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The Guardian wertet Kommentare aus: Eight of the 10 most abused writers are women, and the two men are black

„As part of a series on the rising global phenomenon of online harassment, the Guardian commissioned research into the 70m comments left on its site since 2006 and discovered that of the 10 most abused writers eight are women, and the two men are black.“

The dark side of Guardian comments von Becky Gardiner, Mahana Mansfield, Ian Anderson, Josh Holder, Daan Louter und Monica Ulmanu belegt mit vielen Daten traurige Gewissheiten.

„New research into our own comment threads provides the first quantitative evidence for what female journalists have long suspected: that articles written by women attract more abuse and dismissive trolling than those written by men, regardless of what the article is about.“

 

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ti_leos Links der Woche (KW 22)

ti_leos Links der Woche (KW 22)

Los geht’s mit einem faszinierenden Text über Bewusstsein, Gehirne, Transhumanismus, die Grenzen der Persönlichkeit und warum wir alle bereits Hive Minds sind: Hive consciousness.

Fast 100 Jahre nach Ende des ersten Weltkrieges ist in Frankreich Land in der Größe von Paris unbewohnbar. The Real “No-Go Zone” of France: A Forbidden No Man’s Land Poisoned by War stellt euch die Zone Rouge vor, mit vielen Fotos.

„English’s relative share of cyberspace has shrunk to around 30%, while French, German, Spanish and Chinese have all pushed into the top 10 languages online.“ Google erkennt 30 europäische Sprachen, aber nur eine afrikanische. Im Chinesischen lässt sich in 140 Zeichen deutlich mehr sagen als im Deutschen. Das Internet basiert auf Text, auf Sprache und ist daher nur so groß, wie unsere Sprachkenntnisse – The digital language divide ist voller interessanter Details.

Related: How to learn 30 languages, darüber, wie Sprache unser Gehirn fordert und trainiert und wie manche Menschen (Hyperglots) es vermögen, bis zu 30 Sprachen zu erlernen. Es scheint, als wäre die Hypothese, dass nur Kinder so richtig gut Sprachen erlernen können, weil ihr Gehirn eine höhere Plastizität aufweist und dass Erwachsene sich viel schwerer damit tun würden, nicht ganz zutreffend.

Zwei Texte über Puppen, weil Puppen politisch sind! World’s First Line Of Dolls With Disabilities Are Flying Off The Shelves  und Addy Walker, American Girl.

Wisst ihr welche Berufsgruppe (in den USA) am wenigsten heterogen ist? Anwälte! So sind dann halt auch die Gesetze und deshalb ist es wichtig, gerade in einem Rechtsstaat, nicht blind jedem Gesetz zu gehorchen, sondern Kritik zu üben und zivilen Ungehorsam, wenn man es für angebracht hält. Law is the least diverse profession in the nation. And lawyers aren’t doing enough to change that.

No one cares about your jetpack: on optimism in futurism. Plädoyer einer Futuristin gegen Optimismus im Futurismus, letztlich sogar gegen den Versuch präziser Vorhersagen überhaupt und trotzdem auch eines für die Beschäftigung mit der Zukunft.

Entgegen dem noch immer weit verbreiteten Vorurteil, reden Frauen in Diskussionen weniger als Männer. Why women talk less beschäftigt sich damit, woran das liegen könnte und wie es sich ändern lässt.

Auch in dieser Woche habe ich einen guter Text darüber, warum Triggerwarnungen wichtig und richtig sind, gelesen. „How much do people who have not experienced sexual assault, racism, transphobia, and so on have to consider how profoundly these experiences continue to harm people in their own community?“ – Teaching Trigger Warnings: What Pundits Don’t Understand About the Year’s Most Controversial Higher-Ed Debate.

Jessamyn Stanley ist eine „fat femme“ und macht Yoga. A Prominent Yogi on Fat Yoga, Instagram, and Changing Stereotypes ist ein Interview mit ihr, in dem sie unter Anderem über Schönheitsideale und „Fat“ Yoga spricht.

