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Review: The Humans #2 (Image Comics) – One Percenter till I die!

The Humans #2 Cover Source: https://imagecomics.com/comics/releases/the-humans-2

Willkommen in den Seventies. The Humans sind eine abgefuckte Rockerbande. Als einer von ihnen, Mojo, ins Gras beißt, versammeln sich alle und schmeißen eine wilde Party. Aber das weiß ich nur, weil es am Anfang von Heft 2 einen Rückblick gibt. The Humans #1 habe ich nicht gelesen.

Wegen Ethik im Comicjournalismus wie immer der Hinweis auf den Lieblingscomicladen, der mir das Heft (und noch ein paar mehr!) im Rahmen der Image Comics-Aktion zur Rezension überlassen hat.

In The Humans #2 – Return of the Living Dead kehrt der totgeglaubte Johnny aus dem Vietnamkrieg nach Bakersfield zurück, wo das Clubhaus der Humans sich befindet. Auf dem Weg dorthin gerät er natürlich gleich mit der örtlichen Polizei aneinander. Im Clubhaus angekommen, wird wieder eine wilde Party geschmissen, dieses Mal zu Ehren von Johnnys Rückkehr. Das Heft endet mit einer psychedelischen Szene, die schön auf das nächste Heft verweist, in dem wir mehr über Johnnys Erfahrungen im Vietnamkrieg erfahren dürften. Sehr Apocalypse Now.

Die Humans und allen voran Johnny sind klar als Antihelden konzipiert. Sie fluchen, pöbeln, saufen und machen auch sonst nur Ärger. Sie stehen außerhalb der Gesellschaft. One Percenter eben. Ihr könnt euch die „Humans“ ungefähr vorstellen, wie die Hells Angels und andere Biker Gangs aus der Zeit. Mit dem Unterschied, dass in der Welt der Humans Affen die Menschen sind und Menschen – nun ja, nicht an der Spitze der Evolution stehen (sie werden abwertend „Skins“ genannt). Sich „The Humans“ zu nennen ist ein ähnlich starkes Statement, wie „The Apes“ es in unserer Welt wäre. Die Humans lehnen die Gesellschaft ab und werden von dieser abgelehnt.

Erdacht wurden The Humans von Keenan Marshal Keller (der sich um das Schreiben kümmert) und Tom Neely (der für die Zeichnungen verantwortlich ist). Beide haben einen guten Job gemacht, zumal sie meiner Googlerecherche nach blutige Newcomer sind. Zusammen mit den Farben von Kristina Collantes erzeugt The Humans ohne viel Aufwand ein glaubwürdiges 70er-Feeling. Zumindest für Menschen, die die Zeit nur aus dem Kino kennen. Hier bedient sich The Humans teils ziemlich direkt, sei es beim schon erwähnten Apocalypse Now oder auch bei Full Metal Jacket.

The Humans trifft wahrscheinlich nicht jeden Geschmack. Letztlich passiert bisher nicht viel. Der Rückblick lässt darauf schließen, dass auch im ersten Heft nicht viel mehr geschehen ist. Trotzdem gefällt mir der Comic gut. Ich interessiere mich allerdings auch für Biker Gangs und wenn das bei euch genauso ist, würde ich das Heft klar empfehlen. The Humans ist Punk, wie es nur wenige Comics sind. Es wird geflucht, getrunken und gefeiert und sonst eigentlich nicht viel. The Humans ist ein bisschen wie Fear & Loathing in Las Vegas, nur ohne den wirklich verrückten Kram. Ich würde Heft 3 lesen.

 

Five Ghosts – The Haunting of Fabian Gray Review

Five Ghosts The Haunting of Fabian Gray

Five Ghosts – The Haunting of Fabian Gray umfasst die ersten fünf Hefte des Action-Adventures von Autor Frank J. Barbiere und Zeichner Chris Mooneyham.

Die zugrunde liegende Geschichte in aller Kürze: Der Schatzsucher (oder Dieb, wie andere sagen) Fabian Gray hat durch einen mysteriösen Unfall nicht nur seine Schwester verloren, sondern Zugang zu den Fähigkeiten von fünf verschiedenen Geistern aus der Literatur gewonnen. Da wären unter anderem Robin Hood (praktisch, wenn man mal präzise auf irgendwas schießen will) oder Sherlock Holmes (entdeckt jedes noch so gut getarnte Versteck).

Heft 1 ist rückblickend betrachtet, eine reine Einleitung. Erst im letzten Drittel bekommt man eine Ahnung, worum es in den nächsten Heften gehen könnte. Immer wieder kommt es zu Actionsequenzen, die aufgrund von Fabians besonderen Fähigkeiten allerdings nur selten richtig spannend sind. Macht trotzdem Spaß, was auch den Zeichnungen von Mooneyham zu verdanken ist, die perfekt zur Pulp-Atmosphäre der Geschichte passen (die Cover geben einen ziemlich guten Eindruck über den Stil der Serie). Nach und nach folgt der Leser Fabian um die halbe Welt und wird dabei Zeuge, wie dieser sich geheimnisvoller Schergen und innerer Dämonen erwehren muss. Ob er letztlich vielleicht sogar seine Schwester irgendwie retten kann?

