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Before Watchmen – Nite Owl #2 Review

Weiter geht es mit den Reviews zu „Before Watchmen„, einer Art Prequel zum Kultcomic „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons. Dieses Mal ist „Nite Owl“ #2 dran. Den ersten fand ich ziemlich ok. Wie wird Heft 2 sich schlagen?

Before Watchmen Nite Owl 2  Cover
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Nachdem mir Comedian #2 nicht egaler hätte sein können, konnte auch „Nite Owl“ #2 es leider nicht raus reißen.

Die Story: Nite Owl und Rohrschach jagen zusammen Verbrecher. Auf einer Metaebene gehts noch um Masochismus, Sexualität, Gewalt, aber das wirkt eher deplatziert. Man merkt, finde ich, dass sich Autor Straczynski bemühte, wie das große Vorbild „Watchmen“ ein paar größere Themen und Fragen mitschwingen zu lassen, aber anders als in „Watchmen“ wirkt es plump. Trotzdem bin ich froh, dass Straczynski wenigstens versucht, sie zu stellen. In anderen „Before Watchmen“-Heften fehlen die philosophischen Ansätze nahezu komplett. Sie gehören für mich aber dazu.

Die Zeichnungen von Andy und Joe Kubert (RIP) sind wohl Geschmackssache, mir sind da irgendwie zuviele Linien und Schraffuren, aber die Kolorierung und die Motive sind schon gut. Das ganz coole Cover passt hier einmal perfekt zum Stil im Heftinneren.

Das ist ganz unterhaltsam, aber nicht wirklich der Rede wert. Mal sehen, ob Ozymandias #2 das gute Niveau des ersten Heftes wird halten können. „Nite Owl“ und „Comedian“ sind daran bereits gescheitert.

ti_leo liest From Hell: Prolog – Die alten Männer am Strand

Am besten wird sein, ihr lest zuerst den Prolog zum Prolog. Da wird erklärt, wie es dazu kam, dass ich ein Exemplar von „From Hell“ in die Hände bekam, um ein bisschen darüber zu schreiben. Namentlich habe ich das dem Quitzi und den offenbar netten Menschen von Cross Cult zu verdanken. Genug Vorrede!

Alan Moore From Hell Comic Cover

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From Hell„, „ein Melodrama in sechzehn Teilen“, geschrieben von Alan Moore und gezeichnet von Eddie Campbell, beginnt sehr stimmungsvoll und unvermittelt. Direkt zu Beginn des Prologs („Die alten Männer am Strand) macht Moore klar, dass er keine leichte Kost liefert, sondern vom Leser Aufmerksamkeit fordert. Der Prolog ist handlungsarm, aber wer genau liest, hat das Gefühl einer enormen Tiefe.

Spannend, beängstigend ist das, was man nicht sieht, was nur angedeutet wird. In der Definition des Wortes „Autopsie“, die Moore dem Comic voranstellt. Autopsie kann laut dem Zitat „Öffnung und Untersuchung einer Leiche zum Zwecke der Feststellung der Todesursache“, aber  auch „Jede Art kritischer Analyse“ bedeuten. Womit mit ziemlicher Sicherheit zwei Ebenen von „From Hell“ angedeutet werden: Einerseits eine Art faktische Wiedergabe des Jack The Ripper-Mythos‘, eine Suche nach dem wahren Jack vielleicht, andererseits aber auch die Frage nach dem Jack in uns oder in bestimmten Zeiten. Wir verfolgen das Gespräch zweier alter Männer, die Tagespolitik in England etwa 1900 September 1923 betreffend. Es geht um Kommunismus, um Klasse, um Umsturz. Einer der beiden (Abberline) ist eher konservativ, sein Gesprächspartner (Mr. Lees) ist hingegen neophil. Das Gespräch wird kurz unterbrochen, als sie eine Prostituierte bei der Arbeit erwischen. Danach wird es persönlich. Die beiden Andeutungen bezüglich eines alten Falles und fragen einander, ob sie noch Schuldgefühle hätten. Etwas lief vor Jahrzehnten wohl nicht ganz sauber und es hat etwas mit „Jack“ zu tun. Beide wirken resigniert.

Jack Jack Jack. Was oder wer auch immer er ist – um ihn kreist irgendwie alles. Mal sehen, ob es so bleibt und was Moore uns über „Jack“ zu sagen hat.

