Achtung! Piraten! – Barracuda 1. Sklaven & Barracuda 2. Narben

Mir wurden freundlicherweise Rezensionsexemplare von Barracuda #1 (Sklaven) und Barracuda #2 (Narben) aus der Ehapa Comic Collection zur Verfügung gestellt (Danke auch an @quitzi vom Berliner Comicshop Grober Unfug für die Vermittlung), um sie in meinem Blog zu besprechen.

Barracuda Comic Cover
Zuerst ein paar grundlegende Infos: Barracuda ist eine auf drei Bände (á 56 Seiten) ausgelegte französische Comicserie, von der bisher zwei Teile erschienen sind. Erdacht wurde Barracuda von Jean Dufaux (bereits ein alter Hase im Comicgeschäft), der sich, wie er im lesenswerten Vorwort bekennt, bei vielen Piratenstories, von alten Errol Flynn-Filmen bis zu „Pirates Of The Carribean“, bediente, um seine eigene Version einer spannenden Piratengeschichte zu erzählen. Gezeichnet hat „Barracuda“ der Newcomer Jérémy. In Deutschland wird Barracuda in der Ehapa Comic Collection veröffentlicht. Ein Band kostet 13,99€, dafür bekommt der Käufer aber auch ein schön großformatiges Hardcover, so dass die Zeichnungen gut zur Geltung kommen. Zum unterwegs Lesen eignet sich Barracuda dadurch allerdings nicht.

Der titelgebende „Barracuda“ meint keinen Raubfisch und keinen Mensch – nein, Barracuda bezeichnet das Schiff unter der Kontrolle des gefürchteten Kapitäns Blackdog. Dieses spielt zu Beginn von Band 1 eine wichtige Rolle, führt es doch, im Rahmen einer Seeschlacht, alle Protagonisten zusammen und in die Handlung ein. Von zentraler Bedeutung sind hier drei Jugendliche an der Grenze zum Erwachsenenalter: Raffy, Sohn von Kapitän Blackdog, Maria, aus dem reichen Haus Scuebo und Emilio, ein Bediensteter des Hauses Scuebo. Ihre Schicksale sind in Barracuda eng miteinander verwoben.

Schon die düsteren Cover versprechen einen dunklen, blutigen Trip und Barracuda ist wirklich um Einiges brutaler als beispielsweise „Pirates Of The Carribean“. Was sehr gut ist, ich bin nämlich kein großer Fan der überladenen, eher unernsten Filme. Piraten taugen nicht als Role-Models und eine Welt, in der es von Piraten wimmelt, dürfte für niemanden ein Vergnügen sein. Es ist Dufaux und Jérémy hoch anzurechnen, dass sie ihre eigene Stimmung schaffen und die ist nicht von Witzen, sondern dem ständigen Kampf um Reichtum und das eigene Überleben geprägt. Barracuda lässt sich hier am Ehesten mit dem Klassiker „Die Schatzinsel“ vergleichen, einem Buch, das ich in meiner Jugend sehr gemocht habe. Durch hier und da eingestreute historische Begebenheiten wird der Leser in eine Welt zurückversetzt, in der Spanien die Weltmeere befährt und Südseeinseln reinste Sündenpfuhle unter einer strahlenden Sonne sind. Hier ist niemand einfach gut und jeder verbirgt ein dunkles Geheimnis.

In dieser Welt entwickeln sich unsere drei Protagonisten auf ganz verschiedene Art und Weise und im Verlauf der Geschichte wird keiner von ihnen vor Schicksalsschlägen verschont. Widmet sich Band 1 „Sklaven“ noch eher der Einführung der Charaktere, so geht es im zweiten Teil „Narben“ darum, wie sich Raffy, Maria und Emilio angesichts ihrer gefährlichen Umgebung entwickeln. Das ist eine wirkliche Stärke von „Barracuda“. Die Charaktere wandeln sich teils stark, aber es gelingt Dufaux und Jérémy, diese Veränderungen für den Leser nachvollziehbar zu machen, auch wenn er die Entwicklung unter Umständen nicht gutheißen mag. Genretypisch gibt es auch immer wieder Actionszenen, aber diese werden vor allem eingesetzt, um die Charakterentwicklung voran zu treiben. Auch Romantik und Liebeleien kommen nicht zu kurz, Barracuda spielt außerdem ein wenig mit Geschlechterklischees, was ich erfrischend fand.

Jérémys Zeichnungen würde ich als klassisch bezeichnen, sie wirken „europäisch“ und heben sich stilistisch deutlich von US-Importen ab. Die Charaktere lassen sich alle problemlos unterscheiden, die Panels fließen natürlich, der Leser stellt sich nie die Frage, was eigentlich gerade passiert. Dass Jérémy ursprünglich eher im Mangastil zeichnete, merkt man an verschiedenen Stellen noch und das ist gut so. Mal ist es das Charakterdesign, mal ein ungewöhnlicher Blickwinkel – solche Kleinigkeiten verhindern, dass aus „klassisch gezeichnet“ „langweilig“ wird. Jérémys Zeichnungen sind frisch und modern und passen wunderbar zum Setting, auch wenn er sich mit Experimenten zurück hält.

In Band 1: Sklaven ruckelt es erzählerisch manchmal noch etwas. Manchmal fiel es mir schwer, beim ersten Lesen und Betrachten der Handlung zu folgen und mich für die Charaktere zu erwärmen. Spätestens in Band 2:Narben hat die Erzählung dann aber ihr Tempo gefunden, die Charaktere sind eingeführt und man kann nicht mehr aufhören zu lesen. Hat man „Narben“ zu Ende gelesen (was trotz „nur“ 56 Seiten dauert, „Barracuda“ ist sich nicht zu fein, euch eine Menge Text zu liefern), will man am Liebsten direkt wissen, wie die Geschichte von Raffy, Maria und Emilio weiter geht. Leider muss man sich bis dahin noch gedulden, Band 3 ist noch nicht erschienen.

Wer sich für Piraten interessiert, dem kann ich Barracuda bedenkenlos ans Herz legen. Wer sich selbst ein Bild machen will, findet hier eine Leseprobe (deutsch, PDF) .

2 Antworten zu “Achtung! Piraten! – Barracuda 1. Sklaven & Barracuda 2. Narben

  1. Pingback: Barracuda #3 – Duell – Piraten | Ti_Leo meint:

  2. Pingback: Lesestoff: Barracuda – 2. Narben « Ein Comic Leben

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