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2013 in Comics – Der Jahresrückblick

2013 in Comics Jahresrückblick
Am Wochenende habe ich mich im Groben Unfug mit ein paar anderen Comicsnerds getroffen und wir haben ordentlich rumgenerdet. Dabei fiel mir ein, dass ich letztes Jahr einen Rückblick Comics 2012 im Blog hatte. Könnte ich für 2013 auch machen, hab ich mir gedacht. Gesagt, getan. Es folgt ein zutiefst subjektiver Rückblick auf das Comicjahr 2013. Dieses Mal bin ich sogar richtig früh dran.

Ich fang am besten mit meinem Ausblick auf 2013 von damals an:

2013 wird super. Hoffentlich wird “Trillium”, der neue Comic von Jeff Lemire ganz großartig. “Die letzte Liebesgeschichte”, die Zeiten überwindet und letzlich in den Untergang führt, klingt jedenfalls spannend. Vielleicht erlebt Vertigo Comics seine Renaissance. Falls nicht, ist es auch nicht schlimm, solange die anderen Verlage ihr Niveau mindestens halten. Von DC und Marvel wünsche ich mir, dass sie weiterhin guten Mainstream und die eine oder andere wirklich sehr gute Reihe liefern. Die Einstellerei nervt zwar ein bisschen, aber solange die neuen Reihen, die die eingestellten ersetzen, von besserer Qualität sind, beklage ich mich nicht.

Da lag ich gar nicht so falsch, aber ein bisschen hat sich meine Ansicht mittlerweile geändert. Trillium gefällt mir bisher ganz gut, aber es ist nicht wirklich herausragend gut. Überhaupt fällt es mir schwer, 2013 rückblickend als „super“ anzusehen. Das liegt, glaube ich, nicht daran, dass die Qualität von Comics nachgelassen hat, im Gegenteil: Ich mutmaße, ich bin übersättigt mit sehr guten Comics und tue mich aus diesem Grund schwer damit, wirklich Highlights hervor zu heben. Für eine Übersättigung spricht auch, dass ich 2013 gefühlt deutlich weniger Comics gelesen habe als noch im Jahr davor.

Was mein Kaufverhalten angeht, hat sich nicht viel verändert. Ich kaufe weniger Reihen von DC und ein paar mehr von anderen Verlagen. Image bekommt wohl am meisten Geld von mir. Dröseln wir das mal nach Verlagen auf!

Erfreulich ist, dass Vertigo 2013 wirklich eine Art Wiedergeburt erlebt hat. Sie haben ein paar sehr coole (Mini-)Reihen gestartet und lassen mit Fables eine Reihe auslaufen, die mich zunehmend weniger zu überraschen vermochte. Außerdem: Sandman: Overture und Astro City! Nicht zu vergessen: The Unwritten, ein Comic, der immer noch herausragend kreativ und frisch daher kommt. Moderne Klassiker plus vielversprechende Neustarts – und 2014 kehrt mit American Vampire von Zack Snyder und Rafael Albuquerque ein weiterer Erfolgsgarant zurück. Ich hoffe, Vertigo hat die Kurve nochmal gekriegt und ist auf einem guten Weg.

Vertigo-Comics, die mir 2013 gefielen:

Hinterkind von Ian Edgington und Francesco Trifogli,
FBP von Simon Oliver und Robbi Rodriguez,
Trillium von Jeff Lemire,
The Wake von Scott Snyder und Sean Murphy,
Sandman: Overture von Neil Gaiman und JH Williams III,
Astro City von Kurt Busiek und Brent Anderson,
The Unwritten Mike Carey und Peter Gross

Image Comics hat 2013 einfach da weiter gemacht, wo sie 2012 aufgehört haben: Monat für Monat interessante Comics aus verschiedensten Genres zu publizieren. Vieeeeel zu viele, um sie alle zu lesen.