Schon jetzt scheint klar, dass Moore mit From Hell einen zeithistorischen Comic schreibt, mit vielen Anspielungen. Die Zeiten sind düster, Unheil liegt in der Luft. Man weiß nur noch nicht, wie es sich äußern wird. Krieg? Niedergang? Totschlag und Mord? Gar all das zusammen? Fest steht, dass Moore den Comic im Kontext verstanden haben will. Unklar oder offen, ob im Kontext der damaligen Zeit oder der unsrigen, und diese Offenheit ist sicherlich beabsichtigt.

Die Zeichnungen von Eddie Campbell sind, wenn überhaupt, nur ganz kurz gewöhnungsbedürftig, sie passen einfach perfekt zur Stimmung und sind zeitlos. Sie wirken nicht modern, aber auch nicht altmodisch. Ich könnte unmöglich sagen, ob „From Hell“ 1980 oder 2010 gezeichnet wurde. Interessant ist wie cinematisch „From Hell“ beginnt. Die Kamera folgt nicht den Charakteren, sondern sie laufen quasi ins Bild. Im Vordergrund eine tote, halb verweste Möwe. „From Hell“ richtet sich inhaltlich und ästhetisch klar an Erwachsene und ist nichts für Kinder, soviel lässt sich ebenfalls zu Beginn schon sagen.

Im Vergleich zwischen englischer und deutscher Ausgabe fällt auf, dass der deutschen ein bisschen Flair und Lokalkolorit fehlt. Moore lässt seine Figuren Umgangssprache reden. Die geht der Übersetzung von Gerlinde Althoff ab. Stört mich aber nicht sehr, da die englische Ausgabe mir auf Dauer tatsächlich zu anspruchsvoll vorkommt und ich bin eigentlich ein geübter Leser englischer Romane. Die sprachlichen Feinheiten des Originals dürften unübersetzbar sein. Es lohnt sich aber, hin und wieder zu vergleichen.

Übrigens bin ich nicht der Einzige, der sich momentan an „From Hell“ wagt. Auf 9thart.blogspot liest jemand jeden Monat ein Kapitel, für die nächsten 16 Monate! Allerdings die englische Ausgabe. Falls ihr nicht genug „From Hell“- Lektüre bekommen könnt…

Before Watchmen Comedian #2 – Ein Cover sagt mehr als tausend Worte

Weiter geht es. In der ersten Woche von „Before Watchmen“ bereitete mir „Minutemen“ #1 eine dicke Enttäuschung und bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen. Dann kam „Silk Spectre“, das ich mögen wollte und durchaus auch mögen konnte. Eine Woche drauf habe ich „Before Watchmen – Comedian“ #1 recht gern gelesen, es hatte seine Momente. „Minutemen“ #2 war nicht herausragend, aber es gefiel mir besser als „Minutemen“ #1, „Silk Spectre“ #2 veränderte den Tonfall in Vergleich zum ersten Teil etwas, wurde humoriger. Das tat aber ebenfalls eher gut. Wird „Before Watchmen – Comedian“ #2 diesen positiven Trend fortsetzen können?

Before Watchmen - Comedian #2 Cover

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Obwohl ich die Figur Edward Blake eigentlich sehr spannend finde, ist vom zweiten Heft fast nichts hängen geblieben. Irgendwas mit Boxen und Krieg (in Vietnam?), ich kann mich einfach an keinen herausragenden Moment aus „Before Watchmen – Comedian“ #2 erinnern. Die Szenen, die mir aus dem Krieg im Gedächtnis blieben, stammen aus dem Original „Watchmen“. Ging das nur mir so?

Das war nichts; eine klare Enttäuschung. Schon das Cover könnte langweiliger kaum sein. Wo zur Hölle soll das Blut herkommen? Beim Lesen hatte ich das Gefühl, die belanglose Geschichte würde routiniert erzählt, was eben auch bedeutet, ich war nicht in der Geschichte, nicht gefangen von der Handlung. Ich sah nur zu, relativ unbeteiligt.

Dafür, dass der Comedian einer der tollsten Charaktere in „Watchmen“ ist, mit vielen Geheimnissen, ein äußerst enttäuschendes Heft. Zugegebenermaßen sind die Zeichnungen noch immer nett, aber hier wurde viel Potential verschenkt. Statt sich von Heft 1 zu Heft 2 verbessern, hat „Before Watchmen – Comedian „#2 das Niveau nicht halten können. Über die zwei Seiten Piratenstory am Ende des Heftes nur soviel: Langsam wird eine Handlung absehbar. Interessant ist die Geschichte noch immer nicht.

