noch schwer, zu glauben, dass ein Online-Marktplatz für Drogen wie Silk Road überhaupt jemals funktionieren konnte, aber es gab ihn bekanntermaßen, sogar recht lange. Bei Wired gibt es einen tollen Long-Read über die unglaubliche und unerzählte Geschichte hinter Silk Road. Am 14. Mai erscheint ein zweiter Teil, die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt.

Die Grenze zwischen Virtualität und Realität verschwimmt zusehends. Unser Gehirn hält beides für real, wenn die Parameter stimmen. This Is Your Avatar Speaking stellt spannende Fragen zum Selbstbild in Zeiten von Avataren.

Trau keinem Otter. Dass Otter fiese Gesellen sind, war mir bekannt, aber in welch epischem Ausmaß sie grauenvolle Dinge tun, war mir bisher nicht bewusst. Ich werde Otter leider nie mehr so sehen können wie bisher. The case against otters: necrophiliac, serial-killing fur monsters of the sea.

Die Story, die GamerGate letzte Woche am meisten geärgert hat, war Game of Fear. Aus gutem Grund: Zeigt sie doch deutlich, dass #GamerGate von Beginn an ein Mob war, der in erster Linie Frauen belästigt und bedroht hat.

Aufstieg und Fall des Steven Seagal in Russland beleuchtet Putin’s Action Hero: How Steven Seagal Became the Kremlin’s Unlikeliest Envoy. Wie konnte es dazu kommen, dass ausgerechnet der nahezu völlig aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwundene Actionfilm-Schauspieler Steven Seagal zum zeitweilig wahrscheinlich mächtigsten Nicht-Russen im Land aufsteigen konnte? Ziemlich wilde Geschichte.

Sexbots sind auch so ein faszinierendes Thema. Is This the Dawn of the Sexbots? (NSFW) gewährt einen Blick hinter die Kulissen des „Rolls Royce unter den Sex Doll-Fabrikanten“ und beschäftigt sich mit den Gründen, die zur Entstehung von Sexbots führten, was das über uns und unsere Sexualität aussagt, warum das Thema viele Menschen so fasziniert (Stichwort Blade Runner, Real Humans, Her, Ex Machina) und was es für die Zukunft bedeuten könnte.

The Onion hat als Satire auf Zeitungen mit denselben Prolemen wie diese zu kämpfen. Printsterben, Monetarisierung ihres Contents online, etc. Letztlich zwingt das The Onion sich genauso wie die persiflierten Zeitungen zu handeln. Oh the irony! The Onion is not a Joke.

Sorry, Etsy. That Handmade Scarf Won’t Save the World.

Zum Schluss noch ein Long Read, den ich euch sehr ans Herz lege, jetzt wo ihr bis hierhin gekommen seid: GHOSTS OF IGUALA Mexico: How 43 students disappeared in the night. Großartiger Journalismus. Es geht um Verschwörungen, Normalistas, falsche Anschuldigungen und absichtliche Lügen, Social Justice, Bandenkriege, Ermordungen, Erpressungen und Entführungen, Drogen, korrupte Politiker und das organisierte Verbrechen, zivilen Ungehorsam und Protest. Selbst die Armee mischt mit.

Zwei unglaubliche Zahlen aus dem Artikel: Aktuell gelten laut offiziellen Angaben über 22.000 Bürger Mexikos als vermisst und es wird angenommen, dass seit 2006 70.000 Menschen beim Durchqueren des Landes spurlos verschwunden sind.

Das ist jetzt echt lang geworden, aber ihr könnt euch die Links ja einteilen. Wer weiß, wann ich das nächste Mal zum Bloggen komme. ;)

Internationales Cyborg-Meetup via Hangout

Für eine bessere Vernetzung zwischen Cyborg-Vereinigungen findet zukünftig am ersten Samstag im Monat ein Cyborg Meetup via Google Hangout statt. Der Hangout ist öffentlich und ist danach auch bei Youtube komplett einsehbar. Ich empfehle euch aber, beim nächsten Mal live dabei zu sein und vielleicht die eine oder andere Frage zu stellen, die euch unter den Nägeln brennt. Gerade für Nicht-Berliner, die sich für das Thema Cyborgs interessieren sicherlich eine tolle Möglichkeit, Cyborgs und Aktivisten aus der ganzen Welt besser kennenzulernen.

Teilnehmer am ersten Cyborg Meetup waren Neil Harbisson und Moon Ribas von der Cyborg Foundation Barcelona, Lucas Dimoveo für Grindhouse Wetware, Stefan Greiner, Enno Park und Rin Räuber für den Cyborgs e.V. Moon war leider etwas erkältet und Tim (Cannon) hat’s nicht rechtzeitig zum Hangout geschafft. Ich hab nur zugehört.