Ein paar Comics von Image, die mir besonders positiv aufgefallen sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Bedlam von Nick Spencer und Riley Rossmo,
Five Ghosts von Frank J. Barbiere Chris Mooneyham,
Pretty Deadly von Kelly Sue DeConnick und Emma Ríos,
Rocket Girl von Brandon Montclare und Amy Reeder,
Lazarus von Greg Rucka und Michael Lark,
Mara von Brian Wood und Ming Doyle,
East West von Jonathan Hickman und Nick Dragotta,
Ghosted von Joshua Williamson & Goran Sudzuka,
Sex von Joe Casey und Piotr Kowalski,
Dia De Los Muertos von Riley Rossmo,
Three von Kieron Gillen und Jordie Bellaire,
Sidekick von J. Michael Straczynski und Tom Mandrake,
Ten Grand von J. Michael Straczynski und Ben Templesmith,
Change von Ales Kot und Morgan Jeske (Ales Kot ist für mich der Durchstarter 2013, nach DeConnick in 2012).

Sie hätten eigentlich alle ein eigenes Review verdient und sie würden alle positiv ausfallen (Falls ich irgendwas unbedingt besprechen soll, einfach in den Kommentaren fragen). Matt Fraction hat 2013 mit Sex Criminals und Satellite Sam gleich zwei spannende Reihen bei Image gestartet. Saga und Fatale sind stark wie schon 2012. Image hat 2013 mal wieder gerockt.

BOOM! Studios hat 2013 nicht viel gemacht, das ich lese, aber das was ich gelesen habe, war qualitativ hochwertig. Leider läuft das meiste davon aus oder ist gar schon vorbei (Hypernaturals). Es wird sich zeigen, ob mich BOOM auch 2014 wieder fesseln kann.

Comics, die ich 2013 bei BOOM! Studios herausragend gut fand:

Polarity von Max Bemis und Jorge Coelho,
The Hypernaturals von Dan Abnett & Andy Lanning und Andres Guinaldo, Brad Walker, Mark Irwin,
Robocop von Frank Miller, Steven Grant und Declan Shalvey, Korkut Öztekin,
Suicide Risk von Mike Carey und Elena Casagrande

Kommen wir zu Dark Horse Comics. Die haben einerseits mehr vom selben gemacht: Mehr Star Wars, mehr Dark Horse Presents und mehr Mind MGMT von Matt Kindt. Letzteres ist immer noch ein Geheimtipp und moderner Klassiker. Darüber hinaus glänzte Dark Horse 2013 durch viele schöne Mini-Serien und mit Captain Midnight und Black Beetle haben sie Noir- und Pulp-Fans guten neuen Stoff geliefert.

Erwähnenswerte Dark Horse Comics:

Ghost von Kelly Sue DeConnick und Ryan Sook,
Catalyst Comix von Joe Casey und Ulises Farinas, Paul Maybury, Dan McDaid,
The true lifes of the fabulous Killjoys von Gerard Way, Shaun Simon und Becky Cloonan
Star Wars von Brian Wood und Carlos D’Anda,
Mind MGMT von Matt Kindt,
Dark Horse presents
Conan the Barbarian von Brian Wood,
The Massive von Brian Wood,
Shaolin Cowboy von Geof Darrow

Weiter geht es mit ONI Press. Die glänzen in der Regel auch eher durch Qualität als Quantität. Wenn ich mich nicht verrechne, habe ich 2013 genau drei ONI-Serien gelesen:

Helheim von Cullen Bunn und Joëlle Jones,
Letter 44 von Alberto Alburquerque, Charles Soule und Guy Major,
The Mysterious Strangers von Chris Roberson und Scott Kowalchuk

ONI hatte schon mal ein stärkeres Line-Up. 2014 darf es gern etwas mehr sein, wennn es nach mir geht.

IDW Publishing hat Akte X (X-Files – Season 10) in Comicform würdig fortgesetzt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Bronies greifen beherzt zu My Little Pony. @TiberiusTarante schwört auf „seine“ Teenage Mutant Hero Turtles. Andere stehen auf die Transformers oder Doctor Who – IDW hat auf den ersten Blick nicht viel zu bieten. Trotzdem findet offenbar jeder mindestens eine Reihe, die ihn begeistern kann.