Before Watchmen – Silk Spectre #2 – Die Swinging Sixties

Nachdem Silk Spectre a.k.a. Laurie Jupiter am Ende des letzten Heftes mit ihrem Freund Greg durchgebrannt ist, erleben wir in Before Watchmen – „Silk Spectre“ #2 ihre Versuche, ein Leben in Freiheit zu genießen. Anfangs gelingt ihr das auch. Sie und Greg landen in San Francisco, lernen ein paar Hippies kennen und führen ein Leben zwischen Kunst, Drogen, Sex, Musik und Demos, das Laurie gut gefällt. Aber natürlich bleibt das nicht lange so und bald findet sie sich im Kampf gegen die Schergen eines gewissen „Gurustein“ wieder, der einen nicht gerade teuflischen, aber doch unerfreulichen Plan ausgeheckt hat.

Before Watchmen Silk Spectre 2 DC Cover
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Silk Spectre #1 fand ich vor knapp einem Monat so lala. Eigentlich ganz gut gemacht, aber ziemlich belanglos. Silk Spectre #2 macht ziemlich genau dort weiter und zeigt uns weiter, wie Laurie zugleich erwachsen, als auch die neue Silk Spectre wird. Sie findet einen Widersacher und einen Grund zu kämpfen. Sie entscheidet sich für ein Kostüm. Nebenbei wird viel Sixties-Feeling verbreitet. Zumindest ist das offensichtlich der Plan gewesen. Teilweise funktioniert es auch gut, insgesamt könnte das Ergebnisse aber überzeugender sein. Es gibt Anspielungen en masse, aber sie zünden nicht recht. Und das, obwohl ich die 60er (und vor ihnen die Beats der 50er) sehr mag. Drogen kommen vor, aber es wird lediglich ein wenig gekifft. Sex kommt vor, aber man ist einander treu. Rock’n‘ Roll mit schlüpfrigen Texten kommt vor, aber von ihm geht Gefahr für die Charaktere aus. Das Ganze ist einfach zu bieder, um richtig unterhaltsam zu sein. Die 60er in Silk Spectre (oder in Before Watchmen allgemein?) sind weniger düster, weniger vom Vietnamkrieg geprägt (was Sinn macht). Das macht sie aber auch langweiliger. Darwyn Cooke und Amanda Conner füllen die Lücke mit Kapitalismuskritik. Das kommt aber fast nicht rüber. Lediglich bei einer Demo werden „Make love, not profit“- Schilder geschwenkt. Es braucht schon einen Bösewicht, der im Namen des Konsums handelt, um dem Leser die Message einzupauken, was ziemlich schwach ist.

Das liegt zum Teil auch an den Zeichnungen von Amanda Conner. Die sind gut, aber irgendwie sehr hell, fröhlich und hübsch. Das lässt alles leichter und beschwingter wirken, als es sein sollte. Die Mimik der Charaktere ist überzeichnet. Das sehr klassische Paneldesign ist Geschmackssache, gefällt mir aber gut. Es wäre schön, wenn es Conner gelingen würde, düstere Szenen künftig etwas düsterer zu zeichnen, ihren Stil mag ich ansonsten nämlich gern.

Während mir das Cover von Silk Spectre #1 sehr zusagte, ist das Cover in diesem Monat kein Highlight. Irgendwie ist es seltsam coloriert und wirkt zugleich detailarm und überladen. Die Geschichte leidet zusätzlich unter einem irritierenden „Cliffhanger“. Spannung kommt irgendwie nicht auf. Eher sehr unschöne Sorge um Laurie, die nicht recht zur sonstigen Stimmung passen will und zu unvermittelt kommt und einen abrupt aus der Geschichte reißt. Das hätte man besser machen können.

Nach zwei eher schwachen Wochen mit Minutemen #2 und Silk Spectre #2 bin ich wieder deutlich skeptischer, was den Rang von Before Watchmen angeht. Kann man durchaus lesen, ist aber nicht herausragend. Momentan erscheinen deutlich bessere Comics, die euer Geld eher wert sind, zumal die Before Watchmen-Hefte mit 3,99$ auch ziemlich teuer sind.

Matt Kindt: Mind MGMT – Ein Mindfuck in Wasserfarben?

Falls ihr wie ich ein wenig traurig darüber seid, dass demnächst mit Heft 40 Jeff Lemires tolle Serie „Sweet Tooth“ zu Ende geht: Grämt euch nicht, etwas Ähnliches ist in Gestalt von „Mind MGMT“ schon unterwegs. Damit lehne ich mich zugegebenermaßen weit aus dem Fenster, sicher ist es nach zwei Heften natürlich noch nicht, aber wie ich finde: absehbar.