Five Ghosts ist ziemlich retro in seiner Anlage. Barbiere kennt seine Pappenheimer. Immer mal wieder nutzt er Storytricks aus früheren Zeiten. Deus Ex Machina zum Beispiel (Für die, die Five Ghosts schon gelesen haben: Das Luftschiff im zweiten Heft). Eigentlich zurecht verpönt, aber in Five Ghosts wirkte es auf mich eher selbstironisch. Der übermächtige Protagonist – bekommt im Lauf der Handlung mehr und mehr Probleme mit seinen Kräften. Ohne seine Sidekicks wär er immer mal wieder ziemlich aufgeschmissen. Wie jeder gute Schatzsucher reist natürlich auch Fabian Gray alle paar Seiten in neue, geheimnisvolle Gebiete. Usw.usf.

Verlasst euch drauf – Kenner finden eine Menge Genre-Klischees in Five Ghosts wieder. Ob man es mag oder nicht, liegt letztlich wohl daran, wie ernst man das Heft nimmt. Mit einem Augenzwinkern gelesen, ist Five Ghosts keine Kunst, aber eine charmante Hommage an Zeiten, in denen Comics das noch gar nicht sein wollten.

Aktuell läuft der zweite Story-Arc „Lost Coastlines“ in Heftform. Ich bin an Bord.

Frauen lesen Comics, nur nicht die von DC und Marvel. Warum?

Comics und Frauen sind noch immer ein schwieriges Thema und ich versteh‘ noch immer nicht recht, wieso eigentlich. Immerhin wissen wir mittlerweile, dass es nicht stimmt, dass Frauen keine Comics lesen, ein Vorurteil, dass sich viel zu lange gehalten hat.

Comic Book Resources hat sich mal angeschaut, was für Comics Frauen so lesen. Die Antworten sind nicht wirklich überraschend: Sie lesen gern Comics mit gut geschriebenen und gezeichneten weiblichen Charakteren. Sie lesen nicht: DC und Marvel. (Das ist weder repräsentativ noch in jedem Fall so, aber in der Tendenz.)

Besonders gerne lesen sie Image Comics. Woran mag das liegen? Zum einen sicher an der Auswahl, die Image so bietet. Da ist für jede(n) was dabei. Anders als bei DC und Marvel, wo sich die einzelnen Reihen viel mehr ähneln. Bei den „Big Two“ richten sich fast alle Serien an eine männliche Zielgruppe. Das bedeutet offenbar, dass man sich mit Frauenfiguren keine Mühe geben muss. (Ein Trugschluss! Viele Kerle lesen gern von schlauen, toughen, realistischen Frauen.) Image ist da viel heterogener.

Außerdem arbeiten bei Image mehr Autorinnen und Zeichnerinnen. Das kann ich nicht mit Zahlen belegen, ich bin mir aber recht sicher. Das dürfte zu mehr Comics führen, die Frauen nicht nur als sexy Beiwerk betrachten.

Frauen mögen Qualität. Geschichten für Erwachsene, die hinterfragen, gesellschaftliche Relevanz besitzen und die auch mal heiße Eisen anfassen, nicht immer nur Gewalt. Sondern Sexualität zum Beispiel. Diskriminierung. Ja sogar Feminismus. Nicht immer, manchmal soll das Lesen auch einfach Spaß machen und unterhalten, aber zumindest immer mal wieder. Comics mit Substanz, die auch mal reflektieren. (Nochmal: Dieselben Kriterien sind auch vielen Kerlen wichtig, es ist nicht so, als ob irgendwas daran unverständlich oder geheimnisvoll oder überraschend wäre.)

Ebenfalls nicht überraschend, dass sich Comics, die für alle Geschlechter interessant sind, auch gut verkaufen. Für Image Comics lohnt es sich finanziell, Frauen nicht auszuschließen. Marvel und DC verzichten hier immer noch auf die Hälfte ihrer potentiellen Kunden.

Fazit: Frauen lesen keine „Comics für Frauen“. Sie lesen einfach gern gute Comics, die Frauen ernst nehmen. Mehr Frauen in der Comic-Industrie führen zu besseren Comics und damit besseren Verkäufen. Es wäre ziemlich einfach, Frauen noch besser in die Comic-Szene zu integrieren.

(Ich selbst lese auch recht viel von Image. Aktuell gefällt mir „Pretty Deadly“ sehr gut. Ein Comic im Western-Setting um eine mysteriöse Rächerin. Gerade ist Heft 2 erschienen.

„Saga“ ist sowieso ein Must-Buy. Das könnt ihr überall nachlesen.

„Lazarus“ empfehle ich auch. Greg Rucka ist bekanntlich einer der Männer, die ziemlich gute Frauenfiguren schreiben. „Lazarus“ spielt in einer Zukunft, in der arm und reich so weit auseinander gedriftet sind, dass reiche Familien sich Beschützer(innen), Lazarus genannt, leisten. Momentan ist der erste Sammelband erschienen.