Von Dynamite Entertainment las ich 2013 vor allem Pulp und das war eine gute Entscheidung! The Black Bat oder The Owl waren gutes Lesefutter, eben so wie Gail Simones Red Sonja (ich las allerdings nur Heft 1). Mein Highlight von Dynamite war allerdings wohl Uncanny.

Zum Schluss ein Blick auf die Big 2. Zuerst DC Comics:

Forever evil: Nicht bis zum Ende gelesen, langweilte eher.
Trinity of sin: Meh.
JLA erschließt sich mir immer noch nicht wirklich.
Katana gefiel mir 2013 ziemlich gut.
Green Lantern nach Johns Weggang langweilte eher.
Der Villain Month? Gähn.
Constantine – ausgestiegen.
Justice League Dark – hat nachgelassen.
Dial H – eingestellt.
Demon Knights – eingestellt.
Earth 2 – ausgestiegen.
Worlds Finest – ausgestiegen.
He-Man & The Masters of the Universe – völlig unmöglich zu durchschauen, in welcher Reihenfolge man das lesen soll, sonst aber immer wieder ganz geil.
I, Vampire mit Issue 19 eingestellt.
JSA Liberty Files: The Whistling Skull war eine unterhaltsame Mini-Serie von B. Clay Moore und Tony Harris.
The Movement und The Green Team – naja.
Smallville Season 11 – ausgestiegen.
Swamp Thing & Animal Man – liegen auf Halde, sammle ich noch, lese ich aber aktuell nicht. Genauso All-Star Western.
Bei Batwoman steige ich wahrscheinlich aus, sobald das kreative Team wechselt.
Bei Wonder Woman hat sich nicht viel getan, was ich zunehmend schade finde. Da wär ein neues Kreativ-Team vielleicht nicht verkehrt.
Green Arrow ist dank Lemire ziemlich cool. Mal sehen, wie lang es hält.

Insgesamt kein sonderlich gutes Jahr für DC Comics.

Und Marvel Comics? Ich lese:
FF
Fantastic Four
Captain Marvel
Fearless Defenders
X-Men.

Fearless Defenders wurde nach 12 Heften gecancelled. FF und Fantastic Four werden im Januar beendet, was ich schade finde, da beide Serien wirklich äußerst unterhaltsam waren und hübsch aussahen (vor allem natürlich FF, gezeichnet von Mark Allred!). Zumindest im Fall von Fantastic Four wird es 2014 ziemlich sicher eine Neuauflage geben. Fraglich, ob ich dann noch an Bord bin. Vielleicht steige ich 2014 bei All New X-Factor und Miracleman ein. Captain Marvel bleibe ich sicher auch beim Relaunch im März 2014 erhalten. Solange DeConnick schreibt, bin ich zufrieden.

Und sonst so?

Es gab leider auch 2013 Skandale rund um sexuelle Belästigung, Misogynie und Homophobie in der Comicszene. Einer betraf Tess Fowler, die von Brian Wood belästigt wurde. (Randbemerkung: Auch der „Fake Geek Girl“-Quatsch blieb uns 2013 nicht erspart.) Wonder Woman kriegt immer noch keinen eigenen Film und für Batwoman hat DC die Hochzeit mit ihrer Partnerin Maggie Sawyer direkt ausgeschlossen, woraufhin das kreative Team (J.H. Williams III und W. Haden Blackman) kündigte. Der Traditionsverlag Fantagraphics bleibt uns weiter erhalten, Mitherausgeber Kim Thompson leider nicht.

Meine persönliche Neuentdeckung 2013: Comics von Seth. Dank dafür gebührt @quitzi und @nulipan.
Last but not least: schreiber&leser hat 2013 begonnen, Strangers in Paradise von Terry Moore als hübsche Paperbacks in Deutsch zu veröffentlichen. Schön.

2013 war ein Jahr, das mich insgesamt auf hohem Niveau etwas enttäuscht hat. But maybe that’s just me. Falls ihr streiten wollt, hier noch eine (kontroverse?) Best-of-Liste: The Seventeen Best Of The Best Of The Comics For 2013 List

Frauen lesen Comics, nur nicht die von DC und Marvel. Warum?