Matt Kindt Mind MGMT #1 Cover

Matt Kindts „Mind MGMT“ ist eine neue fortlaufende Serie von Dark Horse Comics, ein Verlag, der mir in letzter Zeit (neben Image Comics) immer besser gefällt. Was aber auch mit der, zumindest subjektiv, abnehmenden Qualität der Comics aus dem Hause Vertigo zu tun haben dürfte. Aber das nur am Rande.

Matt Kindt kennt ihr vielleicht als nagelneuen Schreiberling von „Frankenstein – Agent of S.H.A.D.E“ (welches er von Jeff Lemire, übrigens einem guten Freund, übernimmt) oder auch als Zeichner eines Story Arcs in dessen Sweet Tooth. Sein Debut hatte Kindt mit dem von Kritikern ziemlich gelobten „Pistolwhip“, habe ich selbst aber nie gelesen.

Mit „Mind MGMT“ schreibt Matt Kindt sowas wie einen Mysterythriller. Naja, eher einen Spionageroman mit geheimnisvollem Touch. Nein, eher ein ziemlich abgefahrener Mix aus Grant Morrissons (oder David Lynchs) überbordendem Einfallsreichtum, Verschwörungstheorie, Independent Comic und – nun ja – Sweet Tooth.

Die scheinbare Ähnlichkeit mag aber auch mit den Zeichnungen zusammenhängen, immerhin kommt es nicht allzu häufig vor, dass eine fortlaufende Serie in einem der großen Mainstreamverlage von einer einzigen Person erdacht, geschrieben und gezeichnet wurde. Und Kindt pflegt einen ähnlich unverwechselbaren Stil wie Lemire.

Beide gehen ähnlich expressiv zu Werke, zeichnen nicht sehr sauber, sondern mit viel Energie. Kindts Zeichnungen sind deutlich blasser als Lemires, wirken wie mit Wasserfarbe gezeichnet, aquarellartig. Die Stile ähneln sich auf den ersten Blick sehr, unterscheiden sich im Detail deutlich, wirken aber beide sehr indie. Daher wird der Vergleich mit Lemires Sweet Tooth wohl noch des Öfteren gezogen werden. Diesen Vergleich muss Mind MGMT aber keineswegs scheuen. Soviel lässt sich nach zwei veröffentlichten Heften bereits sagen. Wo Matt Kindt mit Mind MGMT genau hin will, ist unklar, aber dass es interessant werden dürfte, zeichnet sich schon deutlich ab. Das war bei Sweet Tooth damals nicht anders.

Die Story von Mind MGMT beginnt mit unerklärlichen Gewaltausbrüchen. Die ersten paar Seiten sind sehr beeindruckend, sie schaffen eine bedrückende, unangenehme Atmosphäre, fast ohne Text und ohne Protagonisten, die dem Leser Identifikationspotential bieten würden. Der Rest des Comics dreht sich größtenteils um Meru, einer erfolglosen Schriftstellerin, die mysteriöse Fälle von Amnesie untersucht. Wie kann es sein, dass alle Fluggäste eines Linienfluges (Flug 815) gleichzeitig unter Gedächtnisverlust leiden? Oder ein gesamtes Dorf? Parallel dazu laufen noch andere, teils viel kleinere Geschichten oder Teile von Geschichten, mal mit Bezug zum aktuellen Heft, mal mit Bezug zum nächsten.

Es geht um Agenten, um Menschen mit besonderen Fähigkeiten, im weitesten Sinne mit „Superkräften“. Mind MGMT ist eine Art CIA für besonders begabte Menschen, genaueres ist noch nicht bekannt. An den Rändern jeder Seite des Comics verstecken sich kurze Hinweise für Agenten, der sogenannte Mind MGMT Field Guide, der dem Geschehen mitunter noch eine weitere Ebene Bedeutung hinzufügt. Mind MGMT ist, liest man sorgfältig, ziemlich komplex. Das bemerkt aber nur, wer sich darauf einlassen will. Wer möchte, liest Mind MGMT auch einfach schnell und flüssig weg und wird gut unterhalten.

Fazit: lasst euch von den Zeichnungen bloß nicht abschrecken! Ihr gewöhnt euch dran. Folgt der interessanten Handlung. Achtet auf die liebevoll versteckten Details. Unterstützt ambitionierte Nachwuchsautoren, die den Sprung von Indie zu Mainstream wagen. Im Comic ist das schließlich gar nicht so verkehrt.