Über Mad Max – Fury Road wurde bereits viel gesagt, aber darüber, wie der Film Menschen mit Behinderung darstellt, habe ich noch nichts gelesen: Disability in the Dystopian Future of Mad Max: Fury Road

Wie man mit schlechter Wissenschaft ganz einfach die Medien hereinlegen kann und was von Ernährungswissenschaft generell so zu halten ist: I Fooled Millions Into Thinking Chocolate Helps Weight Loss. Here’s How.

Die Denver ComicCon hat ein Panel über Frauen in Comics abgehalten – ganz ohne Frauen. M( Denver ComicCon Had a Women In Comics Panel With No Women

The Status of Women in the States provides data on women’s progress in 50 states, the District of Columbia, and the United States overall. Sehr cool. Hätte ich gern für mehr Länder, möglichst viele.

Wenn eine Gesellschaft sich durch einen 12-jährigen Afroamerikaner eher bedroht fühlt als durch 170 Mitglieder einer (weißen) Biker-Gang, die um sich schießen, hat sie ein offensichtliches Rassismusproblem. Biker Gangs, Tamir Rice, And The Rise Of White Fragility über White Fragility in den USA. Lässt sich aber auch auf andere Länder übertragen.

Apropos: How Do You Define a Gang Member?

Was, wenn man Tod und Sterben als Problem sieht und versucht, ein Business darauf aufzubauen, ein Produkt zu entwickeln, das den Menschen Tod und Sterben erleichtert? Dieser Frage geht Death, Redesigned nach.

Why Time Slows Down When We’re Afraid, Speeds Up as We Age, and Gets Warped on Vacation.

Internet Trends 2015 von Mary Meeker. 196 Seiten Präsentation, aber hat für interessierte Leser einige interessante Details zu bieten.

Anwen Crawford darüber, wie es ist, Musikkritikerin zu sein und warum wir mehr davon brauchen: The World Needs Female Rock Critics.

Was für die Twitternutzer und Statistik-Fans: Who are Twitter’s verified users?

Überrascht mich jetzt nicht direkt, aber da es viele kluge Menschen gibt, die Emojis regelrecht hassen: Emojis bereichern unsere Kommunikation und sie werden zukünftig eher mehr als weniger genutzt werden. There’s Nothing Lazy About Using Emojis to Communicate.

Man kann angesichts des aktuellen Erfolgs schnell vergessen, dass es um den Jahrtausendwechsel rum gar nicht gut um Marvel Comics stand und Brian Michael Bendis, ein unbekannter Indie-Comics-Autor, fast die letzte Hoffnung für Marvel war. The Secret History of Ultimate Marvel erzählt die Geschichte des Reboots, der Marvel wieder auf Erfolgskurs gebracht hat und warum Marvel 15 Jahre später trotzdem (fast) alles wieder rückgängig macht.

Wie die Musikerinnen Mitski und K Rizz auf ganz verschiedene Art Vorurteile sichtbar machen: How Mitski and K Rizz are Debunking Asian Female Stereotypes in Music.

Lil “Milktea” Chen über Sexismus im E-Sport (hier: Smash Bros): Former female competitive Smash player talks sexism in esports

Mansplaining: Die Statue:

Porngram zeigt die Häufigkeit von Worten in den Titeln von Pornovideos

Porngram
Das Internet ist für Porn. Und für Seiten wie Porngram, die die Titel von 800.000 Pornovideos auswerten, um euch in einer Zeitleiste zu zeigen, wie häufig bestimmte Worte darin vorkommen. Hooray Internet!

(Ohne Jux: Es gibt tatsächlich (bald) Porn Studies, die sich wissenschaftlich mit Pornografie beschäftigen.)

Hurra, wir sind alle vollbeschäftigt!