Comics und Frauen sind noch immer ein schwieriges Thema und ich versteh‘ noch immer nicht recht, wieso eigentlich. Immerhin wissen wir mittlerweile, dass es nicht stimmt, dass Frauen keine Comics lesen, ein Vorurteil, dass sich viel zu lange gehalten hat.

Comic Book Resources hat sich mal angeschaut, was für Comics Frauen so lesen. Die Antworten sind nicht wirklich überraschend: Sie lesen gern Comics mit gut geschriebenen und gezeichneten weiblichen Charakteren. Sie lesen nicht: DC und Marvel. (Das ist weder repräsentativ noch in jedem Fall so, aber in der Tendenz.)

Besonders gerne lesen sie Image Comics. Woran mag das liegen? Zum einen sicher an der Auswahl, die Image so bietet. Da ist für jede(n) was dabei. Anders als bei DC und Marvel, wo sich die einzelnen Reihen viel mehr ähneln. Bei den „Big Two“ richten sich fast alle Serien an eine männliche Zielgruppe. Das bedeutet offenbar, dass man sich mit Frauenfiguren keine Mühe geben muss. (Ein Trugschluss! Viele Kerle lesen gern von schlauen, toughen, realistischen Frauen.) Image ist da viel heterogener.

Außerdem arbeiten bei Image mehr Autorinnen und Zeichnerinnen. Das kann ich nicht mit Zahlen belegen, ich bin mir aber recht sicher. Das dürfte zu mehr Comics führen, die Frauen nicht nur als sexy Beiwerk betrachten.

Frauen mögen Qualität. Geschichten für Erwachsene, die hinterfragen, gesellschaftliche Relevanz besitzen und die auch mal heiße Eisen anfassen, nicht immer nur Gewalt. Sondern Sexualität zum Beispiel. Diskriminierung. Ja sogar Feminismus. Nicht immer, manchmal soll das Lesen auch einfach Spaß machen und unterhalten, aber zumindest immer mal wieder. Comics mit Substanz, die auch mal reflektieren. (Nochmal: Dieselben Kriterien sind auch vielen Kerlen wichtig, es ist nicht so, als ob irgendwas daran unverständlich oder geheimnisvoll oder überraschend wäre.)

Ebenfalls nicht überraschend, dass sich Comics, die für alle Geschlechter interessant sind, auch gut verkaufen. Für Image Comics lohnt es sich finanziell, Frauen nicht auszuschließen. Marvel und DC verzichten hier immer noch auf die Hälfte ihrer potentiellen Kunden.

Fazit: Frauen lesen keine „Comics für Frauen“. Sie lesen einfach gern gute Comics, die Frauen ernst nehmen. Mehr Frauen in der Comic-Industrie führen zu besseren Comics und damit besseren Verkäufen. Es wäre ziemlich einfach, Frauen noch besser in die Comic-Szene zu integrieren.

(Ich selbst lese auch recht viel von Image. Aktuell gefällt mir „Pretty Deadly“ sehr gut. Ein Comic im Western-Setting um eine mysteriöse Rächerin. Gerade ist Heft 2 erschienen.

„Saga“ ist sowieso ein Must-Buy. Das könnt ihr überall nachlesen.

„Lazarus“ empfehle ich auch. Greg Rucka ist bekanntlich einer der Männer, die ziemlich gute Frauenfiguren schreiben. „Lazarus“ spielt in einer Zukunft, in der arm und reich so weit auseinander gedriftet sind, dass reiche Familien sich Beschützer(innen), Lazarus genannt, leisten. Momentan ist der erste Sammelband erschienen.

„Sex Criminals“ ist – trotz des abschreckenden Titels – auch ziemlich gut. Es geht darin um zwei Menschen, die im Moment ihres Orgasmus‘ quasi aus der Zeit fallen. Für sie bleibt die Zeit stehen. Das ist praktisch, wenn man sich auf kriminelle Art und Weise bereichern will. Daher der Titel.