Earth 2 #1 – #3 Review – A different world…

„Earth 2“ ist ein weiterer Neustart von DC Comics, geschrieben von James Robinson, gezeichnet von Nicola Scott. Earth 2 hängt eng mit dem ziemlich guten „Worlds Finest: Huntress & Power Girl“ zusammen. Es hat auch ähnliche Qualitäten und Schwächen.

Earth 2 #1 Cover
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Beide bieten gute Unterhaltung. Earth 2 kommt etwas epischer daher.

Überhaupt beginnt Earth 2 mit großen, weltbewegenden Umwälzungen. Ein übermächtiger Feind namens Steppenwolf tötet alle Superhelden. Es gibt keinen Superman mehr. Keinen Batman, keine Wonder Woman. Robin und Supergirl sind verschollen (In Worlds‘ Finest erfährt man mehr darüber). Es ist Not am Mann und es finden sich zōgerlich neue Helden. Die Hauptfiguren sind (bisher) Green Lantern und Flash, Mr. Terrific und Hawkgirl hatten ebenfalls Auftritte und ein oder zwei Bösewichte durften wir ebenfalls bewundern. Alle Charaktere sind jeweils in Earth 2-Version (also mit anderen Vorgeschichten, teils anderen Kräften etc.). Fans der Originale müssen sich also etwas umstellen, haben aber mutmaßlich viel Vergnügen mit den kleinen Unterschieden. Neuleser werden ein paar Anspielungen verpassen, was den Spaß doch mindert.

Das Ganze ist erzählerisch eher Hausmannskost, James Robinson geht alles Andere als kreativ zur Sache. Mir persönlich gefallen Huntress und Power Girl als Protagonisten in Worlds‘ Finest besser, mag aber auch daran liegen, dass diese zwei bereits ein eingespieltes Team sind, wahrend Earth 2 seine Geschichte und seine Protagonisten noch aufbaut.

Die Zeichnungen von Nicola Scott sind allerdings erste Sahne und tragen viel dazu bei, dass es einfach Spaß macht, ein paar Minuten (länger braucht man nicht) in Earth 2 zu schmökern. Nach drei Heften macht Earth 2 viel Spaß. Jetzt könnte von mir aus aber ein größerer Story Arc losgehen. Das Ende von Heft 3 deutet genau das an, insofern bin ich optimistisch, dass die Reihe lesenswert, wenn auch nicht herausragend bleiben wird.

Brian Wood: The Massive – Landfall

„The Massive“ hat mich direkt beim Coverdesign an „DMZ“ erinnert und damit neugierig gemacht. Tatsächlich wurde The Massive von Brian Wood geschrieben, der – neben vielen anderen tollen Comics (Demo, New York Five, etc.) auch der Autor von DMZ war. Zwei Hefte sind bisher bei Darkhorse Comics erschienen.

Brian Wood The Massive #1 Cover

DMZ habe ich zeitweilig gelesen. Ausgestiegen bin ich nur, weil die realistische Handlung mir gefühlt etwas wenig Comic für mein (knappes) Geld bot. Die Hefte lasen sich einfach zu schnell. Gezeichnet wird The Massove von dem mir bisher unbekannten Kristian Donaldson

Der Leser erlebt die Abenteuer von Umweltaktivist Callum Israel und seiner Crew (seinen „Freiwilligen) auf ihrem Schiff namens Kapital. Die Serie spielt nach einer verheerenden Häufung verschiedener Umweltkatastrophen. Riesige Flutwellen haben ganze Städte überflutet. Dürren wüten, Tiere versterben auf mysteriöse Weise. Die Menschheit steht an der Schwelle zum Aussterben oder muss sich schleunigst an die veränderten Bedingungen anpassen.

Israel und seine Crew sind in dieser Welt aus den Fugen auf der Suche nach ihrem Schwesterschiff, der titelgebenden Massive. Der Leser begleitet sie dabei. Das ist spannend, da die Welt nach all den Katastrophen nicht friedlicher, sondern eher gefährlicher geworden ist. Auch das eine Ähnlichkeit zwischen The Massive und Woods DMZ.

Woods Szenario ist großartig. Es ist apokalyptisch, aber gerade noch im Bereich des Möglichen. Es kommt ohne fantastische Elemente aus und wirkt daher umso beklemmender. Wood wechselt gekonnt zwischen verschiedenen Zeitebenen. Der Leser nimmt wie nebenbei eine Menge Hintergrundinfos auf. Die Zeichnungen von Kristian Donaldson sind göttlich. Sehr sauber, sehr auf den Punkt, aber nicht kalt oder steril. Großes Lob! Am Ende jedes Heftes gibt es noch ein paar nette, aber nicht unbedingt notwendige Hintergrundinfos.