„Sex Criminals“ ist – trotz des abschreckenden Titels – auch ziemlich gut. Es geht darin um zwei Menschen, die im Moment ihres Orgasmus‘ quasi aus der Zeit fallen. Für sie bleibt die Zeit stehen. Das ist praktisch, wenn man sich auf kriminelle Art und Weise bereichern will. Daher der Titel.

„Rocket Girl“ ist eine beschwingte Zeitreise-Geschichte um die junge Polizistin DaYoung Johansson. Dank Amy Reeder ein Fest für die Augen.

Soweit meine Empfehlungen. Es gibt sicher noch andere lesenswerte Comics von Image, aber die lese ich momentan nicht. Empfehlungen aus anderen Verlagen kann ich bei Interesse naturement auch noch nachreichen.

Auch ganz spannend: Frauen lesen viel online. Wahrscheinlich sind Comic-Shops nicht unbedingt einladend, aber das ist nochmal ein anderes Thema und vielleicht eines, über das jemand anders schreiben sollte.)

The Red Wing – Time is not linear. There is no paradox.

Geschrieben von Jonathan Hickman, gezeichnet von Nick Pitarra und koloriert von Rachelle Rosenberg, ist „The Red Wing“ ein ziemlich cooler Mindfuck. Die Miniserie (4 Hefte) ist bei „Image“ erschienen.

The Red Wing Cover

„The Red Wing #1“ fiel mir sofort aufgrund des coolen Covers auf. Es ist sehr minimalistisch gehalten. Vor einem rein weißen Hintergrund liegt ein zerstörter Helm. Dazu der schwarze „The Red Wing“-Schriftzug und ein Wappen (eine Schlange oder ein Drache, beißt sich selbst in den Schwanz). Das ist alles. Das ist ungewohnt. Mir gefällt’s. Die weiteren Hefte behalten diesen Stil bei.

Auch im Inneren der Hefte ist weiß eine prominente Farbe. Manche Seiten sind genauso aufgebaut wie die Cover (zum Beispiel die mit dem eingangs zitierten Leitspruch „Time is not linear. There is no paradox.“). Weiß, mit schwarzem Text und minimalen grafischen Elementen. Es ist schon ziemlich beeindruckend, wie Pitarra und Rosenberg aufs Papier gebracht haben, was Hickmann sich ausgedacht hat. Die Zeichnungen passen perfekt zum Ton der Erzählung. Wer Schlachten und Explosionen erwartet, wird enttäuscht sein. Die braucht es aber gar nicht, „The Red Wing“ ist auch ohne visuell sehr interessant. Hier hat sich jemand wirklich Gedanken darüber gemacht, wie die Dinge aussehen sollen. Die Designs sind stimmig.

Die Story von „The Red Wing“ spielt in der Zukunft. Die Menschheit befindet sich im Krieg; einem ganz besonderen Krieg. Die Menschen haben eine Möglichkeit entdeckt, durch die Zeiten zu reisen, die sogenannten TAC Fighter, auch als Red Wings bekannt. Diese Raumschiffe (oder Zeitschiffe?) sind speziell ausgestattet, denn Zeitreisen sind gefährlich und unterliegen zahlreichen Limitierungen. Aber sie sind nötig, denn der Gegner der Menschheit, ist ebenfalls zu Zeitreisen in der Lage. Wir begleiten Val und Dom, zwei Rekruten, die lernen sollen, einen TAC Fighter zu fliegen, wie vor ihnen schon ihre Väter.

Die Story spielt in der Vergangenheit, denn hier wird der Krieg geführt und hier ist Doms Vater abgestürzt. Die Story spielt in der Zukunft, denn von dort schickt der geheimnisvolle Gegner immer neue „Harvester“ die die Vergangenheit vernichten, indem sie sie aller Energie berauben.

Ihr seht schon: Das Konzept von „The Red Wing“ ist interessant, aber nicht anspruchslos. Die Zeit in „The Red Wing“ verläuft nicht linear, sie ist viel eher wie eine Scheibe angeordnet. Und diese Scheibe besteht wieder aus vielen Schichten. Und in diesen verschiedenen Zeitebenen kann man sich mithilfe der TAC Fighter in gewissem Rahmen bewegen. Es gibt keine Zeitparadoxien.

Logisch, dass auch „The Red Wing“ nicht linear erzählt wird. Die Handlung springt sehr oft zwischen verschiedenen Zeitebenen, Figuren reisen von einer in die andere, es gibt verschiedene Zukünfte, Gegenwarten und Vergangenheiten. Hickman behält die Zügel immer fest in der Hand. Es ist erstaunlich einfach, seiner komplexen Geschichte zu folgen. Sie zu erfassen ist deutlich schwieriger, aber „The Red Wing“ hat etwas zu erzählen. Über Väter und Söhne, über Fehler und verpasste Chancen. Und über die Zeit, unsere Vorstellung von ihr und wie sie unser Denken und Handeln beeinflusst.

„The Red Wing“ ist ein toller Comic. Hier stimmt einfach alles. Eine spannende Geschichte, illustriert durch tolle Zeichnungen. Lasst euch durch die scheinbar komplizierte Handlung nicht abschrecken und lest diesen Comic. Ihr werdet es nicht bereuen.