„Rocket Girl“ ist eine beschwingte Zeitreise-Geschichte um die junge Polizistin DaYoung Johansson. Dank Amy Reeder ein Fest für die Augen.

Soweit meine Empfehlungen. Es gibt sicher noch andere lesenswerte Comics von Image, aber die lese ich momentan nicht. Empfehlungen aus anderen Verlagen kann ich bei Interesse naturement auch noch nachreichen.

Auch ganz spannend: Frauen lesen viel online. Wahrscheinlich sind Comic-Shops nicht unbedingt einladend, aber das ist nochmal ein anderes Thema und vielleicht eines, über das jemand anders schreiben sollte.)

2012 in Comics

2012cover

Es folgt mein persönlicher Rückblick auf das Jahr 2012. Auf die Idee hat mich Carlito von Yay, Comics! gebracht. Carlito hat sich die Mühe gemacht, sowohl Produzenten als auch Händler und Fans von Comics um ihren persönlichen Jahresrückblick zu bitten. Ich wurde auch interviewt (im „Archiv“ des Steglitzer Comicstammtisches, also known as: @TiberiusTarantes Arbeitszimmer), hab aber gar nicht viel zu sagen gehabt. Daher hier jetzt ein etwas ausführlicheres Resümee.

1. Vertigo Comics baut ab

Vertigo Comics hat der Neustart der DC 52 nicht gut getan. Indem DC ein paar Charaktere zurück holte, die zu den erfolgreichsten Vertigos zählten („Swamp Thing“, „Animal Man“, „Hellblazer“) ging viel Potential verloren, das erst wieder erarbeitet werden will. Der Weggang von Karen Berger, quasi DER Frau hinter Vertigo, macht dieses Unterfangen bestimmt nicht leichter. Es ist Vertigo 2012 nicht gelungen, neue Impulse zu setzen. Ich lese fast nur schon länger laufende Reihen („Fables“, „Unwritten“, „Sweet Tooth“). Ausnahmen: „Punk Rock Jesus“, eine sechsbändige Mini-Serie von Sean Murphy und „Saucer Country“. Beide Serien sind ziemlich gut, aber keine gehört zu meinen Jahres-Highlights. Zumal keine dieser Serien mich durch 2013 begleiten wird. „Sweet Tooth“ ist beendet, „Saucer Country“ ist beendet. „Punk Rock Jesus“ ist beendet. Harte Zeiten für Vertigo. Ich hoffe, der Verlag bleibt uns trotz Schwächephase erhalten. Sicher ist das momentan nicht.

2. Don’t panic!

2012 war trotzdem kein schlechtes Jahr für Comicfans. Was Vertigo nicht lieferte, teilten sich Image Comics und Boom! Studios auf. Beide Verlage haben 2012 eine Unmenge guter bis sehr guter (Mini-)Serien auf den Markt geworfen, hoffentlich auch entsprechend erfolgreich. Besonders hervorzuheben ist hierbei „Saga“ von Vaughan und Staples, für viele Menschen, mich eingeschlossen, eines der Highlights des Jahres 2012. Weitere persönliche Highlights: „The Hypernaturals“ (Boom), „Higher Earth“ (Boom), „Happy“ (Image). Es erscheinen nicht weniger gute Comics, es wird nur von anderen Verlagen geliefert. Hefte wie „Mara“ oder „The Massive“ (beide von Brian Wood) oder „Ghost“ von Kelly Sue DeConnick wären vor ein paar Jahren perfekt im Portfolio von Vertigo Comics gewesen. Jetzt kommen sie eben von Image und Boom und Dark Horse.

Apropos Dark Horse: Auch Dark Horse hatte 2012 viel Interessantes zu bieten: „Alabaster: Wolves“, „Mind MGMT“, „The Creep“, „47 Ronin“, „The Massive“ und „Ghost“ kann man bedenkenlos jedem Comicfan ans Herz legen.  Ein paar davon habe ich euch hier im Blog ja bereits vorgestellt.