Etwas blass bleibt bisher (nach zwei von drei Heften von „Landfall“) ein großer Teil der Crew. Hier hat Wood noch Verbesserungspotential. Andererseits muss er seine Charaktere nach und nach einführen und die Charaktere, denen er sich bisher gewidmet hat, sind einprägsam und bleiben im Gedächtnis. Insofern denke ich, dass Wood meine Kritik im Lauf der Zeit obsolet machen wird, indem er mehr Charakteraufbau betreiben wird. Nach nur zwei Heften hat der Leser ein Gefühl für die Welt und eine Handvoll Charaktere und fiebert mit – alles Andere als eine schlechte Leistung von Brian Wood.

Fazit: Ein kleiner, feiner Comic für alle, die mal etwas Abwechslung von Superhelden-Comics wollen. DMZ-Fans aufgepasst. „The Massive“ könnte eure neue Lieblingsserie werden.

Before Watchmen – Minutemen #2 Review

Als ich den Groben Unfug betrat, hatte ich mit „Before Watchmen- Rorschach“ #1 gerechnet und als mir stattdessen Heft 2 von „Before Watchmen – Minutemen“ von Darwyn Cooke in die Hand gedrückt wurde, war ich ein wenig enttäuscht. War „Before Watchmen – Minutemen“ #1 bisher doch mit Abstand das schwächste Heft der Reihe gewesen.

Eines muss ich vorweg zugeben: Minutemen #1 wird besser, je mehr Hefte von „Before Watchmen“ erscheinen. Die Struktur ergibt mit jedem erschienenen Heft mehr Sinn. Before Watchmen – Minutemen #1 wird Bestandteil eines größeren Ganzen und das tut ihm spürbar gut. Aus dem Grund war ich Before Watchmen – Minutemen #2 gegenüber auch schon deutlich positiver eingestellt als noch dem ersten Heft. Würde es dem gerecht werden?

Before Watchmen Minutemen #2 Cover

Gleich ein paar Worte der Vergewisserung: Ja, Before Watchmen – Minutemen #2 ist besser als #1. Oder, anders ausgedrückt: Es passt zur Reihe. Langsam nimmt das Konstrukt Gestalt an und man beginnt zu verstehen, in welche Richtung die Serie gehen könnte und zu welchem Zweck. Die Minutemen sind also Quasi-Vorbild der Watchmen natürlich spannend, kann man doch an ihnen Entwicklungen beobachten, die die Watchmen später ebenfalls durchleben werden (bzw., für Leser der Original-Watchmen-Comics: die sie durchlebten). Oder auch nicht, dann ist es interessant, wieso die Entwicklung verschieden verlief, obwohl die Ausgangsbedingungen sich so ähneln.

Die Zeichnungen von Darwyn Cooke mag ich noch immer nicht, sie sind mir zu cartoonhaft, aber mit dem Wissen, was mich erwartet, war es leichter, mich darauf einzulassen und ein paar durchaus gelungene Panels zu schätzen zu wissen. Cooke ist nicht übel, nur gar nicht nach meinem Geschmack. Passt der Stil zu Watchmen? Schwer zu sagen, ich würde eher „Nein“ sagen. Andererseits habe ich gestern mal wieder in Watchmen geblättert und ich bin nicht sicher, ob mir die Kolorierung heute noch zusagen würde. Insofern ist mein Urteil offenbar sehr subjektiv geprägt und muss nicht der Realität entsprechen. Viele Reviewer sind von Minutemen und vor allem von Cookes Zeichnungen schließlich sehr begeistert.

Was dieses Mal besser gelungen ist, ist die Geschichte. War Minutemen #1 noch ein notdürftig zusammen gehaltener Flickenteppich aus Einzelgeschichtchen, zieht Before Watchmen – Minutemen #2 Tempo und Spannung ordentlich an. Endlich sieht man das Team interagieren. Es brechen Konflikte aus (nicht zu knapp, hier liegt noch viel Potential für Drama) und die Minutemen planen einen Einsatz und führen ihn auch aus. Natürlich läuft nicht alles glatt, natürlich spielt Mason als sowas wie ein Erzähler, ein Kommentar, weiter eine gewichtige Rolle für die Erzählung. Da ich seinen Ton sehr mag, kann ich sagen: Minutemen #2 bietet einfach mehr vom Guten. Dabei wirkt es weniger zerfasert und mehr aus einem Guss als sein Vorgänger.