Hier der komplette Mitschnitt des ersten Cyborg Meetups, das am 04.01.2014 19 Uhr unserer Zeit statt fand. Das Video taugt ganz gut als eine Einführung. Zuerst stellt jeder Teilnehmer sich und seine Projekte kurz vor und gibt einen Ausblick auf Pläne für 2014. Danach wird konkretes Wissen ausgetauscht und ein bisschen in die Zukunft geschaut.

Cyborg-Content – Tim Cannons Circadia in Action

Das hier wollte ich euch noch nachreichen. Am 17. Oktober hat sich Tim Cannon von Grindhouse Wetware in Essen sein Circadia einpflanzen lassen (ich schrieb darüber). Ist offenbar alles gut gegangen und ihr könnt euch das Ergebnis anschauen (die Quali im ersten Video ist allerdings grottig).

Eine kleine Warnung noch: Wer empfindlich auf Body Modifications und OP-Narben reagiert, sollte sich die Videos vielleicht lieber nicht anschauen. Man sieht zwar in jedem Horrorfilm fiesere Sachen, aber das hier ist real, da reagiert die eine oder andere von euch vielleicht stärker.

Falls eure Neugier geweckt ist oder ihr mal Menschen treffen wollt, die sich für das Thema interessieren, um ihnen Fragen zu stellen: Momentan gründet sich in Berlin der Cyborgs e.V., auch in anderen Städten gibt es bereits Bestrebungen in dieser Richtung. Am besten einfach den Newsletter abonnieren, dann seid ihr stets auf dem Laufenden. Oder, für die Berliner unter euch: Einfach in der c-base vorbei schauen. Dort treffen wir uns jeden zweiten Montag um 20 Uhr! Der nächste Termin ist bereits heute, also am 28.10.2013. Wir freuen uns immer über Besuch!

Our Cyborg Future – Vortrag von Tim Cannon in der c-base

Der Vortrag von Tim Cannon (Grindhouse Wetware) am Montag in der c-base ist online. Ein eher oberflächlicher Überblick über aktuelle Projekte und ein Ausblick in die Zukunft des Cyborgism. Da es zum Thema nicht gerade viel Material gibt auf jeden Fall sehenswert.

Tim hat sich gestern in Essen das Circadia einsetzen lassen, das ein paar seiner Körperfunktionen überwacht und per Bluetooth überträgt und außerdem mithilfe von ein paar LEDs sein Tattoo zum Leuchten bringt. Ich hoffe, es ist alles gut gegangen. Immerhin ist das Ding ziemlich groß und wurde ihm ohne Betäubung in den Arm implantiert.

Nach dem Talk gab’s eine Frage- und Antwortrunde, wobei die Fragen (erwartungsgemäß?) eher kritisch ausfielen. Noch viel Arbeit für den Cyborgs e.V.i.Gr. Sehr erfreulich allerdings, dass sich soviele Menschen für den Talk interessiert haben. Sonst sitzen wir da ja eher in kleinerem Kreis und beschäftigen uns mit eher trockenem Kram wie einer Vereinsgründung.

Nach dem Talk stand noch ein Workshop auf dem Programm, leider mit begrenzter Teilnehmerzahl. Ich konnte netterweise ein Plätzchen ergattern.

Hier testet Tim eine selbstgemachte 3D-Brille und ist ziemlich beeindruckt.
Tim Cannon @c-base Berlin Cyborgism
Hier aktiviert der RFID-Chip in Tims Hand eine Melodie (und ihr seht das Tattoo, das dank Circadia mittlerweile leuchten sollte). Das waren zugegebenermaßen die beeindruckendsten Ergebnisse des Workshops, zumindest für mich, der ich technisch nicht allzu viel drauf habe. Aber lustig war es und es wurden interessante Gespräche geführt.

Ein Artikel über Grindhouse Wetware aus Pittsburgh.
biohack.me ist ein Forum, in dem sich Cyborgs und Biohacker und wie sie so heißen, austauschen.
cyborgs.cc ist die offizielle Homepage des Cyborgs.e.V. (in Gründung), in dem sich ein paar interessierte Berliner jeden zweiten Montag zusammen finden, um das Thema zu diskutieren und eine Anlaufstelle für Cyborgs(sympathisanten) zu gründen.
Ein aktueller Artikel zum Vortrag von Tim und dem Circadia: Biohacker: Hier kommen die Science-Fiction-Menschen.

Und zum Abschluss noch der erste Teil eines ebenfalls sehr spannenden Videos zum Thema Cyborgs. Lepht Anonym spricht über „Cybernetics for the masses“. Lepht betreibt quasi Lowest-Budget-Biohacking.