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Alabaster Wolves #1 und #2 Review

Dancy Flammarion hat ein Problem: Sie ist das Werkzeug eines Engels. Auf seinem Feldzug gegen Monster nutzt er Dancy als Vollstreckerin. Zu allem Überfluss bekommt Dancy in letzter Zeit immer wieder von ihren Opfern zu hören, sie sei eine gewöhnliche Mörderin, würde sich als Herrin über Leben und Tod gebärden, sei aber selbst ein viel größeres Monster.

Alabaster Wolves Cover

Dancy Flammarion ist eine Figur aus den Romanen von Caitlín R. Kiernan. „Alabaster Wolves“ ist Dancys Comicdebut, Kiernan besitzt bereits einschlägige Erfahrungen: Comicleser kennen sie vielleicht als Autorin von „The Dreaming“, einem Spin-Off von Neil Gaimans „Sandman“. Mehr zu Dancy Flammarion findet ihr hier: Who is Dancy Flammarion?

Alabaster Wolves wird letzlich aus 5 Heften bestehen und bei Dark Horse erscheinen. Die Zeichnungen von Steve Lieber (Whiteout) sind recht düster und dreckig, passen aber sehr gut ins Setting. Was auch der stets passenden Kolorierung durch Rachelle Rosenberg zu verdanken ist. Die Welt wirkt wie unsere, nur düsterer, unbelebt, postapokalyptisch. Hier zu leben ist offenbar gefährlich.

Highlight der Comics ist sicherlich die Hauptfigur, Dancy ist ein sehr interessanter Charakter. Sie ist siebzehn Jahre alt, ein Albino und alles andere als Herrin über ihre Entscheidungen. Mal hadert sie mit ihrem Schicksal, mal fügt sie sich. Sie ist ambivalent, aber nicht unsympathisch. Wenn es sein muss, teilt sie ordentlich aus und man würde ihr eigentlich ungern nachts in einer dunklen Ecke begegnen. Andererseits aber schon und sei es nur, um sie zu trösten und ihr einen Hauch Normalität zu vermitteln.

Bisher sind 2 Hefte erschienen (plus eine Story, die in den beiden Dark-Horse-Comics-Heften zum Free Comic Book Day 2012 erschienen, aber für das Verständnis nicht relevant ist). Ihr könnt schauen, ob der Comicladen eures Vertrauens die bisher erschienenen Hefte noch vorrätig hat oder ihr wartet auf den Sammelband. Nach zwei gelesenen Heften lege ich „Alabaster Wolves“ allen Fans von düsterer Fantasy und dreidimensionalen Charakteren ruhigen Gewissens ans Herz.

Ein Preview gibt’s auch, allerdings spoilert es euch, falls ihr vorhabt, Alabaster Wolves zu erwerben, also Obacht! Außerdem finde ich, die Zeichnungen wirken deutlich besser, wenn man sie in Heftformat vor sich hat, aber das mag ein subjektiver Eindruck sein.

The Red Wing – Time is not linear. There is no paradox.

Geschrieben von Jonathan Hickman, gezeichnet von Nick Pitarra und koloriert von Rachelle Rosenberg, ist „The Red Wing“ ein ziemlich cooler Mindfuck. Die Miniserie (4 Hefte) ist bei „Image“ erschienen.

The Red Wing Cover

„The Red Wing #1“ fiel mir sofort aufgrund des coolen Covers auf. Es ist sehr minimalistisch gehalten. Vor einem rein weißen Hintergrund liegt ein zerstörter Helm. Dazu der schwarze „The Red Wing“-Schriftzug und ein Wappen (eine Schlange oder ein Drache, beißt sich selbst in den Schwanz). Das ist alles. Das ist ungewohnt. Mir gefällt’s. Die weiteren Hefte behalten diesen Stil bei.

Auch im Inneren der Hefte ist weiß eine prominente Farbe. Manche Seiten sind genauso aufgebaut wie die Cover (zum Beispiel die mit dem eingangs zitierten Leitspruch „Time is not linear. There is no paradox.“). Weiß, mit schwarzem Text und minimalen grafischen Elementen. Es ist schon ziemlich beeindruckend, wie Pitarra und Rosenberg aufs Papier gebracht haben, was Hickmann sich ausgedacht hat. Die Zeichnungen passen perfekt zum Ton der Erzählung. Wer Schlachten und Explosionen erwartet, wird enttäuscht sein. Die braucht es aber gar nicht, „The Red Wing“ ist auch ohne visuell sehr interessant. Hier hat sich jemand wirklich Gedanken darüber gemacht, wie die Dinge aussehen sollen. Die Designs sind stimmig.

Die Story von „The Red Wing“ spielt in der Zukunft. Die Menschheit befindet sich im Krieg; einem ganz besonderen Krieg. Die Menschen haben eine Möglichkeit entdeckt, durch die Zeiten zu reisen, die sogenannten TAC Fighter, auch als Red Wings bekannt. Diese Raumschiffe (oder Zeitschiffe?) sind speziell ausgestattet, denn Zeitreisen sind gefährlich und unterliegen zahlreichen Limitierungen. Aber sie sind nötig, denn der Gegner der Menschheit, ist ebenfalls zu Zeitreisen in der Lage. Wir begleiten Val und Dom, zwei Rekruten, die lernen sollen, einen TAC Fighter zu fliegen, wie vor ihnen schon ihre Väter.

Die Story spielt in der Vergangenheit, denn hier wird der Krieg geführt und hier ist Doms Vater abgestürzt. Die Story spielt in der Zukunft, denn von dort schickt der geheimnisvolle Gegner immer neue „Harvester“ die die Vergangenheit vernichten, indem sie sie aller Energie berauben.

Ihr seht schon: Das Konzept von „The Red Wing“ ist interessant, aber nicht anspruchslos. Die Zeit in „The Red Wing“ verläuft nicht linear, sie ist viel eher wie eine Scheibe angeordnet. Und diese Scheibe besteht wieder aus vielen Schichten. Und in diesen verschiedenen Zeitebenen kann man sich mithilfe der TAC Fighter in gewissem Rahmen bewegen. Es gibt keine Zeitparadoxien.

Logisch, dass auch „The Red Wing“ nicht linear erzählt wird. Die Handlung springt sehr oft zwischen verschiedenen Zeitebenen, Figuren reisen von einer in die andere, es gibt verschiedene Zukünfte, Gegenwarten und Vergangenheiten. Hickman behält die Zügel immer fest in der Hand. Es ist erstaunlich einfach, seiner komplexen Geschichte zu folgen. Sie zu erfassen ist deutlich schwieriger, aber „The Red Wing“ hat etwas zu erzählen. Über Väter und Söhne, über Fehler und verpasste Chancen. Und über die Zeit, unsere Vorstellung von ihr und wie sie unser Denken und Handeln beeinflusst.

„The Red Wing“ ist ein toller Comic. Hier stimmt einfach alles. Eine spannende Geschichte, illustriert durch tolle Zeichnungen. Lasst euch durch die scheinbar komplizierte Handlung nicht abschrecken und lest diesen Comic. Ihr werdet es nicht bereuen.