Es gibt aber auch bei der Geschichte Schwächen. Das Superhelden-Casting wirkt durch seine humorige Art etwas deplatziert. Der Cliffhanger ist gut, verschenkt aus meiner Sicht aber Wucht, weil er sich etwas zu geheimnisvoll gibt. Die sozialkritischen Anspielungen, ja die Anspielungen überhaupt, sind mitunter etwas direkter, als ihnen gut tut. Die Homosexualität zweier Charaktere wird meiner Meinung nach etwas zu sehr in den Vordergrund gerückt. Dafür mag es historische Gründe geben, immerhin spielt Before Watchmen in den 60er Jahren, aber der moderne Leser ist doch eher gelangweilt, wenn zum dritten Mal, wie nebenbei, aber eben doch penetrant auffällig, darauf hingewiesen wird, wie schwierig, gefährlich und überhaupt die Beziehung zwischen zwei Charakteren doch sei. Dabei weiß man über die Charaktere kaum etwas, es wird fast nur über sie geredet, sie werden thematisiert. Schade, das Thema hätte eine bessere Behandlung verdient.

Fazit: Before Watchmen – Minutemen #2 bietet nix Neues, aber es unterhält gut. Das ist etwas weniger als die anderen Before Watchmen-Serien bieten, aber immerhin eine Verbesserung im Vergleich zum ersten Teil.

He-Man and the Masters Of The Universe #1 Review – Von einem der auszog, He-Man zu werden

He-Man ist wieder da. DC bringt eine brandneue Serie rund um unseren Lieblingsmuskelprotz an den Start. Aber mal ehrlich: Muss das sein? Sind wir aus dem Alter nicht raus?

He-Man ist aus unserem Leben verschwunden sein, aber er bleibt ein guilty pleasure. Wir würden durchaus gern zu ihm zurückkehren, aber wir haben Angst enttäuscht zu werden. Was, wenn unsere Fantasie uns einen viel besseren He-Man erinnern lässt, der uns als erwachsene Menschen befremdet?

He-Man  and the Masters Of The Universe #1 Cover
Adam träumt davon ein Held zu sein. Also macht er sich auf in den Wald, wo er auf Beast Man trifft. Die beiden kämpfen. Adam gewinnt. Skeletor findet das nicht gut und bläst zum Generalangriff (Mal ehrlich, das hier ist He-Man, das liest niemand wegen einer ausgefeilten Hintergrundgeschichte, oder? Es ergibt alles irgendwie genug Sinn, das reicht völlig aus). James Robinson macht einen guten Job und liefert eine oldschool Helden-Originstory. Es reicht, dass Adam ein Held werden will, mehr Motivation braucht es nicht. Er taumelt zufällig in einen Kampf. Dadurch werden weitere Kämpfe mit den Vasallen des späteren Erzfeindes getriggert. Wir wissen, wie „Masters Of The Universe“ funktioniert. He-Man ist nie tiefsinnig gewesen, es war immer Unterhaltung. James Robinson will daran offenbar nichts ändern.

Die Zeichnungen sind bei einer Serie wie He-Man and the Masters Of The Universe ein schwieriger Fall. Zugleich alte Fans und Neuleser anzusprechen ist ein schwieriger Spagat. Manchem sind sie auf den ersten Blick zu retro bzw. zu trashig, anderen sind sie nicht retro und trashig genug. Es da jedem Fan recht zu machen, ist unmöglich. Der Kompromiss, der hier gewählt wurde, gefällt mir. Die Zeichnungen von Philip Tan haben Charme und verweisen immer wieder in die guten alten Zeiten, sie tun aber nicht in den Augen weh, wie mancher Kultcomic aus den 80ern und frühen 90ern. Die (bei He-Man naturgemäß zahlreichen und zentralen) Actionsequenzen kommen gut und spannend rüber. Stets weiß der Leser, was gerade passiert. Die Sequenz, in der He-Man (bzw. Adam, denn noch existiert He-Man nicht) gegen Beast Man kämpft nimmt knapp die Hälfte des Comics ein. He-Man war noch nie etwas für Schöngeister.

Ehrlich, das hier ist nicht herausragend. Neuleser dürften wenig Spaß damit haben. Es ist von Fans (man hat das Gefühl, es steckt Herzblut darin) für Fans geschrieben. Diese empfinden bei diesem ersten Heft der neuen Reihe ein diebisches Vergnügen und hoffen insgeheim auf die Wiedergeburt weiterer cooler Serien aus der Kindheit. Die Thundercats würde ich beispielsweise ungesehen kaufen!