Lobend erwähnen will ich unbedingt noch das leider eingestellte Format „Creator-owned Heroes“ von Image Comics. Ähnlich wie „Dark Horse presents“ eine Anthologie, in der über 2-3 Hefte verschiedene kurze Geschichten erzählt werden. Fand ich unterstützenswert, hatte ich im Abo. „Dark Horse presents“ lege ich euch ausdrücklich ans Herz. Kauft’s euch, bevor es auch noch eingestellt wird. Dark Horse startet viele seiner neuen Serien in Dark Horse presents und veröffentlicht die Stories später als Nullnummern. Wer also ganz vorn mit dabei sein will, kann sich einen guten Überblick über die nähere Zukunft von Dark Horse machen.

Oni Press hat endlich den zweiten Storyarc von Greg Ruckas „Stumptown“ veröffentlicht. Hat mich nicht total vom Hocker gerissen, ist aber immer noch hochwertig. Dex, die Privatdedektivin, ist einfach ein spannender Charakter.

Auch IDW Publishing hat Gutes zu bieten, gelesen habe ich allerdings nur wenig davon. Ist mir etwas zu nischig, aber wahrscheinlich gar nicht schlecht, vor allem für Serienfans (Doctor Who, Star Trek). Toll: Die „Womanthology Space“, eine Geschichtensammlung, finanziert via Crowdfunding und produziert ausschließlich von Frauen. Wie verschieden Frauen Science Fiction schreiben (und zeichnen) ist sehr interessant, auch wenn die Qualität der Stories etwas schwankt. Die Einnahmen gehen an gemeinnützige Einrichtungen. Noch ein Grund, diesen Comic zu lesen und damit das Projekt zu unterstützen.

Besondere Erwähnung verdient sich Valiant Entertainment . Die sichern sich grad mit richtig guten Comics mit Wiedererkennungswert ihren kleinen Teil vom großen Comickuchen. „Bloodshot“, „Shadowman“, „Harbinger“, „Archer & Armstrong“ und „X-O Manowar“ machen vielleicht auf den ersten Blick nicht viel her, erzählen aber tolle, fesselnde Geschichten und wirken frisch und unverbraucht.

Terry Moore („Strangers in Paradise“, „Echo“), einer meiner Lieblingszeichner, arbeitet weiter an „Rachel Rising“, einer coolen, mysteriösen Geschichte um eine junge Frau, die eines Nachts im Wald aufwacht und nicht weiß, was geschehen ist. Dem Comic wünsche ich auch größere Aufmerksamkeit. Leider schreckt der schwarz-weiße Zeichenstil wahrscheinlich viele Leser ab. Die verpassen dann aber einen wirklich schönen Comic, der im Selbstverlag erscheint.

3. Die „Großen“ liefern

Der Neustart war für DC Comics anscheinend ein voller Erfolg. Die Comics sind in weiten Teilen gut und sie verkaufen sich – Mission accomplished. Ich lese „Animal Man“, „Swamp Thing“, „Frankenstein – Agent of S.H.A.D.E“, „I,Vampire“, „Demon Knights“, „Wonder Woman“ und „Batwoman“ immer wieder gern. „Frankenstein“ und „I,Vampire“ wurden leider unlängst gecancelt. Lese auch noch ein paar andere Reihen, aber die sind qualitativ nicht auf demselben Niveau, sollen daher hier nicht erwähnt werden.

Eher enttäuschend fand ich „Before Watchmen“. Einzelne gute Comics konnten nicht darüber hinweg täuschen, dass die Reihe eher belanglos daher kommt. War insgesamt unnötige Geldmacherei.

Marvel hat es in der zweiten Jahreshälfte geschafft, dass ich erstmals was von ihnen lese. Die neue „Captain Marvel“, geschrieben von Kelly Sue DeConnick (meine persönliche Lieblingsautorin 2012) ist einfach supergut. Ich würde sagen ein „Must-Read“! „FF“, gezeichnet von Mike Alldred sieht ebenfalls sehr vielversprechend aus.