Immer mehr Menschen werden nicht mehr gebraucht. Es gibt schlicht keine Arbeit für sie. Selbst ernsthafte Ökonomen wie Jeremy Rifkin, immerhin Berater diverser Regierungen und der EU- Kommission, oder Milton Friedmann, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften prophezeien „das Ende der Arbeit“ und fordern daher ein Grundeinkommen bzw. ein Bürgergeld. In Deutschland könnte man hier Götz Werner, Gründer, Gesellschafter und Aufsichtsratmitglied von dm-drogerie markt, oder Dieter Althaus, Ministerpräsident von Thüringen, als prominente Befürworter eines solchen Systems anführen. Die Konzepte unterscheiden sich, eines scheint aber klar: Uns geht die Arbeit aus. Wir müssen uns Gedanken machen.

Trotzdem geistern momentan genau gegenteilige Berichte durch die Medien. Vollbeschäftigung
sei möglich, bald sogar. Schon in einem Jahrzehnt könne dieser paradiesische Zustand erreicht werden, prognostizierten vor Kurzem Kurt Beck und sein Vize Frank-Walter Steinmeier in der Süddeutschen Zeitung. Wie passt das denn zusammen?

So:

Vollbeschäftigung heißt nicht: Jeder hat Arbeit. Vollbeschäftigung ist eigentlich ein äußerst vager Begriff, bloße Theorie und ziemlich beliebig. Man spricht von Vollbeschäftigung, wenn die Arbeitslosenquote einen bestimmten Prozentsatz nicht überschreitet. Über diesen Prozentsatz kann man schon genug streiten. Liegt er irgendwo zwischen 4,5 und 6 Prozent oder doch, wie zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders bei unter einem Prozent?

Die Arbeitslosenquote ist aber selbst schon ein wenig aussagekräftiger Wert. „Arbeitslos ist, wer weniger als 15 Stunden in der Woche arbeitet, aber mehr als 15 Stunden arbeiten will und jünger als das jeweilige Rentenalter ist. Darüber hinaus muss die Person dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und bereit sein, jede zumutbare Arbeit anzunehmen. Mit Verweis auf die Verfügbarkeit zählt nicht als arbeitslos, wer an Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit teilnimmt (z.B. Trainingsmaßnahmen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) oder eine Ich-AG
gegründet hat.“
Quelle

Schauen wir uns das mal genau an. Erhöhen wir nun das Rentenalter, haben wir plötzlich mehr Arbeitslose. Gehen wir von der Möglichkeit der Frühverrentung aus, sind es weniger. Muten wir offiziell arbeitslos gemeldeten Menschen mehr zu ( einer arbeitslosen jungen Frau beispielsweise Prostitution (nachzulesen hier) oder beschäftigen wir sie einfach mehr (Stichwort: ABM-Maßnahmen, Ich-AG, 1-Euro-Job), senken wir die Quote. Nützt zwar keinem etwas, sieht aber besser aus. Wir verringern die Arbeitslosenquote, ohne einem einzigen Arbeitslosen einen Arbeitsplatz geschaffen zu haben.

Wir stellen fest: Die Arbeitslosenquote ist nicht aussagekräftig. Da Vollbeschäftigung unmittelbar an sie gekoppelt ist, trifft hier dasselbe zu.

Oder man legt gleich eine ganz andere Definition an, wie Olaf Scholz, Bundesminister für Arbeit und Soziales auf Tagesschau.de: Für Scholz ist der Zustand der  Vollbeschäftigung erreicht, wenn „niemand, der seinen Job verliert länger als ein Jahr ohne einen neuen Arbeitsplatz bleibt“. Diese Definition hat für einen verantwortlichen Minister unleugbar Vorteile, denn sie ist unabhängig von Zahlen und quasi nicht überprüfbar. Ihr widersprechen nur Einzelfälle, keine Statistiken. Da sind gute Ergebnisse vorprogrammiert.

So kann man dann ruhig wieder davon reden, Vollbeschäftigung wäre prinzipiell möglich. Klar ist sie das, man braucht nur die richtigen Definitionen.