Before Watchmen – Ozymandias #1 Review – Die Leiden des jungen Veidt

Weiter geht es mit „Before Watchmen„, einer Art Spin-Off des Kultcomics „Watchmen“ von Alan Moore und gezeichnet von Dave Gibbons. Trotz seines Alters ist Watchmen immer noch sehr lesenswert, allerdings lassen sich 20 Jahre nach Ende des kalten Krieges Abnutzungserscheinungen feststellen. Watchmen stellt aktuelle Fragen, ist selbst aber in vielen Anspielungen nicht mehr aktuell. Diese Woche werfe ich einen Blick auf „Before Watchmen – Ozymandias #1„, geschrieben von Len Wein (das ist der Herr, der auch den Piratencomic am Ende jedes Heftes schreibt), gezeichnet von Jae Lee.

Before Watchmen - Ozymandias #1 Cover

Die Figur von Ozymandias, die auf uralten Wurzeln wie Alexander dem Großen oder den ägyptischen Pharaonen fußt, altert erstaunlich langsam. In ihrer Zeitlosigkeit ist sie ungebunden an tatsächliche Verhältnisse. Der schlaueste Mensch der Erde ist der schlauste Mensch auf Erden, zu jeder Zeit. Ozymandias ist der schlaueste Mensch der Welt und wie sein Vorbild Alexander will er die Welt erobern. Ozymandias spielt eine zentrale Rolle in Watchmen, welche genau kann ich hier nicht verraten, der eine oder andere mag vielleicht ja Watchmen noch lesen. Übrigens quasi die Gegenwart in Ozymandias #1, auch wenn das nur kurz anklingt und für die bisherige Geschichte unbedeutend ist.

Before Watchmen – Ozymandias #1 macht sich daran, uns den Menschen hinter Ozymandias ein wenig näher zu bringen. Wein zeigt uns, was mit Adrian Veidt geschah, bevor er sich sein Kostüm anzog und zu Ozymandias wurde. An der Geschichte ist nichts neu. Selbstfindung, Liebe, Tod – alles Klischees. Wein verlässt sich beim Erzählen sehr auf Worte, Ozymandias #1 ist textlastig. Das hat mich aber nicht gestört, denn Len Wein nutzt einen recht hübschen, manchmal fast poetischen Erzählstil, um uns die Geschichte aus der Sicht Adrian Veidts nahezubringen. Wir schauen Veidt beim Denken zu und was er denkt ist oft kalt und distanziert, durchbrochen allerdings von Momenten der Zuneigung einzelnen Menschen gegenüber. Veidt ist auf der Suche. Wir folgen ihm von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter und lernen, ihn etwas besser zu verstehen. Ich habe zwar keine große Sympathie für ihn entwickelt, aber das ist auch nicht gewollt. Adrian Veidt, der Mensch, verschwindet zunehmend und zum Vorschein kommt Ozymandias, ein gottähnliches, amoralisches Wesen. Was sich ein bisschen mit dem Motiv beißt, das Wein sich für die Verwandlung ausgedacht hat. Das ist nämlich ein sehr emotionales. Ich bin gespannt, ob Len Wein das noch vernünftig auflösen kann.

Before Watchmen – Ozymandias #1 ist gut, aber nicht herausragend erzählt. Seine größte Qualität liegt in den Zeichnungen von Jae Lee (Dark Tower). Er zeichnet Personen sehr detailliert und warm. Lebendig. Sie sehen einfach ganz wundervoll aus. Hintergründe gibt es kaum. Schaut euch mal diese Bilder an:

Before Watchmen Ozymandias #1 Seite

Eine Seite aus Before Watchmen Ozymandias #1

Before Watchmen Ozymandias #1

Eine Seite aus Before Watchmen Ozymandias #1

Before Watchmen Ozymandias #1

Eine Seite aus Before Watchmen Ozymandias #1

Sind die nicht wunderschön? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich der Stil nicht sehr schnell abnutzt, aber noch bin ich verliebt in Jae Lees Art zu zeichnen. Die gute Geschichte und die grandiosen Zeichnungen machen Ozymandias zu meinem bisherigen Lieblingsheft aus der Reihe.

Fazit: Der Aufwärtstrend setzt sich fort. Insgesamt bewegt „Before Watchmen“ sich auf einem sehr hohen Niveau. War ich anfangs skeptisch, ob „Before Watchmen“ der Serie schaden oder nützen würde, so bin ich mir zunehmend sicher, dass es eine Bereicherung darstellen wird.