4. Ausblick:

2013 wird super. Hoffentlich wird „Trillium“, der neue Comic von Jeff Lemire ganz großartig. „Die letzte Liebesgeschichte“, die Zeiten überwindet und letzlich in den Untergang führt, klingt jedenfalls spannend. Vielleicht erlebt Vertigo Comics seine Renaissance. Falls nicht, ist es auch nicht schlimm, solange die anderen Verlage ihr Niveau mindestens halten. Von DC und Marvel wünsche ich mir, dass sie weiterhin guten Mainstream und die eine oder andere wirklich sehr gute Reihe liefern. Die Einstellerei nervt zwar ein bisschen, aber solange die neuen Reihen, die die eingestellten ersetzen, von besserer Qualität sind, beklage ich mich nicht.

Bedlam #1 Review – Angst und Schrecken in Bedlam

Das überlange erste Heft von Nick Spencers „Bedlam“ habe ich in erster Linie wegen der interessanten Zeichnungen von Riley Rossmo mitgenommen, die von Frazer Irving in Grau- und Rottönen koloriert wurden. Das sieht wirklich toll aus und passt super zur düsteren Story, in der es -wie bereits auf dem Cover zu lesen ist- darum geht, ob das Böse etwas ist, das wir sind oder etwas, das wir tun.

Bedlam #1 Cover

(Bildquelle)

Fillmore hat ernsthafte psychische Probleme. Diese sind aber nichts gegen seine Probleme von vor zehn Jahren, als er als Bösewicht Madder Red mit hunderten Morden ganz Bedlam in Angst und Schrecken versetzte.

Madder Red erinnert ein wenig an den Joker aus Batman. Er ist böse, aber nicht als Selbstzweck, sondern um einer kranken Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Er hat eine Agenda. „Bedlam“ ist immer dann am Interessantesten, wenn man Madder Reds bzw. Fillmores Monologen lauscht. Nick Spencer (Morning Glories, Thief of Thieves) gelingt es, Madder Red als amoralisch, aber hoch intelligent darzustellen.

„Bedlam“ ist sehr düster und sehr gut. Die Stadt Bedlam erinnert an Gotham City. Madder Red erinnert an den Joker. „Bedlam“ lege ich jedem ans Herz, der gute Comics mag, vor allem aber all jenen, die Nolans Batman-Filme mochten.

Storm Dogs #1 Review – Geheimnisvolles Amaranth

Die Zeiten sind gut für Fans von SciFi-Comics. Gerade Image Comics und Boom Comics veröffentlichen momentan eine lesenswerte Serie nach der anderen. Neben dem grandiosen „Saga“, dem sehr guten „Hypernaturals“ und dem ebenfalls lesenwerten „Higher Earth“ erscheint jetzt mit „Storm Dogs“ von David Hine und Doug Braithwaite ein weiterer Leckerbissen.

Storm Dogs #1 Cover

(Bildquelle)

Auf dem unwirtlichen Minenplaneten Amaranth passieren geheimnisvolle Morde. Also entsendet die „Union“ das Raumschiff „SS Tarkovsy“ (die Anspielung auf den Regisseur von „Stalker“ ist vielversprechend), an Bord ein Team von speziell ausgebildeten Ermittlern. Warum die Union sich überhaupt für die Vorgänge auf Amaranth interessiert ist allen Beteiligten ein Rätsel…

Die sehr detaillierten Zeichnungen von Doug Braithwaite gefallen mir gut. Besonders gern mag ich die fremdartige Fauna auf dem Planeten. Ulises Arreola koloriert vor allem in Rot- und Brauntönen, was die lebensfeindliche Atmosphäre auf Amaranth gut rüber bringt.

Ich bin Fan von guten SciFi-Comics. Ich hoffe, die Anspielung auf Tarkovsky ist nicht einfach nur Namedropping, sondern gibt die Richtung an, in die die sechsteilige Miniserie „Storm Dogs“ sich entwickeln wird. Das letzte Panel des Comics spricht durchaus dafür. Vielversprechend!

Review: Saga #1 und #2

Saga wurde mir vom Comic-Händler meines Vertrauens als sehr lesenswert angepriesen. Wie Star Wars nur mit Robotern und Sex (oder so ähnlich). Was mich zugegebenermaßen neugierig machte. Ich mag Star Wars recht gern. Ein cooles Setting und es wird eine klassische Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse erzählt. Die Geschichte ist wendungsreich und ein anfangs unauffälliger Protagonist reift im Lauf der Geschichte zum Helden. Was kann man an diesem Rezept nicht lieben? Es wird so oft verwendet, weil es gute Unterhaltung verspricht. Ein Star Wars für Erwachsene klingt für mich nach einer guten Idee.

Saga #1 Cover

Saga ist aber weniger Star Wars als Space Opera. Liest sich also wie Fantasy in einer (dreckigen, erwachsenen) Science-Fiction-Welt. Gezeichnet wird Saga von Fiona Staples. Die war mir vorher kein Begriff, hat aber offenbar eine durchaus große Fanbasis und es wundert mich nicht. Ihre Zeichnungen sind richtig gut und knackig. Sie koloriert außerdem vollständig selbst und das merkt man. Es passt einfach alles zusammen. Staples konzentriert sich die meiste Zeit auf die Charaktere, die Hintergründe bestehen meist lediglich aus aquarellartigen Farbflächen. Aber alles wirkt wie aus einem Guss. Staples vergisst beim Design jedoch nicht die Ecken und Kanten. Vögelnde Roboter mit Monitoren statt Köpfen? Check. Bis an die Zähne bewaffnete Mischwesen aus Mensch und Spinne? Check. Und so weiter, Saga strotzt vor solchen Einfällen, auch wenn die nicht jedermenschs Geschmack sein mögen.

Zum Highlight wir Saga aber durch das Zusammenspiel der famosen Zeichnung von Staples und den Dialogen und Storyideen von Brian K. Vaughan (Y-The Last Man, Ex Machina). Der tobt sich richtig aus und liefert eine Geschichte, der man anmerkt, dass er einfach erzählt, was er erzählen möchte, ohne Kompromisse. Und das kann er! Schon das Cover sorgte in den USA für einen kleinen Skandal, weil es zeigt, wie einem Kind die Brust gegeben wird. Dass Heft beginnt mit einer Geburt. Hazel kommt in gefährlichen Zeiten als Kind zweier Mitglieder verfeindeter Völker zur Welt. Allein diese Szene ist grandios. Bodenständig, dreckig, herzlich – große Erzählkunst. „Saga“ ist nicht durchgehend so unmittelbar erzählt, aber auch die etwas abstrakteren Szenen, in denen uns Vaughan die Welt erklärt, werden so erzählt und von Staples illustriert, dass sie einen nicht aus der Geschichte reißen. Viele Ideen werden auch nur angerissen, aber sie geben dem Setting Tiefe.

Die Liebe zwischen Marko und Alana erinnert in ihrer Unmöglichkeit ein bisschen an „Romeo und Julia“. Der Kampf der „Wreaths“ oder „Moonies“ gegen die Roboter und geflügelten, ansonsten aber menschenähnlichen Wesen vom Planeten Landfall ist einer der sicher nicht zufällig an Himmel (Flügel) gegen Hölle (Hörner), Chaos gegen Ordnung erinnert. Aber in Saga ist nichts schwarzweiß. Beide Seiten werden als unperfekt dargestellt, der Krieg als sinnlos, auch unsere Protagonisten sind nicht perfekt. Aber sie wachsen uns ans Herz und wir fiebern mit ihnen. Sie müssen auch ganz schön was erleiden, Vaughan schont sie in den ersten zwei Heften nicht gerade.

Saga ist super. Genauso mag ich meine Comics: Ein tolles Setting, interessante und liebenswerte Charaktere, keine Selbstbeschränkung, eine tolle Geschichte mit super Illustrationen. Hier haben sich zwei Comic-Künstler gefunden und machen ihr Ding! Wer Saga nicht liest, ist selbst schuld. Er verpasst einen der besten Comics, die man aktuell kaufen kann.